Ex-Siemens-Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger ist tot

Der frühere Top-Manager Heinz-Joachim Neubürger ist im Alter von 62 Jahren gestorben. Er hatte lange Jahre als Finanzvorstand für Siemens gearbeitet.

Ex-Finanzvorstand Neubürger: Mit 62 Jahren gestorben
AFP/ Siemens

Ex-Finanzvorstand Neubürger: Mit 62 Jahren gestorben

Von den manager-magazin-Redakteuren Angela Maier und Sven Clausen


Der langjährige Finanzvorstand des Siemens-Konzerns, Heinz-Joachim Neubürger, ist tot. Er habe sich selbst in München das Leben genommen, wurde manager magazin online aus seinem Umfeld bestätigt. Neubürger wurde 62 Jahre alt.

Neubürger war einst einer der angesehensten deutschen Top-Manager. Von 1998 bis April 2006 war er Finanzvorstand des Siemens-Konzerns. Für das Unternehmen hatte er seit 1989 gearbeitet, für die Investmentbank JP Morgan zuvor zehn Jahre. Zusammen mit Vorstandschef Heinrich von Pierer modernisierte er den Konzern und öffnete ihn für internationale Investoren. Zwischenzeitlich galt er deswegen als einer der Favoriten auf die Spitze des Münchener Konzerns.

Die Affäre um die Bestechung von Kunden beendete seine Karriere in der deutschen und auch internationalen Wirtschaft. Im Dezember 2013 hatte ihn das Landgericht München zur Rekord-Schadensersatzsumme von 15 Millionen Euro verurteilt, die er an seinen Ex-Arbeitgeber Siemens hätte zahlen sollen. Nach Auffassung der Richter hatte Neubürger das Schmiergeldsystem bei Siemens durch mangelnde Kontrollen unterstützt. Neubürger ging in Berufung.

"Er wird uns als Mensch und als Aufsichtsrat fehlen"

Im vergangenen Jahr einigten sich Siemens Chart zeigen und Neubürger, gegen die Zahlung von 2,5 Millionen Euro den Rechtsstreit zu beenden. Neubürger erkannte damit aber keinerlei Schuld an. Die Siemens-Aktionäre segneten den Kompromiss auf der Hauptversammlung vor wenigen Tagen ab.

Neubürger hatte nach seinem Ausscheiden bei Siemens kurze Zeit beim Finanzinvestor KKR gearbeitet, danach als selbstständiger Berater mit Lebensmittelpunkt in London. Die von ihm erhofften Beratungsaufträge oder Mandate aus der deutschen Wirtschaft blieben aber weitgehend aus. Bis Anfang 2014 war er kurze Zeit Aufsichtsratschef des Druckmaschinenherstellers Koenig & Bauer, zuletzt blieb ihm im Wesentlichen ein Mandat im Aufsichtsrat der Deutschen Börse Chart zeigen.

"Die Nachricht vom Tod unseres Aufsichtsratsmitglieds Heinz-Joachim Neubürger macht uns sehr betroffen", sagte ein Sprecher der Deutschen Börse. "Herr Neubürger war für uns ein geschätzter Ratgeber und Gesprächspartner. Er wird uns als Mensch und als Aufsichtsrat fehlen."

Siemens-Chef Joe Kaeser schrieb in einer internen Stellungnahme, Konzernspitze und Mitarbeiter seien "geschockt" über Neubürgers Tod. "Siemens verdankt ihm viel und würdigt seine Leistungen für unser Haus." Über den zwischen Siemens und Neubürger geschlossenen Vergleich seien beide Seiten "erleichtert" gewesen und "konnten damit ein belastendes Kapitel eines ansonsten von größtem wechselseitigen Respekt geprägten Verhältnis schließen".

Suizidgedanken - was tun?
Denken Sie daran, sich das Leben zu nehmen?
Wenn Ihre Gedanken kreisen und Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, versuchen Sie, mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Das können Freunde oder Verwandte sein, müssen es aber nicht. Es kann für Sie schwer sein, ausgerechnet über dieses Thema mit Menschen zu sprechen, die Ihnen nahe stehen.

Es gibt eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen Sie - auch anonym - mit anderen Menschen über Ihre Gedanken sprechen können. Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich. Wir stellen Ihnen die wichtigsten vor.
Telefonische Hilfe
Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222.

Der Anruf bei der Telefonseelsorge ist nicht nur kostenfrei, er taucht auch nicht auf der Telefonrechnung auf, ebenso nicht im Einzelverbindungsnachweis.
Hilfe im Chat
Ebenfalls von der Telefonseelsorge kommt das Angebot eines Hilfe-Chats. Die Anmeldung erfolgt auf der Webseite der Telefonseelsorge.

Den Chatraum kann man auch ohne vereinbarten Termin betreten, mit etwas Glück ist ein Berater frei. In jedem Fall klappt es mit einem gebuchten Termin.
Kontakt per E-Mail
Das dritte Angebot der Telefonseelsorge ist die Möglichkeit der E-Mail-Beratung. Auf der Seite der Telefonseelsorge melden Sie sich an und können Ihre Nachrichten schreiben und Antworten der Berater lesen. So taucht der E-Mail-Verkehr nicht in Ihren normalen Postfächern auf.
Persönliches Gespräch
Wenn Sie gerne persönlich mit einem anderen Menschen über Ihre Gedanken sprechen wollen, muss das nicht unbedingt ein Arzt oder Psychologe sein. Sie können sich selbstverständlich an Psychiater, psychiatrische Kliniken oder auch Krankenhäuser wenden. Sie können sich aber zum Beispiel auch an einen Pfarrer oder eine andere Vertrauensperson wenden, wenn Sie den Weg zu einem Psychiater oder Therapeuten scheuen.

Ärzte unterliegen ebenso wie Psychologen der Schweigepflicht. Für Pfarrer gilt neben dem Beichtgeheimnis das Seelsorgegeheimnis, nach dem einem Seelsorger anvertrautes als vertraulich gilt.
Beratungsstellen
Bundesweit gibt es eine Vielzahl von Beratungsstellen für Menschen mit Suizidgedanken. Eine Übersicht gibt die Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.



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