Anzeichen für sinkende Frachtraten Hapag-Lloyd erwartet Normalisierung der Lieferketten

Lange Wartezeiten aufs Fahrrad, fehlendes Holz für den Hausbau: Die Verwerfungen im Welthandel durch Krieg und Corona sind heftig. Mit Hapag-Lloyd sieht nun eine führende Reederei aber eine Entspannung der Lage.
Hapag-Lloyd-Frachter im Hamburger Hafen: Umsatz in der Krise verdoppelt

Hapag-Lloyd-Frachter im Hamburger Hafen: Umsatz in der Krise verdoppelt

Foto: Markus Tischler / IMAGO

Deutschlands größte Containerreederei Hapag-Lloyd geht von einer Entspannung der Lieferketten aus – und damit von einem Absinken der Frachtpreise in den kommenden Monaten. »Wir sehen derzeit in einigen Fahrtgebieten erste Anzeichen dafür, dass die kurzfristigen Raten im Markt nachgeben«, sagte Chef Rolf Habben Jansen bei der Vorlage des Halbjahresberichts in Hamburg.

Er rechne dennoch mit einem starken zweiten Halbjahr. In den ersten sechs Monaten verdiente die Reederei bereits gut. Habben Jansen erwartet, dass sich die angespannte Situation in den globalen Lieferketten verbessert.

Industrie, Handwerker und Verbraucher klagen seit der Coronakrise, dass dringend benötigte Rohstoffe und Vorprodukte fehlen oder verzögert geliefert werden: Chips für Auto-Bordcomputer  fehlten genauso wie Fahrräder, Dämmstoffe für Baustellen oder Holz für Möbel. Die Knappheit bremste Experten zufolge die Konjunktur aus – und könnte auch das private Konsumverhalten nachhaltig ändern.

Wirtschaftliche Flaute dämpft Nachfrage nach Containern

Ob es nun dazu kommt? Zumindest in den Monaten Januar bis Juni nahm Hapag-Lloyd trotz einer praktisch stagnierenden Transportmenge noch deutlich mehr ein als ein Jahr zuvor. Denn die Engpässe in den Häfen führen zu überdurchschnittlich langen Umlaufzeiten bei Schiffen und Containern – und in der Folge hohen Transportpreisen.

Nach der für die Schifffahrtsbranche wichtigen Hochsaison im Herbst, in der die großen Handelsunternehmen ihre Lager für das Weihnachtsgeschäft füllen, sollte sich die Situation in den globalen Lieferketten entspannen, prognostiziert Habben Jansen. Grund zur Freude ist das jedoch nicht: »Man sieht weltweit, dass die wirtschaftliche Entwicklung nicht so begeisternd ist«, sagte er. Für sein Geschäft bedeute das allerdings auch die Hoffnung, wieder zu einer gewissen Normalität zurückzukehren.

Der Umsatz verdoppelte sich damit nahezu auf knapp 17 Milliarden Euro. »Wir haben von deutlich besseren Frachtraten profitiert und blicken insgesamt auf einen außergewöhnlich starken Geschäftsverlauf im ersten Halbjahr«, sagte Habben Jansen. »Gleichzeitig erhöht ein starker Anstieg in allen Kostenkategorien den Druck auf unsere Stückkosten.«

So standen höhere Kosten für das Handling der Container, für Charterschiffe und ein Anstieg des durchschnittlichen Bunkerverbrauchpreises den hohen Einnahmen entgegen. Unterm Strich blieb bei der Reederei mit rund 8,6 Milliarden Euro dennoch gut dreimal so viel Gewinn wie ein Jahr zuvor.

Hapag-Lloyd hatte bereits Ende Juli vorläufige Zahlen vorgelegt und in diesem Zuge auch die Prognose für 2022 angehoben. So soll der Gewinn vor Zinsen und Steuern in diesem Jahr jetzt 16,3 bis 18,3 Milliarden Euro erreichen. Das wäre noch einmal deutlich mehr als die 9,4 Milliarden aus dem Jahr 2021.

apr/dpa/Reuters
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