Flugaffäre bei VW Staatsanwaltschaft prüft Untreue-Verdacht

Volkswagen droht neuer Ärger: Jahrelang nutzte der heutige Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch Firmenjets für Privatflüge. Das könnte nach SPIEGEL-Informationen ein juristisches Nachspiel haben.

Hans Dieter Pötsch
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Hans Dieter Pötsch

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Seit Monaten steht VW wegen der Dieselaffäre unter Druck, Ermittler durchleuchten den Konzern, geschädigte Kunden und Aktionäre verlangen Schadensersatz. Und nun droht eine Affäre um privat genutzte Firmenflieger den Autokonzern und seinen Chefkontrolleur Hans Dieter Pötsch einzuholen.

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Heft 37/2017
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Nach SPIEGEL-Informationen hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig Vorermittlungen aufgenommen: "Es wird derzeit geprüft, ob ein Anfangsverdacht wegen Untreue oder anderer in Betracht kommender Straftatbestände vorliegt", sagte eine Sprecherin der Behörde. Pötsch, der vor seiner Berufung zum Aufsichtsratschef Finanzvorstand war, hatte ebenso wie andere damalige Vorstandsmitglieder in den Jahren 2010 bis 2013 regelmäßig die Flugzeugflotte des Autokonzerns für private Flüge genutzt. Auf Druck des Ex-Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch zahlten die Manager später 2,15 Millionen Euro an VW zurück, gut eine halbe Million kam von Pötsch. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Strafrechtler sind jedoch der Ansicht, dass unabhängig von der Rückzahlung - die nicht den vollen Schaden ausgeglichen haben soll - ein Untreueverdacht zu prüfen wäre. "Wenn die VW-Leitungsgremien Herrn Pötsch über Jahre hinweg die Nutzung der Firmenjets für Privatflüge gestattet haben, ohne dass dafür eine angemessene Gegenleistung erbracht wurde, so wäre näher zu untersuchen, ob darin nicht eine strafrechtlich relevante Untreue zulasten des Firmenvermögens lag", sagt Thomas Weigend, Professor für Strafrecht an der Uni Köln.

VW hatte Pötsch und Kollegen offenbar für die Flüge jeweils nur die Kosten eines Lufthansa-Linienflugs in Rechnung gestellt, die pro Flugstunde um etwa 10.000 Euro unter den Kosten der Firmenjets liegen.

Die Staatsanwaltschaft sagte nicht, gegen wen sich die Prüfung richtet. VW äußerte sich zu den Vorwürfen nicht, grundsätzlich seien Nebenleistungen entsprechend dem damals gültigen Nebenleistungskatalog in Anspruch genommen worden.

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