Harter Oster-Shutdown Handel warnt vor Kundengedränge in Supermärkten

Auch Supermärkte sollen an Gründonnerstag schließen. Der Handelsverband ist verärgert – und hält den Beschluss von Bund und Ländern für kontraproduktiv.
Schlange vor einem Berliner Supermarkt (im März 2020): »Bund und Länder agieren nur noch im Tunnelmodus«

Schlange vor einem Berliner Supermarkt (im März 2020): »Bund und Länder agieren nur noch im Tunnelmodus«

Foto: Kay Nietfeld/ dpa

Supermärkte waren in Deutschland bislang von allen Coronabeschränkungen ausgenommen. Doch nun sollen vor Ostern auch die Lebensmittelhändler schließen – wenn auch nur an Gründonnerstag. Das sorgt allerdings beim Handelsverband Deutschland (HDE) für scharfe Kritik.

Diese sei kontraproduktiv, warnt der Verband. Die Schließung an Gründonnerstag führe zu erhöhtem Kundenandrang am vorhergehenden Mittwoch und dem folgenden Karsamstag, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. »Den Lebensmittelhandel mit seinen nachweislich hervorragend funktionierenden Hygienekonzepten symbolisch für einen Tag zuzumachen, hilft im Kampf gegen die Pandemie nicht weiter«, kritisierte er.

Stattdessen forderte Genth Lockerungen. »Bund und Länder agieren nur noch im Tunnelmodus«, sagte er. »Die alleinige Fixierung auf die Corona-Inzidenzwerte wird der komplexen Lage nicht gerecht.« Die Maßnahmen müssten sich an den wissenschaftlichen Fakten orientieren. »Und die zeigen, dass die Infektionsgefahr beim Einkaufen niedrig ist.« Es sei deshalb höchste Zeit, die entsprechenden Schlussfolgerungen zu ziehen und alle Geschäfte unter Einhaltung strikter Hygienekonzepte wieder zu öffnen, forderte Genth.

Er verwies auf die Lage derjenigen Händler, die nicht im Lebensmittelbereich tätig sind. Gut jeder zweite Händler von Bekleidung, Schuhen und Lederwaren sehe sich in Insolvenzgefahr. »Nach einem Jahr mit Corona ist die Lage bei vielen Händlern verzweifelt, vielerorts gibt es keine Hoffnung mehr, diese Krise wirtschaftlich überstehen zu können«, sagte Genth.

FDP unterstützt Öffnungsforderung des Handels

Auch die FDP-Fraktion im Bundestag kritisiert die geplanten strikteren Lockdown-Regeln über die Ostertage. »Ein Total-Lockdown vor und nach Ostern ist kontraproduktiv«, sagte Fraktionsvize Stephan Thomae der »Welt«. »Er wird umso mehr Gedränge in den Einzelhandelsgeschäften vor und nach einem solchen Lockdown herbeiführen.«

Auch wenn es »kontra-intuitiv« klinge, wäre stattdessen eine Ausweitung der Ladenöffnungszeiten richtig, argumentierte Thomae. Ein solches Vorgehen »würde Kundenströme entzerren und das Infektionsrisiko senken«.

Bund und Länder hatten sich in der Nacht zum Dienstag darauf verständigt, von Gründonnerstag bis Ostermontag den Lockdown zu verschärfen. Alle Geschäfte sollen dann geschlossen bleiben, nur der Lebensmitteleinzelhandel kann am Karsamstag öffnen.

Ökonomen senken Wachstumsprognose

Die Beschlüsse haben auch Auswirkungen auf den Konjunkturausblick. Die Commerzbank senkt ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr von 4,5 auf 3,5 Prozent. »Für unsere Konjunkturprognose hatten wir bisher unterstellt, dass es ab April zu nennenswerten und nicht nur symbolischen Lockerungen kommt«, sagte Chefvolkswirt Jörg Krämer. »Nach den Beschlüssen von heute Nacht ist diese Annahme unrealistisch geworden.«

Nunmehr sei davon auszugehen, dass der Lockdown in der gegenwärtigen oder leicht abgeschwächten Form bis Ende Mai in Kraft bleibe. »Auf die ganze Volkswirtschaft umgerechnet senkt der harte Lockdown während seiner Gültigkeit das Bruttoinlandsprodukt für sich genommen um vier Prozent«, sagte Krämer. »Das entspricht pro Monat einem wirtschaftlichen Schaden von gut zehn Milliarden Euro.«

mmq/Reuters
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