Containerschifffahrt Hanjin-Pleite treibt Frachtraten nach oben

Die Insolvenz der Großreederei Hanjin hat Auswirkungen auf den weltweiten Containertransport: Obwohl nur rund 80 Schiffe ausfallen, sind die Frachtraten unmittelbar nach der Pleite um bis zu 50 Prozent gestiegen.

Hanjin-Containerfrachter (in Kalifornien)
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Hanjin-Containerfrachter (in Kalifornien)


Für Reedereien weltweit ist es eine kurze Atempause: Nach der Insolvenz der koreanischen Reederei Hanjin sind auf einigen Fahrtgebieten die Preise für den Containertransport deutlich gestiegen. So erhöhten sich die Frachtraten zwischen Asien und Nordeuropa allein in der ersten Woche nach dem Konkurs um fast 40 Prozent, auf dem Pazifik im Frachtverkehr zwischen Asien und den USA sogar um mehr als 50 Prozent. Das geht aus Daten der Schifffahrtsbörse in Schanghai hervor.

Der Preisanstieg hat sich demnach anschließend in ähnlicher Größenordnung auf weitere Fahrtgebiete ausgedehnt, etwa zwischen Asien und dem Mittelmeer oder Asien und Nahost. Andere wie der Atlantik oder Südamerika waren nicht berührt.

Weltweit sind rund 80 Containerschiffe von Hanjin gegenwärtig außer Betrieb, die ungefähr rund 500.000 Standardcontainer (TEU) geladen haben sollen. Das ist nur ein kleiner Anteil der Weltflotte von rund 6000 Containerschiffen, die mehr als 16 Millionen TEU laden können.

In den Fahrtgebieten, in denen Hanjin aktiv ist, bedeutet der Ausfall der Schiffe dennoch einen spürbaren Rückgang der Kapazitäten und eine vorübergehende Marktbereinigung, die den Konkurrenten in Form höherer Frachtraten zugutekommt.

Nach Angaben von Schifffahrtsexperten lässt sich nicht sagen, ob dieser Trend von Dauer ist. Die Hanjin-Schiffe gehören teilweise Charterreedereien wie zum Beispiel dem Hamburger Haus Peter Döhle, die ihre Schiffe zurückbekommen und auf dem Markt wieder zur Vercharterung anbieten könnten. Eigene Hanjin-Schiffe würden im Zuge der Insolvenz von Gläubigern verwertet, also verkauft, und ebenfalls wieder in Fahrt kommen. Im Markt für Containerschiffe herrschen große Überkapazitäten, die zu einer jahrelangen Dauerkrise mit niedrigen Frachtraten geführt haben.

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nck/dpa



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Seite 1
hektor2 13.09.2016
1. Annäherung
Dann werden sich die Frachtraten ja langsam mal wieder einem gesunden Maß annähern.
Beetulli 13.09.2016
2. Das wird die letzten 500 deutschen
Seeleute bei der Niederelbe Schiffahrtsgesellschaft auch nicht mehr retten, deren Jobs sind bis 2017 weg. Die Schiffe werden ausgeflaggt, maritimes Knowhow geht Deutschland verloren.
marelycium 13.09.2016
3. Container Schifffahrt Hanjin Pleite
Zitat von hektor2Dann werden sich die Frachtraten ja langsam mal wieder einem gesunden Maß annähern.
Diese Insolvenz einer großen Linienreederei ist erst der Anfang einer langen Kette weiterer Pleiten, denn das Grundproblem ist nicht gelöst. Dem Autor empfehle ich, den Maersk-Report vom September 2016 zu lesen. Darin wird deutlich, wie stark der Container Sektor unter dem viel zu hohen Angebot an Schiffen und der schwächelnden Nachfrage leidet. Eine Besserung ist nicht in Sicht! Die Steigerung der Frachtraten ist ein Strohfeuer, denn die 80 Hanjin-Schiffe bleiben voraussichtlich weiterhin im Markt. Unmittelbar leiden jedoch die Tramp-Reeder, wie die Reederei Döhle, denn die hat für dieses Schiff keine Einnahmen mehr aber sehr hohe Betriebs-Ausgaben. Wenn das Schiff nicht neu verchartert werden kann, blinken an der Elbchaussee die Warnlampen, wie dies bei vielen anderen Tramp-Reedern bereits der Fall ist. Die Krise frisst ihre Kinder. Aber die Reeder haben selbst Schuld, denn sie haben die Krise durch ihre Bestell-Wut ja ausgelöst. Dabei wurden sie von den Banken unterstützt, die seit einiger Zeit selbst ums Überleben kämpfen.
schlauchschelle 13.09.2016
4. Es geschehen immer mehr Dinge auf diesem Planeten,
welche für mich unter die Rubrik "Gier, Raff und Abkassieren" fallen. Wenn von den gestiegenen Frachtraten ja wenigstens die Heuer für die Matrosen auf ein gerechtes Niveau stiege, dann wäre das für mich ja ok. Aber so machen sich nur die übersättigten Reeder noch satter, während die Unteren und Untersten an Bord in die Luke schauen =(
blackbike67 13.09.2016
5.
Endlich, wird auch einmal Zeit, dass diese wieder ansteigen. Alle Reedereien machen doch nur noch Verluste....
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