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11. Januar 2016, 14:05 Uhr

Strom-Lobbyistin

Ex-Staatsministerin im Kanzleramt heuert bei RWE an

Vor sieben Jahren sorgte die CDU-Ministerin Hildegard Müller mit ihrem Wechsel vom Kanzleramt zum Energie-Lobbyverband BDEW für Aufsehen. Nun folgt der nächste Karriereschritt: Müller wird Vorstand beim Energiekonzern RWE.

RWE holt sich eine Frau in den Vorstand und der Lobbyverband BDEW muss sich deshalb eine neue Chefin suchen. Hildegard Müller gibt ihren Job als Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) auf und wechselt zum Energieversorger RWE.

Dort werde sie zum 1. Mai im Zuge der anstehenden Umstrukturierungen eine Vorstandsfunktion in einer Konzerngesellschaft übernehmen, teilte das Unternehmen mit. Details nannte RWE nicht. Der Konzern baut derzeit sein Geschäft um: Die Zukunftsgeschäfte erneuerbare Energien, Netze und Vertrieb werden in einer neuen Tochter gebündelt. Spekuliert wird, dass Müller das Ökostromgeschäft führen soll. Dieses will der bislang vor allem auf Kohle, Gas und Atomkraft ausgerichtete Konzern deutlich ausbauen.

Müller war 2008 vom Posten der Staatsministerin im Kanzleramt in die Wirtschaft gewechselt und übernahm den Chefposten beim BDEW. Sie galt als enge Vertraute von Angela Merkel.

RWE-Chef Peter Terium lobte Müller als "starke Führungspersönlichkeit und geschickte Moderatorin unterschiedlicher Interessen". Ihren Posten als BDEW-Chefin wird Müller bereits Ende Januar aufgeben. Die Nachfolge steht noch nicht fest. Müller selbst teilte mit: "Nach Jahren intensiver und interessanter Arbeit im Verband freue ich mich darauf, in operativer Unternehmensverantwortung an der Energiewende mitarbeiten zu können."

Bei dem Verband musste Müller die unterschiedlichen Interessen der großen Versorger RWE , E.on, EnBW und Vattenfall sowie Hunderter Stadtwerke unter einen Hut bringen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es in der Überschrift fälschlicherweise, Müller sei Kanzleramtschefin gewesen. In Wirklichkeit war sie Staatsministerin im Kanzleramt. Wir haben den Fehler korrigiert.

mmq/dpa/Reuters

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