Haspa Sparkasse drängt Grundschülern Girokonten auf

Bei der Hamburger Sparkasse fängt Kundenbindung früh an: Das Institut hat eine Schulkantine mit einem Geldkarten-Bezahlsystem versorgt - und Eltern aufgefordert, ihren Kindern ein Haspa-Girokonto einzurichten. Aufseher sprechen von unzulässiger Werbung, die Schulleitung verteidigt den Brief.
Haspa-Filiale: Ärger mit Girokonten

Haspa-Filiale: Ärger mit Girokonten

Foto: Kay Nietfeld/ picture-alliance / dpa/dpaweb

Hamburg - Neuer Ärger für die Haspa: Deutschlands größte Sparkasse hat Eltern mit Unterstützung einer Hamburger Grundschule aufgefordert, für ihre Kinder ein Haspa-Girokonto zu eröffnen. Die Hamburger Behörde für Schule und Berufsbildung und die Bank bestätigten SPIEGEL ONLINE einen entsprechenden Bericht des NDR.

Demzufolge hatten Schulleitung und Hamburger Sparkasse die Aufforderung in einem gemeinsamen Schreiben damit begründet, dass das Essen in der Kantine der Hamburger "Schule am Walde" künftig mit Geldkarten bezahlt werden soll. "Als Partner der 'Schule am Walde' unterstützen wir sehr gerne die Einführung des neuen Zahlungsmittels und stellen das komplette System zur Verfügung", heißt es in dem Schreiben. "Bitte eröffnen Sie für Ihr Kind ein Schüler-Girokonto bei der Haspa."

Im Briefkopf des Anschreibens stehe das Logo der Grundschule neben dem der Haspa. Unterzeichnet sei das Schreiben von einem Sparkassen-Mitarbeiter und dem stellvertretenden Schulleiter. Dass die Zahlung auch mit Geldkarten anderer Institute funktioniert, wird in dem Brief nicht erwähnt.

Die Schulbehörde sieht in dem Schreiben einen klaren Verstoß gegen die geltende Richtlinie für Sponsoring. "Das ist klare Produktwerbung", sagte eine Sprecherin SPIEGEL ONLINE. "Die Aufforderung, ein bestimmtes Produkt zu nutzen, ist nicht zulässig."

Einzelfall oder gängige Praxis?

Die Schulleitung hatte den Brief laut NDR verteidigt und darauf verwiesen, dass die Haspa regelmäßiger Sponsor der Grundschule sei.

Die Haspa hat nach Angaben der Schulbehörde inzwischen ein neues Schreiben aufgesetzt, das diese Angaben enthält. Ob dieses schon an die Eltern der Schüler verschickt wurde oder nicht, was zunächst nicht zu erfahren. Eine Sprecherin der Haspa war vorerst nicht zu erreichen.

Unklar ist derzeit, ob die Produktwerbung in dem Schreiben ein Einzelfall ist. Laut NDR treten Sparkassen und Banken über die "Initiative Geldkarte" bundesweit über Schulen an Kinder und Jugendliche heran. In Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein haben demnach knapp 30 Schulen eine Bezahlung der Schulverpflegung per Geldkarte eingeführt. In fast allen Fällen sei der Kooperationspartner eine Sparkasse. Bundesweit hätten rund 350 Schulen die Bezahlung mit der Geldkarte eingeführt.

Die hat in Hamburg insgesamt fünf staatliche Schulen mit einem Abrechnungssystem für Geldkarten ausgestattet. Die Hamburger Schulbehörde prüft derzeit, ob diese Schulen ähnlich problematische Schreiben an Eltern verschickt haben wie die "Schule am Walde". Die Namen der Schulen wollte eine Sprecherin auf Nachfrage nicht nennen.

Die Haspa war erst Anfang November in die Schlagzeilen geraten, weil sie psychologische Kundenprofile zum besseren Verkauf von Versicherungen oder Aktien erstellt hatte. Nach eigenen Angaben hat sie diese Praxis inzwischen aufgegeben und alle Profile gelöscht.

yes/ssu/dpa-AFX
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