Herabstufung Moody's fürchtet Zusammenbruch britischer Banken

Die Sorge um Europas Finanzbranche wächst. Jetzt hat die Rating-Agentur Moody's die Bonität von zwölf britischen Banken herabgestuft. Sie fürchtet, die Regierung in London könne den Zusammenbruch kleinerer Institute zulassen. Auch das Rating von neun portugiesischen Geldhäusern wurde gesenkt.
Zentrale der Royal Bank of Scotland: Bonität um zwei Stufen gesenkt

Zentrale der Royal Bank of Scotland: Bonität um zwei Stufen gesenkt

Foto: Dan Kitwood/ Getty Images

New York - Schlechte Nachrichten für Großbritanniens Banken-Sektor: Die Rating-Agentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit von zwölf britischen Instituten herabgestuft. Betroffen sind unter anderem Lloyds, die britische Tochter der spanischen Bank Santander  , die Royal Bank of Scotland  (RBS), die Co-operative Bank und die Bausparkasse Nationwide. Hinzu kommen sieben kleinere Bausparkassen.

Die Rating-Agentur teilte am Freitag zur Begründung der Entscheidung mit, die britische Regierung werde vermutlich zwar systemisch wichtigen Finanzinstituten weiterhin eine gewisse Unterstützung gewähren. Sie werde es aber möglicherweise zulassen, dass kleinere Institute zusammenbrechen.

Die Bonität der RBS wurde ebenso wie die von Nationwide Building Society um zwei Stufen herabgesetzt, die für Lloyds  , TSB Bank und der britischen Santander-Tochter um eine. Zuvor hatte Moody's bereits das Rating von neun portugiesischen Banken gesenkt und dies mit der Schuldenkrise im dem südeuropäischen Land begründet.

Die in der Finanzkrise verstaatlichte RBS wies Gerüchte über einen erhöhten Kapitalbedarf und weitere Staatshilfen zurück. Das Institut gehöre zu den am besten kapitalisierten Banken Europas, hieß es in einer Mitteilung.

Damit reagierte die RBS auf einen Bericht der "Financial Times", wonach in der britischen Regierung die Sorge über einen möglichen Kapitalbedarf des Instituts wächst. "Wenn es in Europa eine breite Bewegung zur Rekapitalisierung von Banken gibt, dann ist es denkbar, dass auch die RBS mehr Staatshilfen benötigt", hatte das Blatt einen Regierungsvertreter zitiert.

Finanzminister George Osborne versuchte, Bedenken zu zerstreuen. Im BBC-Radio sagte er: "Ich bin überzeugt, dass die britischen Banken gut kapitalisiert und liquide sind. Sie haben nicht die Art von Problemen, die manche Banken in der Eurozone gerade haben." Die Entscheidung von Moody's spiegele nur das Bemühen der Regierung wider, künftig möglichst wenig Steuergelder in die Rettung von Banken zu stecken. Genau das erwarte die Bevölkerung schließlich.

Mit RBS und Lloyds hatten zwei der vier britischen Großbanken in der Finanzkrise vom Staat gerettet werden müssen. Seither stricken Regierung und Aufseher in Großbritannien an einer besonders strengen Regulierung für die Branche. Geplant ist unter anderem die Errichtung eines "Schutzschildes" vor den Spareinlagen, um das Filialgeschäft vom riskanteren Investmentbanking abzuschirmen. Letzteres könnte dann im Krisenfall abgewickelt werden, ohne die gesamte Bank zu gefährden.

Die Lage der europäischen Banken wird zurzeit mit besonderer Sorge beobachtet, da eine mögliche Insolvenz Griechenlands und anderer verschuldeter Euro-Staaten die Institute schwer treffen könnte. Die EU-Finanzminister haben sich bereits darauf verständigt, die größten europäischen Banken notfalls mit zusätzlichem Kapital zu stützen.

dab/dapd/AFP/dpa-AFX/Reuters
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