Hauptstadtflughafen Airport-Aufsichtsrat liebäugelt mit kleinem Probebetrieb

Hartmut Mehdorn übt sich in Bescheidenheit: Um jedes Risiko auszuschließen, will der Berliner Flughafenchef den Betrieb in Schönefeld mit höchstens 1500 Passagieren am Tag erst einmal üben. Der Vorschlag ist umstritten, aber im Aufsichtsrat zeichnet sich eine Mehrheit dafür ab.
Flughafenbaustelle: Schrittweise Eröffnung umstritten

Flughafenbaustelle: Schrittweise Eröffnung umstritten

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Schönefeld - Der neue Berliner Flughafen wird voraussichtlich mit zunächst wenigen Starts und Landungen den Betrieb aufnehmen. Flughafenchef Hartmut Mehdorn will so die Abläufe testen. Er denkt an bis zu zehn Flüge und maximal 1500 Passagiere am Tag, beginnen soll der Versuch seiner Vorstellung nach möglichst im März oder April kommenden Jahres. Einen Terminplan für die Gesamtfertigstellung will Mehdorn in den nächsten zwei bis drei Monaten dem Aufsichtsrat vorlegen. Im Aufsichtsrat werde es am Freitag eine Mehrheit für das Konzept geben, berichtete der Sender RBB aus Kreisen des Gremiums.

Der für die Genehmigung zuständige Landrat Stephan Loge hatte von einer Teileröffnung abgeraten und vor weiteren Verzögerungen für das Gesamtvorhaben gewarnt. Auch der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Anton Hofreiter (Grüne), hält sie für falsch. Eine "Kleinst-Eröffnung" sei unwirtschaftlich und bringe die Flughafengesellschaft in noch größere finanzielle Schwierigkeiten. Der Vorsitzende des Flughafen-Untersuchungsausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus, Martin Delius (Piraten), sprach am Freitag von einem "Hirngespinst".

Zumindest die Aufsichtsräte aus Berlin und Brandenburg halten jedoch einen "kleinen Probebetrieb" im Nordflügel des Abfertigungsgebäudes sobald wie möglich für sinnvoll, hieß es am Freitag.

Nachfolger für Platzeck gesucht

Thema bei der Sitzung ist auch der Rückzug des brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD), der damit auch den Aufsichtsratsvorsitz abgibt. Sein Stellvertreter ist der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), den Platzeck im Januar an der Spitze des Kontrollgremiums abgelöst hatte, nachdem der vierte Eröffnungstermin geplatzt war.

FDP-Generalsekretär Patrick Döring warnte davor, Wowereit wieder zum Vorsitzenden zu wählen. "Wowereits Rückkehr an die Spitze des Aufsichtsrates ist ein Treppenwitz der Geschichte", sagte Döring "Handelsblatt Online". Wowereit habe bei der Kontrolle des Flughafenbaus versagt. Der Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann sagte: "Die Rückkehr von Herrn Wowereit kann nur eine zeitlich sehr eng begrenzte Notlösung sein."

Hofreiter sprach sich bei der Suche nach einem neuen Aufsichtsratschef für eine Stärkung dieser Position aus. Es wäre wichtig, einen Aufsichtsratschef zu haben, "der seine ganze Kraft und Zeit" für den Flughafen einsetzen könne. Er hält auch eine Bezahlung für den bislang ehrenamtlichen Posten für denkbar. Als möglichen Kandidaten nannte er den früheren Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender.

Eröffnung frühestens Sommer 2015

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung dürfte es jedenfalls schon Sommer 2015 sein, bis der Hauptstadtflughafen vollständig in Betrieb ist. Die notwendigen Bauarbeiten an der Frischluftzufuhr der Brandschutzanlage seien laut einem internen Bericht von Siemens frühestens im März 2015 abgeschlossen. Anschließend würden weitere vier Monate mit Bauabnahmen und Probebetrieb ins Land gehen.

Flughafensprecher Ralf Kunkel nannte die Überlegungen "reine Spekulation". "Wir sind derzeit in Verhandlungen mit den Firmen zur Lösung der Brandschutzprobleme. Hier sind aber noch keine Entscheidungen getroffen." Es bleibe dabei, dass bei der Aufsichtsratssitzung im Oktober über den Zeitplan für die Eröffnung entschieden werden solle.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes wurde Martin Delius als parteilos bezeichnet. Das ist falsch. Delius ist Mitglied der Piratenpartei. Der Fehler kam durch eine falsche Agenturmeldung zustande. Wir bitten, dies zu entschuldigen.

mik/dpa