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Heizungswende Stadtwerke raten Immobilienbesitzern zum Abwarten

»Bitte Füße still halten und mit der Entscheidung warten!« So lautet die Empfehlung der Stadtwerke an Immobilienbesitzer. Denn die kommunalen Versorger bringen eine Anschlusspflicht ans Wärmenetz ins Spiel.
Kommunale Versorger wollen entscheidende Rolle bei der Heizungswende

Kommunale Versorger wollen entscheidende Rolle bei der Heizungswende

Foto: Marijan Murat / dpa

Eigene Wärmepumpe, Anschluss ans Fernwärmenetz oder vielleicht sogar Wasserstoff als Energieträger? Für Immobilienbesitzer stellen sich angesichts der geplanten Heizungswende einige Fragen. Die kommunalen Versorger wollen eine entscheidende Rolle spielen. Aus Sicht der Stadtwerke kommt eine Anschlusspflicht für Hausbesitzer ans Wärmenetz infrage.

Es sei »nicht abwegig, über eine Pflicht für Haushalte zu reden, sich an ein vorhandenes Wärmenetz anzuschließen«, sagte Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), der »Neuen Osnabrücker Zeitung«.

Wärmenetze hätten gegenüber Einzellösungen wie Wärmepumpen oder Gasthermen den Vorteil, dass bei der Umstellung auf erneuerbare Energiequellen »alle angeschlossenen Gebäude auf einen Streich« profitierten und Hausbesitzer ihre Heizungssorgen los seien.

Die Ampelkoalition plant neben einer Reform des Gebäudeenergiegesetzes – des sogenannten Heizungsgesetzes – auch eine Reform der kommunalen Wärmeplanung.

Laut Gesetzentwurf sollen Länder und Kommunen in den kommenden Jahren konkrete Pläne vorlegen, wie sie ihre Heizinfrastruktur klimaneutral umbauen wollen. Dies soll Bürgern eine wichtige Orientierung geben, indem sie erfahren, ob ihr Haus bald an ein Fern- oder Nahwärmenetz angeschlossen wird oder sie ihre Heizung absehbar auf eine Wärmepumpe umrüsten sollten.

Stadtwerke wollen keine Konkurrenz von Wärmepumpen

»Dort, wo die kommunale Planung Wärmenetze vorsieht, darf der Staat nicht gleichzeitig den Einbau von Wärmepumpen fördern«, sagte Liebing. Er rate »allen Haushalten, die eine Umstellung ihrer Heizung erwägen: Bitte Füße stillhalten und mit der Entscheidung warten!« Wer es eilig habe, könne den kommunalen Versorger fragen, ob Fernwärme eine Option werden könnte oder nicht.

Der VKU erwarte, dass künftig in Deutschland zu 40 bis 45 Prozent mit Fernwärme geheizt werde, zu 40 Prozent mit Wärmepumpen und allenfalls 15, höchstens 20 Prozent mit Wasserstoff, sagte Liebing der NOZ. »Wir sind uns sicher, dass alle existierenden Fernwärmenetze bis 2045 – vielerorts schon deutlich früher – klimaneutral werden können.«

Fernwärme punktet durch eine relativ hohe Effizienz – der CO₂-Ausstoß hängt allerdings davon ab, wie sie erzeugt wird. Unter Klimagesichtspunkten optimal ist ein Betrieb mit erneuerbarer Energie, beispielsweise Geothermie.

Generell gilt, dass eine Heizung umso klimafreundlicher ist, je höher der Anteil der Erneuerbaren an der Wärmeerzeugung ist.

Der Gebäudesektor gehört in Deutschland zusammen mit dem Verkehrssektor zu den Problembereichen beim Klimaschutz. 2021 und 2022 wurden bei der Heizenergie die Emissionsziele jeweils verfehlt.

Mit dem Gebäudeenergiegesetz (GEG), um das derzeit heftig gerungen wird, will die Bundesregierung nun gegensteuern, um langfristig die Klimaziele einzuhalten.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es auf Basis einer AFP-Meldung, laut Analysen des Umweltbundesamts (UBA) aus dem Jahr 2018 schnitten Holz- oder Pelletheizungen beim CO₂-Ausstoß deutlich besser ab als Öl- und Gasheizungen. Diesen Satz haben wir entfernt. Zwar attestieren Zahlen des UBA Holzpellets einen geringeren CO2-Ausstoß in der alleinigen Verbrennung. Doch das Bundesumweltministerium schreibt : »Die Holzverbrennung produziert neben Feinstaubemissionen auch CO₂- und andere klimarelevante Emissionen wie Methan. Pro produzierter Wärmeeinheit sind die CO2-Emissionen sogar höher als bei fossilen Energieträgern wie Kohle oder Gas. Der Idee einer klimaneutralen Energie, die aus Holz gewonnen wird, liegt der Gedanke einer nachhaltigen Waldnutzung zugrunde: Die Vorstellung ist, dass die CO2-Emissionen aus der Verbrennung durch die jährlichen Einbindungen von Kohlenstoff in Waldholz insgesamt ausgeglichen werden. Hierbei wird die vereinfachende Annahme getroffen, dass die durch den Wald erfolgenden Kohlenstoff-Einbindungen zum Ausgleich der CO2-Emissionen der Holzverbrennung zur Verfügung stehen. Diese Kohlenstoff-Einbindungen finden aber unabhängig von der Holzverbrennung statt und sollten besser zum Ausgleich anderer, nicht vermeidbarer CO2-Emissionen genutzt werden.«

mmq/dpa/AFP