Handelskrieg mit den USA Berlin buhlt um Harley-Davidson

Wegen der EU-Vergeltungszölle will der Motorradhersteller Harley-Davidson einen Teil seiner Produktion ins Ausland verlagern. Auch die deutsche Hauptstadt will davon profitieren.
Harley-Davidson vor dem Reichstagsgebäude

Harley-Davidson vor dem Reichstagsgebäude

Foto: JOHN MACDOUGALL/ AFP

Fast schon schelmisch wirkt der Zusatz über dem Datum auf dem Geschäftsbrief: Da wünscht der Geschäftsführer der landeseigenen Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner dem Harley-Davidson-Boss einen "fröhlichen" 4. Juli, den amerikanischen Unabhängigkeitstag. Dabei dürfte der US-Motorradhersteller derzeit nur wenig Grund zur Freude haben - leidet er doch als Opfer unter Zöllen und Drohungen im europäisch-amerikanischen Handelskrieg.

Doch Stefan Franzke scheint es ernst zu meinen, mit seinen Wünschen an Harley-Davidson-Chef Matthew Levatich im US-Bundesstaat Wisconsin. Denn als Wirtschaftsförderer, so hofft er, könnte er den Traditionsbetrieb aus Milwaukee in die deutsche Hauptstadt locken. Harley-Davidson hatte Ende Juni angekündigt, wegen der EU-Strafzölle einen Teil seiner Produktion in andere Länder zu verlagern. Harley in der Hauptstadt könne also gut funktionieren, glaubt Berlin - und nennt dafür einige Gründe.

So hätten viele andere internationale Konzerne in den vergangenen Jahren ihren Firmensitz nach Berlin verlegt, schreibt Franzke in dem Brief. Die Stadt sei aufgeschlossen und verfüge über viele Fachkräfte.

Außerdem würden auch bereits Motorräder in Berlin gefertigt - und zwar jährlich 150.000 Stück im BMW-Werk im Stadtteil Spandau. Franzke stellte Harley-Davidson zudem Fördergeld in Aussicht. "Doch am wichtigsten: Berlin ist die Stadt der Freiheit", heißt es in dem Schreiben, über das zuvor der "Tagesspiegel " berichtet hatte.

Das passe gut zu Harley-Davidson, findet Berlin Partner, schließlich verfügten die Fahrer entsprechender Motorräder über "ein ganz besonderes Freiheitsgefühl". Die Wirtschaftsförderer mussten aber auch einräumen: "zugegeben, die Straße des 17. Juni ist nicht die Route 66".

Eine Antwort auf den Brief, den Berlin Partner nach eigenen Angaben "am amerikanischen Unabhängigkeitstag in die 'echte' Post gegeben" hat, steht noch aus. Das Schreiben sei laut Sendungsverfolgung aber inzwischen angekommen. Harley-Davidson war für eine Stellungnahme am Freitag zunächst nicht erreichbar.

Werbung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berlin Partner

Werbung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berlin Partner

Foto: Berlin Partner

Ob sich Berlin nun auch noch andere von Zöllen und Sanktionen bedrohte US-Firmen wie Levi's wenden will? "Nein, aber nur, weil uns keine konkreten Umzugspläne von Levi's bekannt sind", teilte ein Sprecher mit. "Sollte sich das ändern, werden wir auch Chip Bergh anschreiben. Und auch jeden weiteren Konzernchef, der sich dazu entscheidet, seine Firmenpolitik nicht Populismus und Abschottung zu unterwerfen."

apr/AFP
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