Landwirtschaft Bauern in der Extremwetterfalle

In Frankreich wurde mit 45,8 Grad ein Hitzerekord aufgestellt. Temperaturen, Trockenheit und die Folgen des Dürresommers machen Bauern auch hierzulande Sorgen. Drohen wieder Einbußen? Welche Lösungen könnte es geben?

Ein Mähdrescher erntet Wintergerste in Brandenburg.
Patrick Pleul/ DPA

Ein Mähdrescher erntet Wintergerste in Brandenburg.

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Dieses Bild gehört in ländlichen Gebieten zum Sommer: Mähdrescher, die auf den Feldern ihre Bahnen ziehen, umwölkt von riesigen Staubwolken. Mit der Hitzewelle ist auch in Frankreich der Allzeit-Temperaturrekord gebrochen. In dem Ort Gallargues-le-Montueux wurden am Freitagnachmittag 45,8 Grad gemessen. In Teilen Ostdeutschlands und in Nordrhein-Westfalen sind die Bauern schon jetzt auf den Feldern zur Ernte, Ende Juni - viel früher als üblich.

In Sachsen-Anhalt wird Wintergerste, Raps, Weizen und Roggen gedroschen, teilte der dortige Landesbauernverband mit. Denn die anhaltend warmen Temperaturen und die starke Sonneneinstrahlung ließen die Pflanzen schneller reifen. Auch in Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ist die Wintergerste schon erntereif.

Für die Landwirte geht es darum, den optimalen Erntezeitpunkt abzupassen. "Die voraussichtliche Ernte wird besser als im Katastrophenjahr 2018, aber im langjährigen Vergleich wird erkennbar, dass deutlich geringere Erträge zu erwarten sind", sagte Sachsen-Anhalts Bauernpräsident Olaf Feuerborn. Zwar sei der kühle Mai gut für die Feldfrüchte gewesen, aber weiterhin wirke sich die Dürre des Vorjahres extrem aus. So mussten Landwirte in Sachsen-Anhalt die Anbauflächen für Raps deutlich reduzieren, weil der Boden zu trocken für die Aussaat war.

Im Video: Die Methode Agroforst als Antwort auf Extremwetter

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Entscheidend für das Gedeihen der Pflanzen ist die Bodenfeuchte. Und hier war die Ausgangslage in diesem Jahr nicht gut. Weil es 2018 bis in den Herbst hinein kaum geregnet hat, wurden im Winter nur die obersten Bodenschichten wieder aufgefüllt, sagt Agrarmeteorologe Wolfgang Janssen vom Deutschen Wetterdienst. Die tieferen Schichten dagegen seien zu trocken.

Anders als im vergangenen Jahr hat es im Mai und Juni aber wiederum teils ergiebig geregnet, was den Pflanzen zugutekam. Dennoch gibt es Gebiete, wo es schlicht zu wenig Niederschläge gab, etwa in Sachsen-Anhalt oder im nördlichen Thüringen. Dort können sich die Pflanzen kein Wasser aus tieferen Schichten ziehen.

Auch aus dem Dürre-Monitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) geht hervor, dass es im Süden Deutschlands kaum Probleme mit Trockenheit gibt, der Boden im Norden und Osten aber zu trocken ist.

Diese Auswertung des Dürremonitors zeigt den Boden bis in 1,8 Meter Tiefe - und die Abweichung der Feuchte vom langjährigen Mittel. Wo es rot ist, herrscht Dürre.
UFZ - Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung

Diese Auswertung des Dürremonitors zeigt den Boden bis in 1,8 Meter Tiefe - und die Abweichung der Feuchte vom langjährigen Mittel. Wo es rot ist, herrscht Dürre.

Trotz der schlechteren Ausgangslage und der Trockenheit in diesen Tagen sind die Landwirte für die nun beginnende Erntesaison verhalten optimistisch. "Die Ähren lassen durchschnittliche Erträge erhoffen", hieß es beim Landesbauerverband in Brandenburg. Im vergangenen Jahr hätten die Ernteverluste je nach Kultur und Standort zwischen 30 und 80 Prozent gelegen.

Die Historie macht Hoffnung

Wie die Ernte insgesamt ausfällt, wird auch vom Wetter in den kommenden Wochen abhängen. Bislang sei man von durchschnittlichen Erträgen ausgegangen, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied. "Sollte jetzt aber eine längere Hitzeperiode eintreten, trifft es uns hart. Dann gehen die Erträge nach unten."

Zunächst einmal geht es nun um die Getreideernte. Das Getreide sei momentan in der wichtigen Phase der Kornfüllung, die noch nicht abgeschlossen sei, sagte Rukwied. So führt Hitze während der Weizenblüte zu sinkenden Erträgen. Für Mais, Gras als Tierfutter und Zuckerrüben seien der Juli und August entscheidend.

Hier kommt es also auf die Temperaturen und Niederschläge der kommenden Wochen an, wie sich die Ernte entwickelt. Agrarmeteorologe Janssen kann den Landwirten nach dem Katastrophenjahr 2018 zumindest ein bisschen Hoffnung machen. "Zwei Extremjahre aufeinander hatten wir noch nicht."

Im Sommer 2018 war die Getreideernte laut Bauernverband im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Viertel eingebrochen. Auch bei Kartoffeln, Zuckerrüben und vor allem beim Anbau von Tierfutter mussten die Landwirte im vergangenen Jahr deutliche Einbußen verkraften. Wenn Betriebe nachweisen konnten, dass sie in Existenznot geraten sind und Ernteeinbußen in Höhe von mehr als 30 Prozent ihrer durchschnittlichen Jahreserzeugung hatten, konnten sie staatliche Hilfe beantragen. 170 Millionen Euro Dürreunterstützung wurde bislang ausbezahlt.

Ein Schwadmäher in Mecklenburg-Vorpommern
Jens Büttner / DPA

Ein Schwadmäher in Mecklenburg-Vorpommern

Doch selbst wenn die Ernte auch in diesem Jahr unterdurchschnittlich ausfallen sollte: "Staatliche Hilfe muss die absolute Ausnahme bleiben - für Schadereignisse nationalen Ausmaßes", sagte eine Sprecherin des Bundeslandwirtschaftsministeriums. "Die Landwirte sind Unternehmer und als solche gefordert, für ihren Betrieb ein individuelles und angepasstes Risikomanagement zu entwickeln und umzusetzen." So will die Regierung die Bauern steuerlich entlasten, wenn sie sich gegen Dürreschäden versichern.

Das Risiko auf mehrere Betriebe verteilen

Der Agrarexperte Friedhelm Taube von der Universität Kiel dagegen fordert eine radikale Wende in der Agrarpolitik, um künftig besser für Krisenzeiten vorzusorgen. "Wir können nicht so weitermachen", sagt er. Denn Spezialisierung und der Fokus auf maximalen Ertrag mache die Landwirtschaftsbetriebe extrem anfällig für Krisen. Taube plädiert für die Kooperation von Landwirten, um Ertragssicherheit zu bekommen. So könnten ein Ackerbaubetrieb und ein Viehhalter sich zusammentun, ihre Fruchtfolgen abstimmen und damit das Risiko auf mehrere Kulturpflanzen verteilen. So wären die Betriebe einerseits weniger anfällig bei Extremwetterlagen, andererseits werde auch nachhaltiger gewirtschaftet.

Doch Anbausysteme ließen sich nicht von einem Jahr aufs andere ändern, sagt Taube. Hier müsse der Staat die Landwirte durch finanzielle Anreize locken. Der Agrarexperte plädiert für ein "Ökopunktesystem", bei dem Landwirte für bestimmte Leistungen belohnt werden - egal ob bio oder konventionell. Umweltleistungen und Ertrag sollen ineinandergreifen.

Forscher wollen genauere Wettervorhersagen liefern

Beim Bauernverband dagegen setzt man eher auf spezielle Züchtungen, die widerstandsfähiger gegen Trockenheit als auch Nässe sind. Doch diese Eigenschaft kostet dann in normalen Jahren wieder Ertrag, sagt der Biogeophysiker Thilo Streck von der Universität Hohenheim. Hier wird erforscht, inwiefern sich Landwirtschaft und Klima gegenseitig beeinflussen. Die Erkenntnisse sollen auch helfen, bessere Anpassungsstrategien zu erarbeiten.

Ziel der Forscher ist auch eine genauere Witterungsprognose, bis hin zu mehreren Monaten. So könnten Landwirte eine Entscheidungshilfe bekommen, welches Saatgut die besten Ertragschancen hat. Eine schnelle Lösung ist aber nicht in Sicht: Zehn bis 20 Jahre dürften die Forscher damit noch beschäftigt sein.

mit Material von dpa



insgesamt 94 Beiträge
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denkmalnach2 28.06.2019
1. Voreilige Schlüsse
... von einem "Dürresommer" schon Ende Juni zu sprechen ist reichlich verfrüht. Wir im Südwesten hatten das ganze Frühjahr über bis Anfang Juni durchschnittliche bis überdurchschnittliche Niederschlagsmengen. Kaum ist es jetzt mal etwas über eine Woche heiß und regenfrei, sollte beileibe noch nicht ein Dürresommer prophezeit werden. Oder wird jetzt verzweifelt "Munition" gesucht, um im Herbst das Autofahren in Deutschland zu verbieten, wegen zu viel CO2?
jo.lemberg 28.06.2019
2. Warum erwähnt niemand den Irrsinn riesiger, kahler Monokultur-Flächen?
Es gibt ausgearbeitete Theorien von Polykultur, wonach eben auf Äcker immer auch schattenspendende und mit dem Wurzelwerk Grundwasser anziehende Bäume gehören. Oder hat die Natur solche riesigen Flächen hervorgebracht, auf denen alles der Sonne und Erosion ausgesetzt ist? Das hat doch nichts mehr mit Natur zu tun! Hauptsache riesig, so dass der Mähdrescher darüber fahren kann und die Ernte möglichst groß ist. Hier müssen einfach wieder natürlichere Konzepte her, die sich mehr an der Natur und dem Menschenverstand orientieren. Auch wenn ich selbst kein Wissenschaftler bin, bin ich doch der Überzeugung, dass Aufforstung im Allgemeinen eine regulierende Wirkung auf das Mikroklima hat. Man muss doch nur mal bei der Hitze jetzt in einen Wald gehen, dafür brauche ich kein Studium.
richey_edwards 28.06.2019
3. Bauern haben immer Grund zu klagen
wenn der Winter zu lange geht, wenn es im Frühjahr nicht regnet oder im Sommer zuviel. Und wenn im Herbst Mercedes die Preise erhöht.
Pfaffenwinkel 28.06.2019
4. Die Landwirte
werden sich anpassen. Und bei schlechten Ernten werden sie staatlich entschädigt. Sie jammern also auf hohem Niveau.
werner230 28.06.2019
5.
Hätten die Landwirte nicht mittlerweile ein so mieses Image (Stichwort Tierwohl und zu viele Dinge mehr), würde ihnen keiner die Staatsgelder (also unser aller Geld) missgönnen. Und wäre alles nicht schon unerfreulich genug, protestierten sie in Berlin für "ihre" Scheisse (Gülle), welche nebenbei unser Trinkwasser mit Nitrat verseucht. Wie soll man das nennen?
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