Umfrage des Handelsverbands Inflation macht die Deutschen noch mehr zu Schnäppchenjägern

Die Deutschen sorgen sich wegen hoher Preise und entscheiden sich laut einer Umfrage nun häufiger für Billigangebote. Bei manchen Produkten verzichten sie auch verstärkt.
Einkauf auf dem Wochenmarkt: Für Niedriglöhner längst Luxus

Einkauf auf dem Wochenmarkt: Für Niedriglöhner längst Luxus

Foto: Christoph Soeder / dpa

Für Billigangebote sind die Deutschen traditionell zugänglich. Gerade mal 15 Prozent ihres verfügbaren Einkommens geben sie bisher monatlich für Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren aus – so wenig wie in kaum einem anderen EU-Staat. Angesichts der in Rekordtempo steigenden Lebensmittelpreise achtet nun die große Mehrheit der Deutschen noch stärker auf Sonderangebote.

In einer Umfrage für den Handelsverband Deutschland (HDE) gaben 85 Prozent an, noch genauer hinzusehen. In der Einkommensgruppe bis monatlich 2000 Euro sind es sogar mehr als 91 Prozent.

»Die durch die Auswirkungen der Coronapandemie und des russischen Kriegs in der Ukraine steigenden Lebenshaltungskosten haben schwerwiegende Folgen für das Verbraucherverhalten«, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. »Viele halten angesichts der als unsicher empfundenen Zukunftsaussichten ihr Geld lieber zusammen und stehen größeren Einkäufen eher skeptisch gegenüber.«

Tatsächlich spüren viele die Steigerungen im Supermarkt: Nahrungsmittel haben sich dem Statistischen Bundesamt zufolge im Mai mit 11,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat so stark verteuert wie noch nie seit der Wiedervereinigung. 80 Prozent der Befragten schauen deshalb beim Lebensmittelkauf stark auf den Preis. Selbst in der Gruppe mit monatlichem Haushaltseinkommen ab 4000 Euro sind es knapp zwei Drittel.

Verzicht auf Spezialitäten und Delikatessen

»Die Kundinnen und Kunden haben ihre Einkaufsgewohnheiten sehr schnell verändert und schichten ihr Konsumbudget teilweise um«, sagte Genth. Sie würden beispielsweise bei Spezialitäten und Delikatessen sowie Spirituosen und Wein derzeit aus finanziellen Gründen eher zurückhaltend sein.

Auch Händler anderer Branchen bekommen die veränderten Konsumgewohnheiten zu spüren. So schränken sich insgesamt 44 Prozent der Deutschen in anderen Konsumgüterbereichen ein, 31 Prozent bei Kleidungskäufen und immerhin mehr als jeder Vierte bei Ausgaben für Wohnen & Einrichten, Freizeit und Hobby sowie Unterhaltungselektronik.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil sieht Gewerkschaften, Arbeitgeber und Politik für wirksame Schritte gegen die Inflation in Deutschland gefordert. »Alle werden ihren Beitrag leisten müssen«, sagte der SPD-Politiker bei den Haushaltsberatungen im Bundestag. Er bezog sich ausdrücklich auf die von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) vorgeschlagene konzertierte Aktion mit den Sozialpartnern. »Da geht es um Löhne, da geht es um Entlastungen, das geht es darum, dass der Sozialstaat funktioniert«, sagte Heil. Am Mittag hat der Bundestag die Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro beschlossen.

apr/dpa/Reuters
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