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Neuer Baustoff für Hochhäuser: Hoch hinaus mit Holz

Foto: Gero Breloer/ picture-alliance/ dpa

Hochhäuser aus Holz Besser als Stahl

Mit Holz baut man Schränke und Schuppen - aber mehrstöckige Gebäude? Tatsächlich gibt es erste Holz-Hochhäuser. Experten halten den Rohstoff aus dem Wald für mindestens so gut wie Stahl.

Was macht Städte aus dem Mittelalter bis heute lebendig? Was gibt ihren Häusern ein Gesicht, das über Jahrhunderte seine Schönheit bewahrt hat? "Es ist das Holz", sagt Manfred Hegger.

Hegger ist Professor für Architektur an der TU Darmstadt. Er spricht fast liebevoll über den Rohstoff aus dem Wald. Schon vor Jahren baute er Wohnhäuser und Industriehallen aus Holz. In der Baubranche gilt er bis heute als Exot, genau wie sein Kollege Hermann Kaufmann von der TU München. "Die Moderne", sagt Kaufmann, "hat diesen Baustoff vergessen". Doch in letzter Zeit erlebt das Material eine Renaissance, und Kaufmann hat entscheidenden Anteil daran. Im österreichischen Dornbirn hat er gezeigt, dass Holz nicht nur für Bauernhäuser taugt, sondern auch in der Höhe hält: Acht Stockwerke misst sein "LifeCycle Tower", ein energieeffizientes Holzhochhaus in Systembauweise. Es ist das höchste im deutschsprachigen Raum - eine Art Plattenbau aus Holz. Wie bei einem Baukasten werden die Module aufeinander gesteckt. "Wenn man das Holz intelligent einsetzt", so Manfred Hegger, "kann es ähnlich viel leisten wie Stahlbeton".

"Stützen aus Holz halten einem Brand länger stand als Stahl"

In Deutschland werden schon 16 Prozent der Neubauten aus Holz gefertigt, doch dies bezieht sich auf Ein- oder Zweifamilienhäuser. An Hochhäuser haben sich die Architekten lange nicht gewagt. Grund war der Brandschutz, der Genehmigungen für Holzhäuser meist auf fünf Stockwerke begrenzte. "Beim Bauen aus Holz denken viele an die Stadtbrände im Mittelalter und die Brandbomben im Krieg", sagt Tom Kaden. Der Berliner Architekt gilt als Pionier in der Holzbauszene: Bereits 2008 baute er ein siebenstöckiges Wohnhaus im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg. Fürsprecher seines Konzepts, so Kaden, sei ausgerechnet die Feuerwehr gewesen. "Die wissen, dass Stützen aus Holz einem Brand länger standhalten als Stahl." Holz ist zwar schneller entzündlich, aber die Abbrennrate ist besser berechenbar: Selbst verkohlte Balken können noch einiges halten, wenn Stahl schon längst geschmolzen wäre.

Dennoch haben weder Kaden noch Kaufmann ganz auf Beton verzichtet. Beide Häuser haben Holz-Beton-Verbunddecken, beim österreichischen LifeCycle Tower ist auch der "Erschließungskern", also Treppenhaus und Fahrstuhlschacht, aus Beton. Dass es auch im Kern aus Holz geht, zeigt der Timber Tower in London, der als weltweit höchstes Wohngebäude aus Holz gilt. Lediglich das Erdgeschoss des neunstöckigen Plattenbaus ist aus Beton. Ein weiteres Highlight im mehrstöckigen Holzbau ist vor wenigen Monaten in Mailand fertig geworden: Dort stehen vier Neungeschosser komplett aus Brettsperrholz. Die 124 Wohnungen in Mailand sind ein Projekt des sozialen Wohnungsbaus und Familien mit wenig Geld vorbehalten.

30 Stockwerke sind in Planung

Noch, sagt Architekt Kaufmann, sei Holzbau teurer als Beton - "auf den ersten Blick". Beziehe man die Energiebilanz ein, ändere sich das Bild aber deutlich: Die Treibhausgas-Bilanz eines fertigen Holzgebäudes liegt bei etwa ein Zehntel im Vergleich zu seinem Bruder aus Beton. Holz ist zudem leicht, aber fest, es isoliert Wärme und ist größtenteils recyclebar.

Europäische und amerikanische Architekten haben bereits 20- und 30-Geschosser aus Holz geplant. Holz, sagt Architekt Hegger, sei längst kein Trend mehr - "es ist eine Bewegung".