Hans-Böckler-Stiftung Trotz höherer Tarifabschlüsse gibt's weniger Geld

Die Tarifeinkommen sind in diesem Jahr stärker gestiegen als die Verbraucherpreise. Dennoch könnten viele Arbeitnehmer weniger Kaufkraft haben als noch 2008, berichtet die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung. Der Grund: Kurzarbeit und Arbeitszeitverkürzungen drücken das Einkommen.

Turbinenmonteur bei der Arbeit: Kurzarbeit drückt die Löhne
ddp

Turbinenmonteur bei der Arbeit: Kurzarbeit drückt die Löhne


Düsseldorf - Die Wirtschaftskrise frisst in diesem Jahr in vielen Fällen die deutlichen Tarifsteigerungen auf. Die Tarifabschlüsse lägen 2009 mit Steigerungen von überwiegend zwei bis vier Prozent zwar weit über dem niedrigen Anstieg der Verbraucherpreise von voraussichtlich 0,3 Prozent, teilte das WSI-Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung am Montag mit.

Kurzarbeit, Arbeitszeitverkürzung und auch der Abbau von variablen Einkommensbestandteilen würden aber wohl dazu führen, dass die effektiv gezahlten Reallöhne im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt 2009 im sechsten Jahr in Folge sinken.

Das Tarifjahr 2010 startet mit den Verhandlungen im Öffentlichen Dienst für Bund und Gemeinden. Es folgen laut WSI im Frühjahr die Metall- und Elektroindustrie, die Chemieindustrie und das Bankgewerbe.

In den Tarifrunden 2010 wird es nach WSI-Einschätzung außer der Beschäftigungssicherung auch um deutliche Lohnsteigerungen gehen. Wenn man die trendmäßige Produktivitätssteigerung und die von der Europäischen Zentralbank angestrebte Inflationsobergrenze von nicht mehr als zwei Prozent zugrunde lege, könnten sich Forderungen von 2,5 bis 5 Prozent ergeben, sagte Referatsleiter Reinhard Bispinck.

Für mehrere Millionen Arbeitnehmer stünden Tarifsteigerungen im kommenden Jahr durch frühere Abschlüsse schon fest. Außerdem spürten zahlreiche Tarifbeschäftigte nach dem Auslaufen von Kurzarbeit oder Arbeitszeitverkürzungen frühere Abschlüsse im Geldbeutel.

Ausgangspunkt für das Tarifjahr 2009 war laut WSI der Abschluss für die Metallindustrie vom November 2008, der unter anderem eine zweimalige Tarifanhebung von je 2,1 Prozent vorsah. Im Öffentlichen Dienst der Länder erhielten die Beschäftigten unter anderem von März 2009 an eine Tarifsteigerung von 3,0 Prozent. Ein Jahr später folgt von März 2010 an eine weitere Anhebung um 1,2 Prozent.

In der Energiewirtschaft wurden die Tarifentgelte laut WSI 2009 in verschiedenen Tarifbereichen um 3,6 bis 4,0 Prozent angehoben, zum Teil folgt im kommenden Jahr eine weitere Anhebung um 2,2 Prozent. Im Bauhauptgewerbe gab es von Juni 2009 an eine Erhöhung um 2,3 Prozent im Westen und um 2,6 Prozent im Osten. Eine weitere Stufenerhöhung in derselben Höhe ist laut WSI-Archiv von April 2010 an vorgesehen.

fro/dpa-AFX



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