Zoff mit Parteifreund Grünen-Politikerin Scheel verliert Posten bei Ökostromanbieter

Vor drei Monaten heuerte Christine Scheel beim Stromkonzern HSE an, nun verliert die Ex-Bundestagsabgeordnete ihren Vorstandsposten schon wieder. Hintergrund ist ein Streit mit dem Darmstädter Bürgermeister - der wie Scheel Mitglied der Grünen ist.
Scheel: Zoff mit dem Darmstädter Oberbürgermeister

Scheel: Zoff mit dem Darmstädter Oberbürgermeister

Foto: Frank Leonhardt/ picture-alliance/ dpa

Darmstadt - Die frühere Bundestagsabgeordnete der Grünen, Christine Scheel, ist beim Öko-Energie-Versorger HSE gescheitert. Schon nach drei Monaten soll die 55-Jährige ihr Amt als Vorstandsmitglied wieder abgeben. Der Aufsichtsrat des Hauptanteilseigners HEAG habe beschlossen, Scheel und ihrem Vorstandskollegen Holger Mayer (46) das Vertrauen zu entziehen, teilte Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch am Freitag mit. "Ziel ist die schnellstmögliche Trennung."

Scheel war 25 Jahre für die Grünen in der Landes- und Bundespolitik aktiv. Mitte Januar wurde die Finanzexpertin von der Fraktion in Berlin verabschiedet. Seit ihrem Eintritt in den dreiköpfigen Vorstand tobte bei den Grünen in Darmstadt ein erbitterter Streit um die Ausrichtung der HSE. Parteifreund Partsch warf Scheel eine "massive Kampagne" vor.

Auslöser des Streits zwischen Vorstand und Kontrollgremium war die strategische Ausrichtung des Unternehmens. Scheel hatte sich gegen den möglichen Rückkauf der Stadt von 40 Prozent der Unternehmensanteile, gewehrt. "Ein Rückkauf der Anteile durch die Stadt würde das Unternehmen entscheidend schwächen", sagte Scheel damals dem SPIEGEL. Stattdessen wollte sie einen finanzstarken Investor anlocken. Im Gespräch war Deutschlands drittgrößter Stromversorger EnBW.

Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE wollte sich Christine Scheel nicht zu den Vorwürfen von Partsch äußern. Ein Sprecher teilte lediglich mit, der Vorstand bedauere die Entscheidung. "Die Vorstandsmitglieder haben immer im Sinne des Unternehmens gehandelt."

Die Trennung hat offenbar vor allem persönliche Gründe. Obwohl Partsch und Scheel in der gleichen Partei sind, versuchte der Bürgermeister ihre Berufung in den Vorstand zu verhindern. Er warnte sogar öffentlich, die Berufung einer Grünen durch einen Grünen rieche zu sehr nach Vetternwirtschaft. Das zumindest kann nach dieser unrühmlichen Trennung niemand mehr behaupten.

cte/dpa