SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

11. September 2019, 14:23 Uhr

Chinesische Expansion

Hongkonger Börse bietet 35 Milliarden Euro für Londoner LSE

Die Finanzplätze London und Hongkong könnten enger zusammenrücken: Die Börse in der chinesischen Sonderverwaltungszone will mit der LSE fusionieren. 2017 war bereits die Frankfurter Börse mit einer Übernahme gescheitert.

Die Börse in Hongkong ist an dem Londoner Börsenbetreiber LSE interessiert. Die Hong Kong Exchanges and Clearing (HKEX) machte der LSE ein Übernahmeangebot im Gesamtvolumen von 31,6 Milliarden Pfund (umgerechnet rund 35 Milliarden Euro).

Eine Transaktion stehe allerdings unter der Bedingung, dass die Anfang August angekündigte Übernahme des Datendienstleisters Refinitiv durch die LSE nicht zustande komme, teilte HKEX mit. Der Deal zwischen den bisherigen Refinitiv-Eignern Blackstone und Thomson Reuters sowie der LSE wird derzeit von den Kartellbehörden und Finanzaufsehern in den USA, der Europäischen Union und anderen Ländern geprüft. Die LSE teilte mit, an ihren Refinitiv-Plänen festzuhalten und dabei gut voranzukommen.

Ein Zusammenschluss von HKEX und LSE würde einen weltweiten Marktführer unter den Börsenbetreibern schaffen, teilte der Konzern aus Hongkong mit. Die Transaktion verspreche zudem hohe Synergien. So strebt HKEX eine Integration seiner Handelsplattformen in das Londoner System an. Eine Transaktion wäre dabei im Interesse aller Anteilseigner.

Bekenntnis zu beiden Börsenplätzen

HKEX bekannte sich dabei langfristig zu beiden Börsenplätzen Hongkong und London und plant eine Zweitnotierung ihrer Aktien in der britischen Hauptstadt.

Die LSE wolle die Pläne prüfen, hieß es in einer Stellungnahme. Den Schritt der Börse Hongkong nannte der Börsenbetreiber "unverlangt und vorläufig". Anlegern griffen nach Bekanntwerden der Pläne bei den Aktien zu: Die LSE-Papiere schossen um bis zu 16,4 Prozent in die Höhe.

Der Hongkonger Börsenbetreiber prüft dabei eigenen Angaben zufolge bereits seit Monaten eine mögliche Übernahme. HKEX hatte 2012 bereits die Londoner Metallbörse für 1,4 Milliarden Pfund übernommen. Auch die LSE war bereits in das Fusionsvorhaben verstrickt: Eine Fusion mit der Deutschen Börse scheiterte 2017.

Ronald Wan, Chef des Investmentberater Partners Capital International in Hongkong, sieht in dem Deal hohe Hürden - insbesondere politischer Natur. Hongkong sei eine Sonderverwaltungszone Chinas. Eine Übernahme der LSE durch HKEX könnte auch als Übernahme durch China gesehen werden. Eine Transaktion sei politisch "super sensibel".

Die britische Wirtschaftsministerin Andrea Leadsom sagte dem Sender Bloomberg TV, die Regierung werde jedweden Zusammenschluss zwischen den Börsen genau untersuchen. Vor allem würde man sehr genau auf alles schauen, was sicherheitsrelevante Auswirkungen auf Großbritannien haben könnte.

brt/dpa/Reuters

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung