Korruptionsverdacht auf BER-Baustelle Mehdorns Desaster ist perfekt

Der nächste Skandal am Problem-Flughafen BER ist perfekt, diesmal geht es um Korruption. Übersteht Airport-Boss Mehdorn diesen weiteren Rückschlag? Aufsichtsratchef Wowereit ist auf China-Reise.
Suspendierter Technikchef Großmann: Schwerwiegender Verdacht

Suspendierter Technikchef Großmann: Schwerwiegender Verdacht

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Berlin - Er war einer der mächtigsten Strippenzieher in der Berliner Flughafengesellschaft, der entscheidenden Einfluss auf die Verteilung von Millionenaufträgen hatte - jetzt ist Technikchef Jochen Großmann wegen Korruptionsverdachts suspendiert. In der kommenden Woche soll sich der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft mit dem Fall in einer Sondersitzung beschäftigen. Das geht aus einem Schreiben des Brandenburger Aufsichtsratsmitglieds Rainer Bretschneider an Aufsichtsratschef Klaus Wowereit hervor. Mehdorn soll detailliert über die bisherigen Erkenntnisse und Konsequenzen berichten, "insbesondere über die weiteren Auswirkungen auf den Bau- und Planungsablauf beim Projekt BER".

Der Fall bringt auch den rustikalen Flughafenchef in die Bredouille. Die Grünen fordern bereits die Ablösung des 71-Jährigen. "Wowereits Krisenmanager Hartmut Mehdorn ist gescheitert, den Saustall BER auszumisten", teilte Fraktionschef Anton Hofreiter mit. Der Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU) als Aufsichtsratsmitglied kritisierte, er habe von der Affäre erst aus der Zeitung erfahren.

Von Aufsichtsratschef Klaus Wowereit (SPD) war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Der Berliner Regierende Bürgermeister war am Montag mit Berliner Unternehmern zu einer China-Reise aufgebrochen.

Senator Henkel sagte, nun müsse geprüft werden, ob es weitere Vorfälle gibt. "Und natürlich muss man sich auch über die künftige Kontrolle noch mal austauschen, und damit muss sich auch der Aufsichtsrat befassen."

Weitere Bauverzögerungen befürchtet

Der Vorsitzende des Flughafen-Untersuchungsausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus, Martin Delius (Piratenpartei), warf Mehdorn angesichts mehrerer entlassener Spitzenkräfte eine desolate Personalpolitik vor und forderte, alle Entscheidungen Großmanns zu prüfen. "Es dürfen keine Zweifel an der Rechtmäßigkeit von Vergaben, Planungsänderungen und Personalentscheidungen bestehen bleiben."

Der Flughafenchef kämpft nun gegen weitere Bauverzögerungen. Die Auswirkungen auf das Projekt sollten so gering wie möglich gehalten werden, kündigte Mehdorn am Mittwoch an, ohne Großmanns Namen zu nennen: "Es steht und fällt nicht mit einem einzelnen Mitarbeiter."

Wegen Technikproblemen, Baumängeln und Fehlplanungen kann der drittgrößte deutsche Flughafen seit zweieinhalb Jahren nicht in Betrieb gehen. Großmanns Aufgabe war es, die Brandschutzanlage im neuen Terminal in Gang zu bringen und damit das Haupthindernis für die Inbetriebnahme des Flughafens zu überwinden.

Mehdorn hält an Umbauplänen fest

Mehdorn hält an den Plänen des Ingenieurs für einen Umbau der Anlage fest. "Wir werden auch in neuer personeller Zusammensetzung den beschrittenen Weg weitergehen", teilte Mehdorn in Schönefeld mit. Er widersprach damit Forderungen aus der Politik, Großmanns Lösung für die Entrauchungsanlage auf den Prüfstand zu stellen.

Dessen Aufgaben übernimmt vorübergehend der Oberbauleiter Frank Röbbelen. Mehdorn betonte, der Flughafen verfolge bei Korruptionsfällen eine "Null-Toleranz-Linie". Das Vergaberegelwerk sei in Ordnung, die Mechanismen hätten gegriffen. "Gegen die kriminelle Energie Einzelner sind wir jedoch nicht gefeit."

Seit voriger Woche ermittelt die Staatsanwaltschaft Neuruppin gegen Großmann und den Mitarbeiter einer Ingenieur- und Planungsgesellschaft wegen Bestechung. Großmann soll, so der Vorwurf der Ermittler, für eine Auftragserteilung bei der Umbauplanung der zentralen Entrauchungsanlage eine Zahlung von 500.000 Euro gefordert haben. Die Planungsgesellschaft sollte das Schmiergeld offenbar über einen Beratungsauftrag an eine Firma von Großmann kaschieren. Großmann selbst äußerte sich bislang nicht zu dem Vorwurf.

Kontrolleure entdeckten Unregelmäßigkeiten

Das geplante Kickback-Geschäft war aber den Kontrolleuren in der Planungsgesellschaft aufgefallen. Sie informierten die Geschäftsführung der Berliner Flughafengesellschaft. Die legte nach erster interner Prüfung in der vorigen Woche der Vorgang der Staatsanwaltschaft in Neuruppin vor. Die Behörde, spezialisiert auf Korruptionsdelikte, sah einen Anfangsverdacht. Gestern durchsuchten Beamte die Geschäftsräume Großmanns in Dresden und am Flughafen Schönefeld sowie die Berliner Niederlassung der Planungsgesellschaft.

Die Ermittler beschlagnahmten fünf bis sechs Umzugskartons voller Unterlagen sowie Datenträger, die die Verhandlungen über die Auftragsvergabe dokumentieren. Sie erstreckten sich auf die Zeit von Oktober 2013 bis Februar 2014, wie Oberstaatsanwalt Frank Winter sagte. Den Namen des Beschuldigten nannte er nicht. Es werde einige Tage dauern, bis die Papiere ausgewertet sind. Die Neuruppiner Anklagebehörde ist für alle Korruptionsfälle in Brandenburg zuständig.

was/mik/dpa
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