Hohe Preise Uno warnt vor Lebensmittelkrise

Die Lebensmittelpreise weltweit steigen so stark, dass die Vereinten Nationen jetzt Alarm schlagen. Wenn sich Nahrungsmittel aufgrund der Dürre in den USA, der Produktion von Biokraftstoffen und Spekulationsgeschäften weiter verteuern, drohe eine ähnlich verhängnisvolle Krise wie vor vier Jahren.
Reisbauern in Thailand: Geringe Erträge und hohe Preise drohen Krise zu verschärfen

Reisbauern in Thailand: Geringe Erträge und hohe Preise drohen Krise zu verschärfen

Foto: SUKREE SUKPLANG/ REUTERS

Rom - Die Zahlen, die die Welternährungsorganisation FAO am Donnerstag vorgelegt hat, geben Anlass zur Sorge. Die Lebensmittelpreise weltweit steigen so stark, dass eine schwere Krise droht: "Potentiell kann sich eine Situation wie 2007/2008 entwickeln", sagte der Volkswirt Abdolreza Abbassian von der Welternährungsorganisation FAO der Nachrichtenagentur Reuters.

Anlass für die Warnung der Uno sind die jüngsten Daten der FAO zur weltweiten Entwicklung der Lebensmittelpreise. Demnach sind diese im Juli erstmals nach drei Monaten wieder gestiegen - vor allem wegen der schlimmsten Dürreperiode im Mittleren Westen der USA seit 1956. Mais verteuerte sich deshalb im Juli um fast 23 Prozent, die internationalen Weizenpreise folgten und legten etwa 19 Prozent zu.

Oxfam fordert G-20-Staaten zum Handeln auf

Die Hilfsorganisation Oxfam warnt deshalb vor einer Finanzierungslücke für die Lieferung von Nahrungsmittelhilfe in Krisenländer wie Somalia - schon heute fehlten 3,3 Milliarden Euro. Die hohen Getreidepreise verschärfen die bereits angespannte Lage. Auch der starke Dollar bedeute höhere Kosten beim Nahrungsmittelimport in arme Länder.

"Die Zahl der Hungernden droht sprunghaft anzusteigen, wenn die Getreidepreise anhaltend hoch bleiben und die Politik nicht schnell und entschlossen handelt", befürchtet Marita Wiggerthale, Agrarexpertin von Oxfam Deutschland. Die Hilfsorganisation fordert die G20-Staaten auf, die Nahrungsmittelhilfe aufzustocken, die Politik zur Beimischung von Biosprit in Treibstoffe zu beenden und die Spekulation mit Nahrungsmitteln einzudämmen.

FAO-Volkswirt Abbassian sagte, noch stelle sich die Lage anders dar als 2007/08, als die Ölpreise Rekordstände erreicht hatten und so zusätzlich die Kosten für die Bauern in die Höhe trieben. Außerdem gehe er derzeit nicht davon aus, dass erneut Beschränkungen für Exporte verhängt würden. "Aber wenn sich so eine Politik wiederholt, ist alles möglich."

Preis-Index höher als zur Krisenzeit 2007/2008

Mehrere große Produktionsländer hatten damals Restriktionen auf Einfuhren erlassen, um im eigenen Land die Preise in Schach zu halten, dadurch die Krise aber verschärft. Kürzlich kamen Befürchtungen auf, Russland könnte Exportbeschränkungen erlassen, nachdem es in Folge einer Dürre in der Schwarzmeer-Region zu Ernteausfällen kam.

Der FAO-Index, der anhand der Schwankungen bei den Preisen für Milchprodukte, Getreide, Fleisch, Ölen und Fetten sowie Zucker ermittelt wird, erreichte im Juli 213 Punkte nach 201 Punkten im Vormonat. Er hat damit bereits einen höheren Stand als während der Lebensmittelkrise von 2007/08 erreicht. Allerdings ist der Index noch deutlich von seinem Allzeithoch von 238 Punkten im Februar 2011 entfernt, als die hohen Lebensmittelpreise zusätzlich die Wut der Menschen in den Ländern anheizten, die vom Arabischen Frühling erfasst wurden.

nck/Reuters