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Umstrittener Dax-Konzern Hat Wirecard einen Journalisten bespitzeln lassen?

Eine Strafanzeige eröffnet das nächste Kapitel im Wirtschaftskrimi um den Dax-Konzern Wirecard. Die Protagonisten: kritische Journalisten, dubiose Hedgefonds-Manager und ein libyscher Geheimagent.
aus DER SPIEGEL 3/2020
Wirecard-Chef Braun: "Keine Beschattung von Personen"

Wirecard-Chef Braun: "Keine Beschattung von Personen"

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ALEX KRAUS / BLOOMBERG / GETTY IMAGES

Michael Hedtstück war in Mittelamerika unterwegs, als er aus der Zeitung erfuhr, dass jemand offenbar professionelle Ermittler auf ihn angesetzt hatte. Der Online-Chefredakteur des Frankfurter Magazins "Finance" hat – nach allem, was man weiß – nicht mit Terroristen gekuschelt oder mit Drogen gedealt. Vielmehr hatte ihn jemand in Verdacht, sich als Journalist an einem Komplott gegen den Dax-Konzern Wirecard beteiligt zu haben. Das angebliche Ziel: den Aktienkurs zum Absturz zu bringen und sich oder andere daran zu bereichern.

Hedtstück habe "mehrfach über WC negativ berichtet", heißt es in einer Art Schlachtplan für die Detektive. Die "Financial Times" ("FT") hatte das Papier zwei Wochen vor Weihnachten veröffentlicht. Danach sollen die Privatermittler erwogen haben, Mobiltelefone von "potenziellen verdächtigen Personen abzusaugen" und sie mit Ortungstechnik zu beschatten.

Der Journalist hat den Verdacht, dass die in dem Papier in Betracht gezogenen Überwachungsmaßnahmen auf Mitarbeiter von Wirecard zurückgehen. Hedtstück hat deshalb jetzt Strafanzeige erstattet, wegen des Verdachts auf illegale Beschattung und Observierung seiner Person. Den impliziten Vorwurf, er habe sich daran beteiligt, den Kurs von Wirecard zu manipulieren, bezeichnet Hedtstück als absurd.

Die Anzeige ist ein weiteres Puzzlestück in dem Wirtschaftskrimi um Wirecard. Seit Jahren berichten Medien, insbesondere die "FT", über Ungereimtheiten in den Bilanzen des Unternehmens. Es geht um die Frage, ob der Konzern Umsätze erfunden hat, was Wirecard bestreitet.

Wirecard und Vorstandschef Markus Braun wittern eine gezielte Manipulation des Aktienkurses durch ein Netzwerk aus Spekulanten, Informanten und Journalisten. Wer das Ermittlerdossier mit dem – in falschem Deutsch formulierten – Titel "Indikatioren zum Insiderprofil" erstellt hat, ist unbekannt. Hedtstück kann sich nicht erklären, wie ausgerechnet sein Name Eingang in das wohl 2016 verfasste Papier fand. In jener Zeit erschienen auch in anderen Medien kritische Berichte, etwa im SPIEGEL.

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