Illegal geschlagenes Holz Holzverarbeiter verliert FSC-Siegel

Das FSC-Siegel steht für nachhaltig erzeugtes Holz. Immer wieder aber gibt es Zweifel. Jetzt verliert ein österreichischer Holzverarbeiter sein Label.

Gerodeter Hügel in Rumänien
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Gerodeter Hügel in Rumänien


Dem österreichischen Unternehmen Holzindustrie Schweighofer ist das FSC-Zertifikat entzogen worden. Schweighofer, mit 650 Millionen Euro Umsatz einer der größten Holzverarbeiter Europas, darf ab sofort nicht mehr behaupten, sein Holz entspreche den nachhaltigen "controlled wood"-Richtlinien des Forest Stewardship Council (FSC). Der Entzug des renommierten Siegels, ein ebenso drastischer wie seltener Schritt, kommt nicht völlig unerwartet.

Umweltschützer wie der WWF und die amerikanische EIA verdächtigen den hauptsächlich in Rumänien operierenden Konzern schon länger, der Motor des dortigen, oft illegalen Kahlschlags zu sein. 400.000 Hektar, rund sechs Prozent der Waldfläche des Landes, sind laut rumänischem Rechnungshof seit der Wende ohne Genehmigung abgeholzt worden. Obwohl Beamte in Schweighofers rumänischen Sägewerken bereits offenbar illegales Holz entdeckt hatten, bekamen die Österreicher Anfang 2016 ein umfassendes FSC-Zertifikat. Gegen dieses Zertifikat, das die österreichische Prüffirma Quality Austria ausgestellt hatte, legte der WWF allerdings Beschwerde ein. "Dass sich ein Umweltsünder wie Schweighofer hinter scheinbaren Gefälligkeitsgutachten verstecken konnte, war unerträglich", so WWF-Forstexperte Johannes Zahnen.

Der Protest zeigte Wirkung: Nachdem die österreichische Prüffirma, die Fragen unbeantwortet ließ, kürzlich wegen Auditmängeln im Schweighofer-Fall von FSC-Prüfungen suspendiert wurde, blieb ihr nun offenbar nichts anderes übrig, als die Reißleine zu ziehen und Schweighofers FSC-Zertifikat auszusetzen. Wie prekär die Prüfungen der Österreicher allerdings liefen, verrät eine knappe Meldung des FSC: Der Auditing-Prozess, heißt es darin, war "ungenügend" und nicht geeignet, Verstöße von Schweighofer festzustellen.

Selbst ein Sprecher des Holzunternehmens räumt ein, die Kontrolleure hätten für das FSC-Audit nur vier Tage gebraucht. Das Unternehmen allerdings verfügt über diverse Standorte in Rumänien und Österreich.

Schweighofer sieht sich zu Unrecht am Pranger und beteuert, "alle erdenklichen Anstrengungen" zu unternehmen, um Kunden mit Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft zu beliefern. Wie glaubhaft dies ist, wird eine größere Untersuchung des FSC zu Schweighofers Holzbeschaffung zeigen, die im September abgeschlossen sein soll.



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Knossos 23.06.2016
1. Holz aus Primärwäldern
ist ähnlich wie Fisch aus den Weltmeeren, quasi Geld das auf der Straße liegt. Ohne vorausgegangene Saat kann man kostenlos Früchte der Wildnis einfahren. Und wenn kostenfrei abgeerntetes Gut mit Mondpreisen zu Gold gemacht werden kann, darf es wenig wundern, wenn Umsicht, Nachhaltigkeit und Skrupel kaum je mit an Bord sind. Bei dem, was bislang über Abholzung in Rumänien bekannt geworden ist (hallo Ikea!), dürfte auf der Hand liegen, was es mit Schweighofers Holzbeschaffung auf sich hat. Weniger sicher indessen, aller Erfahrung nach, was FSC oder offizielle Gremien feststellen wollen. Schließlich ist viel schnelles Geld im Spiel.
adamk 23.06.2016
2. Wachstum Wachstum Wachstum
Das Problem aller großen Siegel: Sie sind selbst dem unbedingten Wachstumsdenken verfallen, dessen Auswirkungen sie eigentlich bekämpfen wollen. Narzissmus? Es wird künstlich ein Markt erzeugt, der aber noch gar nicht bedient werden kann. Das selbe bei Bio und Fair Trade. Nachhaltige Entwicklung funktioniert aber nur mit organischem Wachstum. Nicht mit Shareholder Value. Um das Ziel zu erreichen, werden die internationalen Multis umworben, die die ihre Lieferanten mit den üblichen Verträgen knebeln. Tja, nur es gibt gar nicht genug entsprechende Rohware. Und ups waren nicht die eigentlich für die Misstände verantwortlich. Was man den vielen ehrlichen Unternehmen aber zugute halten muss, ist dass alle Lizenzierungsprogramme momentan sehr unter Druck der Basis stehen. KMUs in der Produktionskette und dem Handel werden vor kaum lösbare bürokratische Aufgaben gestellt ... und dort wo es darauf ankommt: im Wald auf der Plantage, wird nicht kontrolliert, bzw. die Standards gesenkt. mfg fsc-zertifiziert und sehr zufrieden mit dieser eskalation.
thomhein 23.06.2016
3. Illegal im Wassertal
Wir konnten in Viseo de Sus, im Norden Rumäniens, wo die berühmte Wassertalbahn fährt, beobachten, dass dort aus dem Naturschutzgebiet täglich 40 Wagons Bäume illegal abtransportiert wurden. Dabei fiel auch der Name dieser Firma aus Österreich. Die Vorgänge waren natürlich zertifiziert, was mit etwas Geld in Rumänien kein Problem darstellt. Westliche Firmen verlassen sich nur zu gerne auf solche Zertifikate, die sie mit weißer Weste dastehen lassen.
thomhein 23.06.2016
4.
Die Firma Schweighofer soll sich einen Großteil der Abholzungsrechte in Rumänien gesichert haben. Andere westliche Firmen den Rest. Daraus resultiert, dass es für rumänische Firmen immer schwieriger wird, einheimisches Holz zu vernünftigen Preisen zu kaufen.
sehralteshaus 23.06.2016
5. Prüfen - Fehler entdecken - Sanktionieren = gutes Zertifizierungsystem
Denn die Welt besteht eben nicht aus Gutmenschen, sonder fehlbaren Menschen, auch manchmal sogar mit kriminellen Absichten. Wichtig ist doch nicht, ob alles fehlbare ausgeschlossen wird, sondern dass Verbesserung angestoßen, Fehler sanktioniert und damit Verbraucher einen Mittel haben, um den Spreu vom Weizen zu trennen. Gut gemacht FSC. Schlecht gemacht, weil kein Einsehen, keine Veränderung/Korrekturen Schweighofer.
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