Hohe Schuldenlast Dramatischer Kurssturz bei Solarkonzern Q-Cells

Der größte deutsche Solarzellen-Hersteller Q-Cells steckt in schweren Nöten. Das Unternehmen soll mehrere hundert Millionen Euro Schulden voraussichtlich nicht zurückzahlen können. Der Aktienkurs rauscht um rund 20 Prozent in die Tiefe.

Q-Cells-Hauptsitz in Bitterfeld: "Eine Insolvenz ist derzeit nicht in der Diskussion"
dapd

Q-Cells-Hauptsitz in Bitterfeld: "Eine Insolvenz ist derzeit nicht in der Diskussion"


Düsseldorf - Der Solarkonzern Q-Cells steht nach verlustreichen Jahren vor dem Abgrund. Das Eigenkapital ist aufgezehrt, operative Gewinne sollen frühestens 2013 zu erwarten sein - und jetzt machen auch noch die Gläubiger Druck: In den kommenden fünf Wochen muss Vorstandschef Nedim Cen die Zeichner einer 200 Millionen Euro schweren Wandelanleihe davon überzeugen, auf die eigentlich bis Ende Februar fällige Rückzahlung noch Jahre zu warten.

Vorstandschef Cen will von einer drohenden Pleite aber nichts wissen: "Eine Insolvenz ist derzeit nicht in der Diskussion." Q-Cells habe ein Liquiditätspolster von 304 Millionen Euro.

Den Aktionären drohen allerdings schon jetzt Verluste. Denn Cen will weitere, 2014 und 2015 fällige Wandelanleihen über insgesamt 375 Millionen Euro in Eigenkapital tauschen, um das Unternehmen aus Bitterfeld-Wolfen zu retten. Die Gläubiger müssten dazu auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten und erhielten dafür Aktien. Das erhöht allerdings die Gesamtzahl der Aktien, was die Beteiligung der bisherigen Anteilseigner verwässert. Insgesamt soll Q-Cells mit knapp 800 Millionen Euro verschuldet sein.

Dramatischer Kurssturz

Die Aussicht auf eine Verwässerung des Aktienkurses schlägt sich an der Börse bereits jetzt massiv nieder: Der Q-Cells-Aktienkurs rauschte am Dienstag zeitweise um mehr als 20 Prozent in die Tiefe und notierte auf einem Allzeittief von 38 Cent. Damit ist Q-Cells Chart zeigen an der Börse nur noch 67 Millionen Euro wert. Sven Kürten von der DZ Bank nannte die Aussichten eine Katastrophe. Die Situation sei dramatisch.

Q-Cells ist nicht das einzige Solarunternehmen mit Problemen. Wegen der weltweit massiven Überkapazitäten und des daraus folgenden Preisverfalls stehen viele Firmen stark unter Druck. Nach diversen Pleiten in den USA mussten zuletzt in Deutschland der Branchenpionier Solon und der Kraftwerksentwickler Solar Millennium Insolvenz anmelden.

Nun räumte auch Q-Cells ein, die Ende Februar fällige Wandelanleihe nicht vollständig bedienen zu können. Die Gläubiger sollen sich mit einer Teilrückzahlung begnügen, die Q-Cells in mehreren Raten zurückzahlen will.

Tiefrote Zahlen angekündigt

Tatsächlich können die Anleihegläubiger angesichts der Verluste bei Q-Cells nicht darauf hoffen, dass der Konzern in absehbarer Zeit Zinsen zahlen oder gar die Anleihe tilgen könnte. Für 2012 kündigte der Vorstand tiefrote Zahlen an. Der Verlust vor Steuern, Zinsen und Restrukturierungskosten werde bei 90 Millionen Euro liegen. Auch für das nächste Jahr stellt Vorstandschef Cen einen operativen Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 90 Millionen Euro in Aussicht - die Sanierungskosten noch gar nicht eingerechnet.

Erst für 2014 ist die Rückkehr in die Gewinnzone mit acht Millionen Euro geplant - sofern die Umschuldung gelingt. Die zugrunde liegende Umsatzerwartung - rund 1,3 Milliarden Euro bis 2015 - halten Analysten aber für schwer zu erreichen. 2011 setzte Q-Cells rund eine Milliarde Euro um, das operative Minus lag früheren Angaben zufolge bei mindestens hundert Millionen Euro.

Bereits im Oktober hatte die Mehrheit der Anleihegläubiger eine Stundung der im Februar fälligen Anleihe beschlossen. Diese Entscheidung wurde aber durch ein Urteil des Landgerichts Frankfurt vom Montag torpediert. Q-Cells will dagegen zwar Revision einlegen, doch läuft dem Unternehmen die Zeit davon.

Ob eine Einigung gelingt, hängt auch von der Struktur der Gläubiger ab. Einem Insider zufolge sind noch keine Hedgefonds erkennbar, die es darauf abgesehen haben könnten, die Macht bei Q-Cells zu übernehmen. Weil Abschreibungen auf Beteiligungen das Grundkapital von Q-Cells komplett aufgezehrt haben, muss das Unternehmen nun auf einer außerordentlichen Hauptversammlung Rechenschaft ablegen. Ende September war das Eigenkapital noch auf 425 Millionen Euro beziffert worden.

yes/Reuters

insgesamt 229 Beiträge
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Seite 1
flower power 24.01.2012
1. Warum heulen ?
Zitat von sysopDer größte deutsche Solarzellen-Hersteller Q-Cells steckt in schweren Nöten. Das Unternehmen kann mehrere 100 Millionen Euro Schulden voraussichtlich nicht zurückzahlen. Der Aktienkurs rauscht um rund 20 Prozent in die Tiefe. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,811119,00.html
So funktioniert die hoch gelobte freie Marktwirtschaft. Die Chinesen haben den Rohstoff und können es auch noch besser und günstiger. Wurde dies uns nicht als heilsbringende Wirtschaftstheorie verkauft?
mazu 24.01.2012
2.
Zitat von sysopDer größte deutsche Solarzellen-Hersteller Q-Cells steckt in schweren Nöten. Das Unternehmen kann mehrere 100 Millionen Euro Schulden voraussichtlich nicht zurückzahlen. Der Aktienkurs rauscht um rund 20 Prozent in die Tiefe. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,811119,00.html
Gnaz einfach: Firmensitz nach Griechenland verlegen, keine Steuern mehr zahlen, EU-Subventionen abgreifen, und alles ist gut.
marypastor 24.01.2012
3. Den Laden
Zitat von sysopDer größte deutsche Solarzellen-Hersteller Q-Cells steckt in schweren Nöten. Das Unternehmen kann mehrere 100 Millionen Euro Schulden voraussichtlich nicht zurückzahlen. Der Aktienkurs rauscht um rund 20 Prozent in die Tiefe. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,811119,00.html
an die Chinesen verkaufen.
flower power 24.01.2012
4. Die brauchen
Zitat von marypastoran die Chinesen verkaufen.
den nicht. Haben selbst große Photovotalik-Hersteller. Die dazu noch grösser, besser ( lt. unserem Gemeinde-Architekt ) und günstiger sind. Wir kaufen preiswert und billig, das ist dann die Folge. Alle Dächer auf unserer Gemeinde sind mit chin. Modulen ausgerüstet ( da der große Händler es so mit seinen pers. Verbindungen wollte). Deutsche Module waren nicht zugelassen, da sie angebl. nicht so effektiv wären. Das Land bekommt den Ruin den es sich erträumte.
makuzei 24.01.2012
5.
Zitat von marypastoran die Chinesen verkaufen.
eeg-gesetz und die energiewende sind hier schon seit vielen jahren als- in der wirkung-verbrecherisch benannt worden-
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