Bericht der »Financial Times« Hat Hertha-Investor Lars Windhorst eine Mobbingkampagne in Israel bestellt?

Um die Macht bei Hertha BSC wird mit harten Bandagen gekämpft – und womöglich auch mit klandestinen Methoden. Laut Bericht der »FT« soll der Investor Lars Windhorst Attacken auf einen Widersacher bestellt haben. Windhorst dementiert.
Kontrahenten Gegenbauer (links) und Windhorst bei einer Hertha Pressekonferenz im Februar 2022

Kontrahenten Gegenbauer (links) und Windhorst bei einer Hertha Pressekonferenz im Februar 2022

Foto: Andreas Gora/dpa

Unter Anhängern des kriselnden Fußballklubs Hertha BSC wunderten sich manche schon länger angesichts der Art und Weise, wie der langjährige und inzwischen ehemalige Präsident Werner Gegenbauer angegangen wurde. Und vor allen Dingen: von wem. Da waren unter anderem diese seltsamen Accounts beim Kurznachrichtendienst Twitter, die vorher nie sonderlich viel mit Fußball am Hut hatten. Viele von ihnen wurden erst im August 2021 registriert – Ende 2021 entdeckten einige von ihnen auf einmal ihr Interesse für die Auseinandersetzung zwischen dem damals noch amtierenden Gegenbauer und dessen Widersacher, dem Finanzunternehmer und Hertha-Großinvestor Lars Windhorst.

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Nun äußert auch die »Financial Times« den Verdacht, dass hinter diversen Angriffen auf Gegenbauer mehr gestanden haben dürfte als nur der Unmut enttäuschter Hertha-Fans (hier geht es zum Artikel) . Nach Informationen der Zeitung soll Windhorst eine private israelische Sicherheitsfirma mit einer Kampagne gegen Gegenbauer beauftragt haben, der im Mai nach 14 Jahren schließlich aus dem Amt schied. Das Unternehmen namens Shibumi Strategy Limited habe ein Jahr lang »eine verdeckte Operation« gegen Gegenbauer orchestriert, so die »FT«. Windhorst dementiert das vehement. Windhorsts Sprecher, Andreas Fritzenkötter, bezeichnet den Bericht gegenüber dem Fernsehsender NTV als »kompletten Unsinn«. Man versuche nun »selbst herauszufinden, wie der Artikel zustande kam«, sagte Fritzenkötter dem SPIEGEL. Auch Shibumi-Chef Ori Gur-Ari sagte der »FT«, er wisse »nichts von diesem angeblichen Verfahren und Sie (die an der Recherche beteiligten Journalisten, Anmerkung der Redaktion) müssen einen Fehler gemacht haben«.

Geprellte Zahlung?

Laut »FT« stützen Gerichtsdokumente aus einem Bezirksgericht in Tel Aviv jedoch die Vorwürfe. Auch dem SPIEGEL liegt ein Dokument vor, das dies nahelegt. Das Verfahren drehe sich um die Bezahlung für die Kampagne. Der Zeitung zufolge hatte die Sicherheitsfirma Klage eingereicht, weil Windhorsts Unternehmen Tennor eine vertragliche Vereinbarung über die Zahlung von einer Million Euro für acht Monate Arbeit nicht eingehalten habe. Zudem sei mündlich eine erfolgsabhängige Zahlung von weiteren vier Millionen Euro verabredet worden.

Laut »FT« geht aus den Gerichtsunterlagen hervor, dass Windhorst Shibumi beauftragt habe, »eine Strategie zu planen und zu entwickeln«, um seine eigene Reputation zu erhöhen. Ein 20 Personen umfassendes Team von Mitarbeitern der israelischen Firma soll dem Bericht zufolge Gegenbauer-Sympathisanten, Gegner des Präsidenten und Familienangehörige online und persönlich kontaktiert haben. Es sei darum gegangen, eine Einflusskampagne gegen den Fußballfunktionär durchzuführen, so die Zeitung.

Shibumi habe dafür online Profile aufgesetzt, die den Anschein erweckten, Hertha-Fans kritisierten Gegenbauer. Auch kritische Karikaturen über den Vereinschef seien von dem Unternehmen bezahlt worden. Eine soll ihn laut »FT« als Sensenmann zeigen. Aufgesetzt wurde demnach auch eine Website einer angeblichen »Gegenbauer raus«-Bewegung nebst eines gleichnamigen Nachrichtenkanals beim Messengerdienst Telegram.

Unklar ist, wie groß der Einfluss der angeblichen Kampagne auf den Machtkampf bei Hertha BSC tatsächlich gewesen sein könnte. Laut »FT« soll der vermeintliche Auftraggeber Windhorst Unzufriedenheit über die Arbeit von Shibumi geäußert haben. Es gebe eine »große Diskrepanz zwischen Ihrer Wahrnehmung des Wertes, den Sie in der Vergangenheit gebracht haben, und der Realität, wie sich die Dinge entwickelt haben«, soll Windhorst laut der Zeitung im Mai 2022 an Shibumi-Chef Gur-Ari geschrieben haben.

Die Klage in Tel Aviv wurde kurz nach Erscheinen des »FT«-Artikels heute gelöscht. Bei Hertha will man sich zu der Angelegenheit nicht weiter äußern, verweist aber darauf, Tennor habe dem Verein versichert, die Geschichte sei »völliger Unsinn«. Heute Abend tagt der Aufsichtsrat des Vereins – auch dort dürfte Windhorst mal wieder Thema sein.

beb
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