Hohe Ausschüttungen Aktionäre profitieren vom Dividendenrausch der Konzerne

Aktienkäufer setzen oft nur auf Kursgewinne. Doch die Dividenden bringen ebenfalls bares Geld. Weil die Konzerne so viel an ihre Eigentümer ausschütten wie selten zuvor, liegen die Renditen teilweise bei mehr als zehn Prozent. Das macht die Papiere gerade in turbulenten Zeiten attraktiv.

Pernod-Ricard: Die Franzosen füllen Marken ab wie Havana Club und Mumm
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Pernod-Ricard: Die Franzosen füllen Marken ab wie Havana Club und Mumm

Von Andreas Scholz


Es ist nur ein kleiner Teil im Zwischenbericht. Er besagt: Pernod-Ricard gibt einen aus. Der Schnaps- und Weinkonzern lässt in diesem Jahr pro Aktie eine Dividende von 1,44 Euro springen, sieben Prozent mehr als im Vorjahr.

Der Konzern ist kein Einzelfall. Viele europäische Unternehmen haben - wie auch ihre amerikanischen Konkurrenten - zwei gute Jahre hinter sich. Nachdem die Wirtschaft 2009 noch am Boden lag, sprudeln jetzt die Gewinne. Cash hat sich angesammelt, Schulden sind getilgt. Jetzt gibt es das Dankeschön an die Aktionäre.

Die im Aktienindex Stoxx 600 vertretenen Unternehmen steigern ihre Ausschüttungen in den kommenden zwölf Monaten um elf Prozent, schätzt Bloomberg. Schon jetzt liegt die Quote - gemessen am Kursniveau - im Durchschnitt bei 4,1 Prozent.

Ähnlich ist es in Amerika. "Tolle Neuigkeiten für Dividendenanleger", schreibt Matt Andrejczak vom Nachrichtendienst Dow Jones: "Ihr kriegt dieses Jahr einen fetten Zahltag." Indexanalyst Howard Silverblatt von Standard & Poor's beobachtet im S&P 500 Index 13,1 Prozent höhere Dividenden als im Vorjahr. Prominentes Beispiel hierfür ist der Software-Riese Microsoft, der seine Dividende um ein Viertel auf knapp drei Prozent Rendite hochschraubt. Nicht schlecht für einen Konzern, der noch bis 2003 jedwede Ausschüttung abgelehnt hat.

Besondere Wirkung entfalten die Werte, wenn man den Gesamtmarkt betrachtet. Zinsanlagen bringen kaum etwas, zehnjährige Bundesanleihen weniger als zwei Prozent pro Jahr. Die deutsche Inflation liegt bei 2,4 Prozent. Anleger machen real einen Verlust mit Staatsgarantie.

Der Vergleich von Unternehmensanleihen und Aktien trägt sogar schon groteske Züge. So muss France Télécom für eine Anleihe mit 22 Jahren Restlaufzeit 5,4 Prozent im Jahr zahlen. Aktionäre kassieren dagegen mehr als das Doppelte an Dividende: 11,6 Prozent.

"Dividenden werden zum wichtigsten Renditebaustein"

Ein Bild, das sich durch den Aktien-Crash im August noch verstärkt hat. Er schickte die Kurse in den Keller, die Dividenden aber sind noch stabil. Und ihre Bedeutung wächst. Kaum jemand rechnet für die kommenden Jahre noch mit bemerkenswertem Wirtschaftswachstum in Europa und den USA. Entsprechend unwahrscheinlich sind stark steigende Unternehmensgewinne. Also muss etwas anderes her, das potentielle Aktienkäufer aufs glitschige Börsenparkett lockt. Und das ist Bargeld.

Auch Curt Custard rechnet auf Sicht von fünf bis zehn Jahren mit seitwärtslaufenden Kursen am Aktienmarkt. "Damit werden Dividenden zum wichtigsten Renditebaustein", kündigt der Leiter Globale Investment-Lösungen bei UBS Global Asset Management an. Probleme bereite nicht nur die aktuelle Wirtschaftsschwäche, sondern auch der Umstand, dass überschuldete Länder der Wirtschaft nicht mehr helfen können.

Besonders beliebt bei Dividendenjägern sind die klassischen, konjunkturresistenten Branchen: Telekom-Unternehmen, Pillendreher, Stromversorger. Alles Geschäftsfelder, die auch in schlechten Zeiten stetige Geldströme versprechen und deren Bilanzen noch zu verstehen sind. Die ehemals so dividendensicheren Banken sind dagegen in dieser Hinsicht in Ungnade gefallen.

Doch auch bei Energieunternehmen kommen Analysten bereits Zweifel, ob sie ihren Status als sicherer Hafen behalten werden. Sie gelten als Geldquelle für verschuldete Regierungen. So will Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi allein 2012 aus der Versorgerbranche 1,8 Milliarden Euro eintreiben, berichtet die Bank Unicredit. Geld, das für Dividenden fehlen wird.

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insgesamt 15 Beiträge
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Gandhi, 13.11.2011
1. Dividenden machen Aktien attraktiv
Und, damit das so bleibt, muss die Attraktivitaet in Zukunft weiter gesteigert werden, selbst wenn die innere Situation einer Firma dafuer eigentlich keinen Anlass bietet. Da werden dann die Buecher geschoent, schliesslich muss man kurzfristig erfolgreich sein (damit die Boni fliessen). Wichtig ist, dass die Manager zum richtigen Zeitpunkt sich ein neues Opfer aussuchen.
Gerixxx 13.11.2011
2. Problematisch....
Was für die einzelnen Aktienbesitzer (ca.5% in Deutschland ?) ein Segen, ist insgesamt problematisch. Bedeuten doch ausgezahlte Dividenden immer auch Kapitalentzug für das Unternehmen (sprachen wir nicht gerade über generelle Überschuldung und Unterkapitalisierung in der Krise ?) und unterlassene Investitionen bzw. geringe Gehaltssteigerungen für lohnabhängig Beschäftigte. Die für unsere Volkswirtschaft und Gesellschaft kritische Entwicklung der wachsenden Einkommensschere zugunsten von Kapitaleinkommen und zum Nachteil der Lohnarbeit (sinkende Reallöhne in der letzten Dekade, um ca. 10% gesunkener Anteil der Lohneinkommen am Gesamteinkommen der Volkswirtschaft zugunsten höherer Unternehmergewinne und Kapitaleinkünfte) setzt sich ungebremst fort. Selbst wer als Lohnabhängig Beschäftigter jetzt meint, indirekt über Rentenfonds, Versicherungen etc. daran partizipieren zu können - sollte es sich überlegen ob der zugunsten von höheren Unternehmens- und Aktionärsgewinnen erzielte Dividendenvorteil nicht durch die Belastungen aus verschlechterten Arbeitsbedingungen, Arbeitsstress und gesundheitlichen Risiken, inkl. infolge von Mobilitäts- und Flexibilitätsanforderungen zunehmender Einschränkungen der Gestaltungsfähigkeit des eigenen Lebens diesen kleinen Dividendenvorteil nicht mehr als zunichte macht.... Grüße
frankfurtstyle 13.11.2011
3. Kursverluste
Die hohe Dividendenrendite ergibt sich aus den Kursverlusten, die Aktionäre in den letzten Monaten erlitten haben. Von "profitieren" und "Rausch", wie es SPON unter den Gutmenschen propagiert, kann keine Rede sein. Bevor jetzt wieder eine sinnlose Neid-Debatte angestoßen wird, einfach auch Aktien kaufen, dann habt Ihr auch etwas vom Kuchen.
Katzenfreund, 13.11.2011
4. Ist doch eine gute Nachricht
ich find das eine gute Nachricht. Ich selbst handele nach der Methode. Lieber langfristig dabei bleiben, aber dann auch eine schöne Dividende. Und das wnn möglich über Jahre. Allerding ca.20% meiner Aktiengeschäfte legen auch Wert auf einen Kursanastieg. Aber da muß ich viel mehr überwachen. Schnell rein aber möglichst auch schnell raus. Und das geht halt hin und wieder ins Auge. Aber ich denke die Mischung machts.
Meerkönig 13.11.2011
5. Ein sehr mangelhafter Artikel
Zitat von sysopAktienkäufer*setzen*oft nur*auf Kursgewinne. Doch die Dividenden bringen ebenfalls bares Geld.*Weil die Konzerne*so viel*an ihre Eigentümer ausschütten wie selten zuvor, liegen die Renditen teilweise bei*mehr als zehn Prozent. Das macht die Papiere*gerade in turbulenten Zeiten attraktiv. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,795409,00.html
In keiner Zeile wird erwähnt wie hoch der Ausgabekurs einer Aktie war, damit jeder sich die Rendite selbst ausrechnen kann. Bei Aktien ging es bisher nur um billige Geldbeschaffung für Management und Eigentümer. Dem Aktienkäufer wurden Spekulationsabsichten unterstellt und die werden an der Börse befriedigt. Die Gesetze sind so, dass die Manager und die Banken die Rendite festlegen. Bevor die Dividendendiskussion startet, gibt das Management der AG.s interne Schreiben an alle Abteilungsleiter mit Inhalt :"Verbratet Geld, wir haben zu viel". Jeder Aktienanleger muss die Garantie bekommen lt. Gesetz, dass eine Mindestrendite von z.B.3% auf den Ausgabekurs ausgezahlt werden muss, wie z.B. bei Lebensversicherung. Bei dem Beispiel "1,4 Euro" je Aktie ist das gerade Mal eine Verzinsung von 2% im Jahr, bei einem Ausgabekurs von 70,- Euro je Aktie. VW-Aktie 120,- Euro Ausgabekurs- Rendite 2,2% bei einem Gewinn nach Steuern von fast 3 Mrd. Euro. Davon wurden 600 Mil. ausgeschüttet. Ein Verbrechen der Banker und Manager gegenüber den Anlegern, sanktioniert von der Regierung. Richtig ist, dass solide Aktien heute bessere Rendite abwerfen als Lebensversicherungen und Sparkonten. Kommt ein Kursgewinn und Währungsgewinn dazu, umso besser. Tatsache ist, dass trotz der maroden US-Wirtschaft die Anleger weltweit der Amerikanischen Wirtschaft mehr zutrauen, als der Deutschen Euro –Wirtschaft , ein unheilvoller Indicator für den Ausgang der Eurokrise.
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