Computerkonzern in der Krise Hewlett-Packard verliert Milliarden

Katastrophale Bilanz beim Technik-Pionier Hewlett-Packard: In einem einzigen Quartal hat das Unternehmen 8,9 Milliarden Dollar Verlust angehäuft. Das Management hat den Trend zu Tablet-Computern verschlafen, viele Kunden wenden sich frustriert ab.

Meg Whitman: Die Top-Managerin war früher Chefin bei Ebay
REUTERS

Meg Whitman: Die Top-Managerin war früher Chefin bei Ebay


Palo Alto - Hewlett-Packard stürzt immer tiefer in die Krise. 8,9 Milliarden Dollar Verlust hat das IT-Unternehmen von Anfang Mai bis Ende Juli angehäuft. Im Vorjahreszeitraum hatte der Konzern noch 1,9 Milliarden Dollar verdient.

Hauptgrund für die schlechten Quartalszahlen war eine gigantische Abschreibung. Es seien Wertberichtigungen in Höhe von insgesamt 10,8 Milliarden Dollar vorgenommen worden, teilte der Konzern mit - ein Großteil betrifft die im Jahr 2008 gekaufte Outsourcing-Firma EDS.

Aber auch sonst lief es nicht rund bei HP. Der Umsatz fiel um fünf Prozent auf 29,7 Milliarden Dollar. Besonders katastrophal sah die Lage bei den PC-Verkäufen an Privatkunden aus. Auch die Drucker - einst ein sicheres Geschäft für HP - entwickelten sich zu Ladenhütern. Einziger Lichtblick war die Software mit einem Wachstum von 18 Prozent.

Spitzenstellung stark gefährdet

HP leidet darunter, dass immer mehr Kunden zu einem Tablet-Computer oder ihrem Smartphone greifen und sich den Kauf eines neuen Rechners sparen. Erschwerend hinzu kommt die schwache Konjunktur und ein wankelmütiges Management, mit dem HP in den vergangenen Jahren viel Vertrauen bei den Kunden verspielt hat.

Der vom deutschen Softwarekonzern SAP gekommene zwischenzeitliche Konzernchef Léo Apotheker wollte sich vom PC-Bereich trennen und stattdessen auf Software setzen. Die Aktie brach ein, Apotheker musste gehen. Vor einem knappen Jahr übernahm dann die Amerikanerin Meg Whitman den Spitzenjob und versucht nun zu retten, was zu retten ist.

Nach Daten der Marktforschungsfirma Gartner steht HP nur noch knapp an der Spitze der PC-Hersteller, dicht gefolgt vom chinesischen Aufsteiger Lenovo, der das PC-Geschäft vom US-Technologiekonzern IBM übernommen und zuletzt den Aldi-Lieferanten Medion gekauft hat. In Deutschland hat HP die Führungsposition demnach bereits verloren und ist auf Rang vier hinter Acer und Lenovo zurückgefallen.

Die Mitarbeiter sind die Leidtragenden des Niedergangs: 27.000 Stellen sollen nach den Plänen Whitmans bis zum Herbst 2014 wegfallen. Das ist mehr als jeder zwölfte Beschäftigte weltweit.

"HP steckt noch immer ganz am Anfang einer Wende, die Jahre dauern wird", sagte Whitman am Mittwoch. Sie sprach allerdings von "ordentlichen Fortschritten". Angesichts der schweren Lage nahm das Management die Ergebnisprognose für das Gesamtjahr zurück. Unterm Strich wird nun wohl ein Verlust stehen.

stk/dpa-AFX/Reuters



insgesamt 34 Beiträge
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AndyDaWiz 23.08.2012
1. Das ist die Strafe
die Strafe fuer einen untauglichen Aufsichtsrat. Die Strafe fuer Leo Apotheker (wie kann man einen Apotheker einem IT-Konzern vorstellen). Die Strafe fuer das Zerlegen des besten Handheld-Unternehmens der Welt und des besten mobilen Betriebssystems (konkret: Benutzeroberflaeche) der Welt. Wie kann man so ein Asset so unbrauchbar machen. Jeder 16-jaehrige haette das besser gemacht.
zabbaru 23.08.2012
2. Nie wieder HP
Ich hatte zwei Produkte von HP, ein Notebook und einen Drucker. Nie wieder ! beides hielt gerade 2 Jahre, dann waren sie defekt. Nun habe ich Acer und Canon und siehe da, nach 4 Jahren funktioniert beides noch einwandfrei. Kein Wunder, dass sich bei derart mieser Qualitaet die Kunden angewiedert abwenden. Recht so!
fort-perfect 23.08.2012
3. Ich arbeite nun schon
Zitat von sysopREUTERSKatastrophale Bilanz beim Technik-Pionier Hewlett-Packard: In einem einzigen Quartal hat das Unternehmen 8,9 Milliarden Dollar Verlust angehäuft. Das Management hat den Trend zu Tablet-Computern verschlafen, viele Kunden wenden sich frustriert ab. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,851587,00.html
seit Jahrzehnten in der IT Branche und schon Anfang des Jahrtausends hies es, dass HP in der Kriese sei und schon damals kaufte HP firmen, die bessere Produkte auf dem Markt hatten, als HP selbst (Compaq). Schon damals hat es HP als Weltkonzern nicht geschafft, vernünftige Administrationswerkzeuge für "Enterprise" Umgebungen zur Verfügung zu stellen.... bitte komm mir jetzt keiner mit HP OpenView... Und schon damals wurde restrukturiert, entlassen und umgebaut. Scheinbar hat sich daran bis heute nichts geändert, bis auf die unterschiedlichen Managerköpfe, die in schnellem Wechsel zu Spitzenkonditionen nichts wirklich bewegt haben.... Als Privatkunde würde ich mir sowieso keine HP Computer kaufen, zu teuer und/oder veraltet und jetzt scheint auch die "CashCow" Drucker endlich den Bach runter zu gehen, nun ja, kein Wunder, billige Ramschdrucker mit Ersatztinten zu absurden Preisen....
horstma 23.08.2012
4. Whitman kann einem Leid tun
HP leidet immer noch unter dem Fiorina-Effekt. Diese Frau hatte ja die Vision, daß HP auch als 1-Mann-Unternehmen noch Milliardenumsätze generieren kann - oder besser gesagt, als 1-Frau-Unternehmen. Sie zerstörte die Unternehmenskultur nachhaltig. Dann kam der Apotheker, der den PC-Bereich abwerfen wollte. Weil ja PCs und Zubehör vollkommen aus der Mode und überholt sind, es hat ja keiner mehr einen. Oder? Wenn man zwei derartige Fehlbesetzungen jahrelang an der Spitze hat, geht das auch an einem Unternehmen wie HP nicht spurlos vorbei. Ich frage mich nur: Was hat die Ex-Chefin von Ebay bei HP zu suchen? Warum hat man aus den Fehlern nicht gelernt und einen richtigen Insider an die Spitze gesetzt? Oder wollte keiner? Ebay hat weder eine vergleichbare Produktpalette noch ein Marketingsegment. Womit hat sich Whitman qualifiziert, eine Computerkonzern zu leiten, der auch noch gerade extrem strauchelt? Ich sehe da langsam schwarz.
rvdf11974 23.08.2012
5. Nicht nur das...
Bei HP fühlt man sich nicht nur abgezogen wie bei anderen Computerherstellern... Nein! Man wird es auch... Überteuerter, unflexibel und vor allem Dinge für die man bezahlen muss, die andere kostenlos anbieten...
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