Wochenvorschau Was in der Wirtschaft wichtig wird

Die US-Wirtschaft ist im Aufwind, die Krise scheint abgehakt. Auch an der Börse herrscht gute Stimmung. Also alles gut? In Wahrheit sind die USA weit entfernt von alter Stärke: Es geht den Amerikanern schlechter, als sie glauben.
GM-Zentrale und Wohnhaus in Detroit: Zweifel am Vorbild USA sind erlaubt

GM-Zentrale und Wohnhaus in Detroit: Zweifel am Vorbild USA sind erlaubt

Foto: J.D. Pooley/ AFP

Die Krise - abgehakt. Amerika ist wieder auf der Höhe. Wachsende Wirtschaft, steigende Kurse, und überhaupt, es geht gerade erst richtig los. Der Optimismus kehrt zurück: unter Börsianern, die nach neuen Zahlen aus Amerika gieren, aber auch unter Regierenden, die nicht mehr zerknirscht Fehler eingestehen wie einst Barack Obama, sondern selbstbewusst und ungefragt wirtschaftspolitische Forderungen absondern wie Finanzminister Jack Lew vorige Woche beim Berlin-Besuch.

Vorbild Amerika? Zweifel sind erlaubt.

Sicher, die Arbeitslosenquote ist gesunken. Diese Woche werden weitere Zahlen erwartet: Die Umsätze im Einzelhandel (Dienstag) lassen auf die Konsumlaune schließen, die Inflationsrate (Donnerstag) auf den künftigen Kurs der Notenbank. Daten zum Wohnungsbau und zur Industrieproduktion (Freitag) werfen Schlaglichter auf den Zustand der Realwirtschaft. Dazu kommen Veröffentlichungen von Konzernen: am Montag von Autoherstellern am Rande der Detroit Auto Show. Finanzriesen legen im Laufe der Woche Zahlen vor: JP Morgan und Wells Fargo (Dienstag), Bank of America (Mittwoch), Goldman Sachs, American Express und Citigroup (Donnerstag).

Gute Zahlen überwiegend, mehr Licht als Düsternis, das erwarten die Fachleute. Aber sie blenden dabei entscheidende Fakten aus.

Denn tatsächlich erholt sich Amerika vor allem wegen der zwei Fs: Fed (billiges Geld) und Fracking (billige Energie). Eine Kombination, die für einen ungleichgewichtigen Aufschwung sorgt, der den Keim kommender Krisen in sich birgt.

Denn die billionenschweren Cash-Infusionen durch die Notenbank Fed wirken wie ein Dopingprogramm für die Bauwirtschaft: Die nächste Immobilienblase wächst heran, die Bauinvestitionen ziehen stark an. Parallel dazu sorgt das dank Fracking-Technologie billig geförderte Gas und Öl für einen Boom energieintensiver Industrien, der europäischen Managern die Knie schlottern lässt.

Es ist nur so: Beides wird den USA nicht dauerhaft nützen. Im Gegenteil.

Eine Blase am Bau wird in einigen Jahren platzen und weitere faule Kredite zurücklassen. Währenddessen entsteht durch den Fracking-Boom eine Industriestruktur, die zwar hohe Gewinne verspricht, aber nur wenige gut bezahlte Jobs schafft. Zumal auf mittlere Sicht die Energieexporte eine Aufwertung des Dollar begünstigen dürften, die die Wettbewerbsfähigkeit anderer, jobintensiverer Industrien wie Auto oder Maschinenbau schwächt.

Nachhaltiges Wachstum sieht anders aus.

Keine solide Finanzpolitik

Ein Blick auf den US-Arbeitsmarkt zeigt Erschreckendes: Millionen Menschen im arbeitsfähigen Alter haben sich aus dem Erwerbsleben verabschiedet. In Amerika, dem Land des einstmals grenzenlosen Jobwunders, liegt heute die Erwerbsbeteiligung so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr: bei rund 60 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Das ist ein Grund für die vergleichsweise niedrige Arbeitslosenquote: Viele haben einfach aufgegeben. Auch, weil es sich bei teils sehr niedrigen Löhnen kaum lohnt zu arbeiten. Ein "Rekordniveau bei der Lohnungleichheit" und "stark zunehmende Armut", konstatierte kürzlich nüchtern eine Studie der Federal Reserve. Infolge der Krise sind seit 2007 die Armutsquoten um 25 bis 30 Prozent gestiegen.

Etwas Erleichterung bringt der florierende Häusermarkt. Wo die Preise kräftig anziehen, sitzen nun nicht mehr ganz so viele Privathaushalte auf Hypotheken, die größer sind als der Wert ihrer Häuser. Die Fed wird nur ganz allmählich ihre Wertpapierkäufe zurückfahren, auch um die Millionen prekären Hausbesitzer mit billigem Geld zu unterstützen.

Dazu kommt eine nicht sonderlich solide Finanzpolitik: Das Haushaltsdefizit liegt immer noch um die sechs Prozent, die Staatsschulden bei über hundert Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Doch große Teile der republikanischen Partei weigern sich, dringend notwendigen Steuererhöhungen zuzustimmen (die Quote der Staatseinnahmen in den USA ist so niedrig wie kaum irgendwo sonst in den reichen Ländern).

Technisch mögen sich die USA im Aufschwung befinden. Aber es ist ein rutschiger Wachstumspfad - zu dem viele Bürger keinen Zutritt haben.

Die wichtigsten Wirtschaftstermine der Woche:

Montag

Frankfurt am Main - Geldreform - EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch stellt die neue Zehn-Euro-Banknote vor.

Straßburg - Anhörung - Das Europaparlament befragt die deutsche Kandidatin fürs EZB-Direktorium, Sabine Lautenschläger.

Detroit - Autoparade - Amerikas Automesse Detroit Auto Show eröffnet und bietet Einblicke in den Zustand der immer noch wichtigsten Industrie der Welt.

Dienstag

Washington - Wie war Weihnachten? - US-Statistiker veröffentlichen die Einzelhandelsumsätze für Dezember.

Mittwoch

Wiesbaden - Abrechnung - Das Statistische Bundesamt gibt die ersten vorläufigen Berechnungen für das deutsche Bruttoinlandsprodukt für 2013 bekannt.

Darmstadt - Startschuss - Beginn der Tarifverhandlungen in der Chemieindustrie

Washington - Konjunkturbericht - Die US-Notenbank Fed veröffentlicht ihr "Beige Book".

Donnerstag

Washington - Neue Zahlen - Der Anstieg der Verbraucherpreise und die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stehen im Fokus der Börsianer.

Freitag

Washington/New York - Neue Zahlen - Baubeginne im Wohnungsbau, Industrieproduktion, Verbrauchervertrauen.

Berlin - Bauern-Schau - Die Internationale Grüne Woche zeigt, was die Landwirtschaft so alles kann.

Bochum - Krisentreffen - Der strauchelnde Ruhr-Riese ThyssenKrupp bittet zur Hauptversammlung.