Herabstufung von Portugal Euro-Partner rechnen mit Rating-Riesen ab

"Zeitlich unglücklich", "sachlich unbegründet", "ein fragliches Verhalten": Die Entscheidung der Rating-Agentur Moody's, portugiesische Anleihen auf Ramsch-Niveau abzuwerten, verärgert EU-Politiker. Finanzminister Schäuble und EU-Kommissar Barroso drohen den US-Firmen nun mit härteren Regeln.

EU-Kommissionspräsident Barroso: Will Oligopol der Rating-Agenturen brechen
AFP

EU-Kommissionspräsident Barroso: Will Oligopol der Rating-Agenturen brechen


Berlin - Für die Politik sind die Rollen in der Schuldenkrise klar verteilt: Die Rating-Agenturen sind für Finanzminister Schäuble und EU-Kommissionspräsident Barroso die Bösewichte - aktuell wegen der Degradierung portugiesischer Anleihen auf Ramsch-Niveau. "Das ist eine unglückselige Episode und wirft Fragen über das Verhalten der Rating-Agenturen und deren Weitblick auf", erklärte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn am Mittwoch in Brüssel.

Bundesfinanzminister Schäuble sagte, die Abwertung Portugals sei sachlich nicht begründet, und fügte hinzu: "Wir müssen den Einfluss der Rating-Agenturen begrenzen." Das Oligopol von Moody's, Fitch und Standard & Poor's müsse gebrochen werden.

Die Bundesregierung sei von der Herabstufung genauso überrascht worden wie viele andere Akteure auch, sagte Schäuble. Portugal sei bei der Umsetzung des von der EU und dem Internationalen Währungsfonds geforderten Sparpakets auf Kurs und sei dem Zeitplan sogar voraus. Die Regierung in Lissabon hatte erst in der vergangenen Woche Maßnahmen angekündigt, die teilweise über die Abmachungen für das Hilfspaket noch hinausgehen.

Ähnlich wie Schäuble äußerte sich auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso: Er erinnerte daran, dass seine Behörde an einer weiteren Regulierung der Rating-Agenturen arbeite. Vorschläge dazu sollten bis Jahresende vorliegen. Es gehe unter anderen darum, mehr Wettbewerb in der Branche zu schaffen. Er ging nicht näher auf Vorhaben ein, eine europäische Rating-Agentur zu schaffen, meinte aber: "Es ist schon merkwürdig, dass keine einzige (große) Rating-Agentur aus Europa kommt."

Die italienische Börsenaufsicht Consob hat Standard & Poor's (S&P) und Moody's nun sogar zum Rapport bestellt: Am Freitag müssen sich Spitzenvertreter von Moody's dazu äußern, warum sie 16 italienischen Banken mit einer Herabstufung ihres Ratings gedroht haben. Das berichten italienische Medien.

Bei aller Entrüstung der Politiker darf aber auch nicht vergessen werden, dass sie den Rating-Schlamassel selbst mitverursacht haben. Denn die Agenturen haben niemanden gezwungen, ihr Urteil zum Maßstab zu erheben. Sie machen einfach ihren Job. Dennoch wurde der Bezug auf Bonitätsnoten in viele Gesetze übernommen - etwa EU-Richtlinien, welche die Eigenkapitalvorschriften namens Basel II europaweit verbindlich machen.

Abwertungen wirken wie ein Brandbeschleuniger

Der Deutschland-Chef der US-Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P), Torsten Hinrichs, wies die Kritik am Mittwoch zurück. Aufgabe der Rating-Agenturen sei nicht, zu beurteilen, ob ein Lösungsversuch ökonomisch oder politisch richtig sei oder nicht. Vielmehr müssten sie eine Meinung über die künftige Zahlungsfähigkeit abgeben. Die Bedeutung hätten sich die drei großen Agenturen über die vergangenen Jahrzehnte erarbeitet, sagte Hinrichs.

Klar ist aber auch: Die Entscheidungen der Rating-Agenturen wirken in der Euro-Krise wie ein Brandbeschleuniger: Die Moody's-Abwertung für Portugal hat am Mittwoch den Kurs europäischer Großbanken und des Euro in Dollar Chart zeigen negativ beeinflusst. Die Gemeinschaftswährung verlor einen Cent an Wert und notierte bei 1,43 Dollar. Vor allem die Aktien portugiesischer Kreditinstitute büßten kräftig ein: Die Aktienkurse der Banco BPI, Millennium BCP und Banco Espirito Santo stürzten zeitweise um fünf bis sieben Prozent ab.

"Das ist eine harsche Erinnerung daran, dass die Probleme noch da sind", sagte ein Händler. "Nun droht mit Portugal der nächste Stein zu kippen. Die Leute sind nervös."

cte/Reuters/dpa

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freesprit 06.07.2011
1. Soso, man droht
Zitat von sysop"Zeitlich unglücklich", "sachlich unbegründet", "ein fragliches Verhalten": Die Entscheidung der Rating-Agentur Moody's, portugiesische Anleihen auf Ramsch-Niveau abzuwerten, verärgert EU-Politiker. Finanzminister Schäuble und EU-Kommissar*Barroso drohen den US-Firmen nun mit härteren Regeln. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,772760,00.html
da wird den Amis aber der Ars.h auf Grundeis gehen. Bevor Deutschland Panzer verkauft, muss es erst einmal beim großen Bruder Usrael nachfragen, ob es denn genehm sei. Selten so gelacht!
Schwede2 06.07.2011
2. Europa schmiert ab.
Zitat von sysop"Zeitlich unglücklich", "sachlich unbegründet", "ein fragliches Verhalten": Die Entscheidung der Rating-Agentur Moody's, portugiesische Anleihen auf Ramsch-Niveau abzuwerten, verärgert EU-Politiker. Finanzminister Schäuble und EU-Kommissar*Barroso drohen den US-Firmen nun mit härteren Regeln. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,772760,00.html
Und wieder fällt unseren Politikern nichts besseres ein, als die Überbringer schlechter Nachrichten abzukanzeln und natürlich unser gutes Geld den verheizten südeuropäischen Euros nachzuwerfen. Wetten dass, ...
Hakort, 06.07.2011
3. die karawane zieht weiter
war ja zu erwarten gewesen nachdem es ein solch gutes geschäft mit einer rendite von 25% bei griechischen staatsanleihen auf kosten der steuerzahler gab. dass es aber so schnell geht erstaunt mich dann doch, die müssen sich sehr selbstsicher sein.
maemo 06.07.2011
4. Der Zweck der Sache sollte bekannt sein.
Wozu die Herabstufungen dienen, hat Stephan Schulmeister, Mitarbeiter des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung in Wien, schon Mitte letzten Monats in der FTD erörtert: http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/:euro-krise-der-euro-als-spielball/60065481.html
inqui 06.07.2011
5. gaudeamus igitur
Zitat von sysop"Zeitlich unglücklich", "sachlich unbegründet", "ein fragliches Verhalten": Die Entscheidung der Rating-Agentur Moody's, portugiesische Anleihen auf Ramsch-Niveau abzuwerten, verärgert EU-Politiker. Finanzminister Schäuble und EU-Kommissar*Barroso drohen den US-Firmen nun mit härteren Regeln. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,772760,00.html
Der € wird bis zur letzten Patrone verteidigt. Auch die letzten Tage im Führerbunker waren nicht gerade mit Realitätssinn beseelt. Das hoffen auf General Wenck (Deutschland als Transfermeister) geht weiter und unbeirrt.
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