Hoffnung in Euro-Krise Investoren überschütten Spanien und Italien mit Geld

Aufatmen in Europa: Spanien hat bei einer mit Spannung erwarteten Auktion doppelt so viel Geld erlöst wie erhofft - und musste weit niedrigere Zinsen zahlen als befürchtet. Auch Italien konnte problemlos neue Schulden aufnehmen. Dax und Euro reagieren mit Kurssprüngen.
Börse in Madrid: Aufatmen nach Anleihe-Auktion in Spanien und Italien

Börse in Madrid: Aufatmen nach Anleihe-Auktion in Spanien und Italien

Foto: PIERRE-PHILIPPE MARCOU/ AFP

Madrid/Frankfurt am Main - Die Anleger an den Finanzmärkten atmen auf: Italien und Spanien haben sich ohne Probleme und deutlich günstiger als zuletzt frisches Geld von Investoren besorgen können. Bei einer Anleihenauktion sammelte Spanien laut dem Finanzministerium in Madrid fast zehn Milliarden Euro ein - das ist doppelt so viel, wie für die Versteigerung avisiert war. Italien erreichte sein Ziel von zwölf Milliarden Euro.

Der Dax   reagierte mit Gewinnen auf die gelungene Anleihenauktion Spaniens. Der deutsche Leitindex lag am Mittag mit rund 1,3 Prozent im Plus. Auch das führende Börsenbarometer der Euro-Zone, der EuroStoxx 50  , gewann ähnlich stark. Der Euro   verteuerte sich um rund einen halben US-Cent auf 1,2753 Dollar.

Zur guten Stimmung bei den Börsenprofis trugen auch die günstigen Konditionen für die beiden Euro-Krisenländer bei. Spanien muss für die neuen Schulden einen weit geringeren Zinssatz zahlen als zuletzt. Das Land platzierte neue Drei-Jahres-Papiere im Volumen von rund 4,3 Milliarden Euro. Dafür muss Spanien Zinsen von 3,38 Prozent zahlen, das sind fast zwei Prozentpunkte weniger als bei der letzten derartigen Auktion. Zudem wurden zwei Anleihen mit Laufzeiten bis 2016 um 2,5 und 3,2 Milliarden Euro aufgestockt, wobei die Zinsen jeweils von knapp fünf Prozent auf weniger als vier Prozent sanken.

Italien musste sogar nur noch halb so hohe Zinsen in Aussicht stellen wie bei den letzten Auktionen. Bei den Anleihen mit einjähriger Laufzeit lag die Rendite nur noch bei 2,735 Prozent - im Dezember waren es noch 5,95 Prozent. Bei dreimonatigen Papieren fiel der Zins auf 1,644 Prozent und damit auf den niedrigsten Wert seit einem halben Jahr. Die Nachfrage überstieg das angebotene Volumen um das 1,5 bis 1,9-fache.

Auch aus Italiens Wirtschaft kommen gute Nachrichten: Die Industrieproduktion des Landes ist im November überraschend gestiegen. Im Monatsvergleich sei die Produktion bereinigt um 0,3 Prozent geklettert, teilte die Statistikbehörde Istat am Donnerstag in Rom mit. Ökonomen hatten hingegen mit einem leichten Rückgang um 0,2 Prozent gerechnet.

Die Versteigerungen waren im Vorfeld mit großer Spannung erwartet worden. Vor allem aus Madrid waren zuletzt Negativmeldungen verlautet. Spaniens neue konservative Regierung unter Mariano Rajoy musste Anfang des Jahres die Prognose für das Staatsdefizit um zwei Prozentpunkte erhöhen, Ökonomen halten es zudem für möglich, dass sich das Land bereits wieder in einer Rezession befindet.

fdi/Reuters/dpa
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