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19. November 2012, 18:34 Uhr

Gefahr für das Finanzsystem

Das dunkle Reich der Schattenbanken

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Sie sind die unbekannten Riesen der Finanzwelt: Schattenbanken wickeln laut einer Studie rund ein Viertel aller Geschäfte im internationalen Geldwesen ab. Aufsicht und Regulierung? Fehlanzeige.

Hamburg - Die Zahl klingt gigantisch: 67 Billionen Dollar groß soll der sogenannte Schattenbankensektor Ende 2011 gewesen sein - das ist mehr als das Weltsozialprodukt, also die Summe aller Güter und Dienstleistungen, die alle Menschen dieser Erde im vergangenen Jahr erwirtschaftet haben. Und erstaunlicherweise ist der Sektor seit Beginn der Finanzkrise sogar gewachsen.

Die Zahl stammt vom Finanzstabilitätsrat (FSB), einem Zusammenschluss von Notenbanken und Aufsichtsbehörden. In ihrem jüngsten Bericht widmen sich die Experten ausführlich den Schattenbanken. Unter dieser Bezeichnung fassen sie alle Akteure zusammen, die auf den Finanzmärkten wie Banken auftreten, aber nicht wie Banken reguliert und beaufsichtigt werden. Dazu zählen etwa Hedgefonds und Private-Equity-Gesellschaften, aber auch Geldmarktfonds und sogenannte Zweckgesellschaften, in die Banken ihre riskanten Geschäfte auslagern. Selbst normale Investmentfonds rechnen die internationalen Finanzaufseher den Schattenbanken zu.

Auch wenn der Name dämonisch klingt: Schattenbanken sind nicht per se böse. Häufig erfüllen sie sogar eine wichtige Aufgabe: Laut dem FSB-Bericht bieten sie vielen Unternehmen "eine wertvolle Alternative zur Bankfinanzierung". Das heißt im Klartext: Wer von der Bank keinen Kredit mehr bekommt oder sich nicht auf lange Verhandlungen einlassen will, holt sich das Geld von den Schattenbanken. Das ist einfach und effizient.

Leider ist es aber auch gefährlich. Denn die Schattenbanken gehen häufig viel riskantere Geschäfte ein als normale Banken.

Der Finanzstabilitätsrat will den Schattenbankensektor deshalb sicherer machen. In ihrem jüngsten Bericht schlagen die Experten eine ganze Reihe möglicher Maßnahmen vor: von Verschuldungshöchstgrenzen über Eigenkapital- und Liquiditätspuffer bis zur Regulierung von Laufzeiten in den Wertpapierportfolios der Schattenbanken.

Vor allem aber sollen die Finanzvehikel endlich aus dem Schatten herausgezerrt und überhaupt einer Aufsicht unterworfen werden. Dazu müsste man freilich erst einmal wissen, wer sie sind - und vor allem wo sie sind. Ein großer Teil der Hedgefonds etwa wird selbst von den Zahlen des FSB nicht erfasst. Die Akteure sitzen in Offshore-Finanzplätzen wie den Kaiman-Inseln oder dem US-Bundesstaat Delaware und tauchen in keiner Statistik auf.

Ein ungefähres Bild lässt sich dem Bericht zufolge trotzdem zeichnen: Das größte Schattenbankensystem haben demnach immer noch die USA: 23 Billionen Dollar an Vermögenswerten lagen im vergangenen Jahr in diesem Sektor.

Misst man die Größe der Schattenbanken allerdings an der Wirtschaftskraft der jeweiligen Länder, sind die USA längst nicht mehr ganz vorn. Dann belegt die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong den ersten Platz: Hier machen die unregulierten Geschäfte mehr als das Fünffache der jährlichen Wirtschaftsleistung aus (520 Prozent, siehe Grafik). Auch die Niederlande (490 Prozent), Großbritannien (370 Prozent), Singapur (260 Prozent) und die Schweiz (210 Prozent) kommen auf gigantisch hohe Werte.

Die meisten dieser Länder haben ohnehin bereits große Finanzbranchen. In den Niederlanden kommt die hohe Zahl laut Bericht vor allem durch die rund 14.000 speziellen Finanzinstitutionen zustande, die als Steuersparmodelle eingesetzt werden und nicht der Aufsicht unterliegen.

An der Aufzählung lässt sich schon erkennen, warum es nicht leicht sein wird, das Reich der Schattenbanken einzuengen. Wichtige Finanzplätze auf der ganzen Welt sind auf die Mächte im Dunkeln angewiesen. Bisher wurden deshalb die meisten Regulierungsversuche abgeblockt - meist von Großbritannien und den USA. Dass es diesmal besser läuft, ist kaum zu erwarten.

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