Geschasste Chefplanerin am Hauptstadtflughafen Widerspruch unerwünscht

Kaum hat Regina Töpfer ihren Posten als oberste Planerin des Hauptstadtflughafens angetreten, muss sie ihn schon wieder räumen. Doch warum schasste Airport-Chef Mehdorn die Bauingenieurin nach nur sechs Monaten? Beobachter haben einen Verdacht.
Flughafenchef Mehdorn: Kein Sinn für Detailversessenheit

Flughafenchef Mehdorn: Kein Sinn für Detailversessenheit

Foto: Ralf Hirschberger/ dpa

Berlin - Das Angebot war wirklich verlockend. Das Projekt des künftigen Hauptstadtflughafens Berlin Schönefeld erfolgreich zu Ende zu führen, hätte nicht weniger bedeutet, als den Aufstieg in die erste Liga der großen Projektplaner der Republik. Keine Frage also, dass Regina Töpfer zugriff, als ihr Hartmut Mehdorn den Posten als Chefplanerin antrug.

Jetzt, kaum sechs Monate nach Amtsantritt, steht Töpfer da wie eine Verliererin - Rausschmiss noch vor Ende der Probezeit. "Die Entscheidung traf mich ohne Vorwarnung", sagte Töpfer der "Berliner Morgenpost". Ihr Büro hat sie schon geräumt, ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht.

Doch so kann es schnell kommen, wenn man bei einem wie Mehdorn anheuert. Die Kriterien, nach denen er seine Bewerber aussucht, haben sich selbst Mehdorn-Kennern noch nie so recht erschlossen, schon als er noch die Deutsche Bahn oder die Air Berlin anführte. Gehorsam und Demut jedenfalls gelten als nützliche Eigenschaften fürs berufliche Überleben in Mehdorns Umfeld.

Widerspruchsgeist unterschätzt

Womöglich liegt hier auch der Grund für das schnelle Zerwürfnis. Denn Töpfer wird von Mitarbeitern der Berliner Flughafengesellschaft keineswegs als willfährige Exekutorin beschrieben. Die 46-Jährige genießt vielmehr den Ruf, Positionen auch gegen eine Mehrheit zu vertreten, wenn sie sie für richtig hält. Doch dabei bleibe sie verbindlich im Ton, so dass man die Diskussion nicht als Streit oder gar Zerwürfnis wahrnehme, sagt einer.

Vor Töpfer sind bereits andere Manager gescheitert. Horst Amann etwa, der sich intensiv bemüht hatte, sämtliche Bauwerke, die er in Schönefeld vorfand, erst mal auf Pläne zu übertragen, um anschließend die restlichen Arbeitsaufträge für die Baufirmen formulieren zu können. Eine detaillierte Baubeschreibung, das weiß jeder Architekt, ist das A und O, wenn man nachher nicht mit kostspieligen Nachträgen konfrontiert werden will. Doch mit solcher Detailversessenheit konnte Mehdorn offenbar nichts anfangen. Er wollte schnelle Ergebnisse. Ein Auftrag, den sowohl Amann als auch Töpfer so nicht erfüllen konnten.

Zu einem ähnlichen Urteil kommt auch Martin Delius, der den BER-Untersuchungsausschuss im Berliner Abgeordnetenhaus leitet. "Wer sich gegen Mehdorn stellt, hat schlechte Karten", sagt der Abgeordnete. Die Folge sei eine Kette von personellen Notlösungen, die eine gefährliche Abwärtsspirale in Gang gesetzt habe.

Aus Sicht des Berliner Grünen-Vorsitzenden Daniel Wesener belegt der Vorgang aufs Neue, wie chaotisch es hinter den Kulissen der Flughafengesellschaft zugeht. Mehdorn und der Aufsichtsrat hätten ein weiteres Bauernopfer gesucht, um davon abzulenken, "dass sich am BER seit Monaten so gut wie gar nichts bewegt", sagte Wesener "Handelsblatt Online". Das Bau- und Finanzierungschaos werde jetzt durch ein Personalchaos komplettiert: "Der Termin für die Eröffnung des Hauptstadtflughafens rückt damit in immer weitere Ferne."