HSH-Verfahren wird neu aufgerollt Skandalbanker Nonnenmacher muss erneut vor Gericht

Er war eines der Gesichter der großen Finanzkrise in Deutschland: HSH-Nordbank-Chef Dirk Jens Nonnenmacher. Nun muss er erneut vor Gericht - allein die Klageschrift ist 600 Seiten dick.

Ex-HSH-Nordbank-Chef Jens Dirk Nonnenmacher (2013)
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Ex-HSH-Nordbank-Chef Jens Dirk Nonnenmacher (2013)


Frühere Vorstände der HSH Nordbank um Ex-Chef Dirk Jens Nonnenmacher kommen erneut vor Gericht. Vom 16. August an sollen sie sich in einem Strafprozess abermals für ihr Handeln bei der früheren Landesbank für Hamburg und Schleswig-Holstein verantworten.

Sie werden erneut wegen Untreue und in zwei Fällen auch Bilanzfälschung angeklagt, wie ein Sprecher des Hamburger Landgerichts am Dienstag sagte. Bis zum 7. August 2020 seien 42 Verhandlungstage angesetzt und auch danach noch Verhandlungen möglich. Das "Hamburger Abendblatt" hatte darüber berichtet.

Der Bundesgerichtshof in Leipzig hatte 2016 das Hamburger Urteil aus dem Jahr 2014 aufgehoben, in dem die Vorstandsriege um ihren Chef Nonnenmacher zunächst freigesprochen worden war. In dem Urteil sei nicht ausreichend der Frage nachgegangen worden, ob die Vorstände ihren Pflichten ausreichend nachgekommen seien und die Risiken richtig abgewogen hätten, hieß es.

Die Staatsanwaltschaft war mit ihren Revisionen gegen die Freisprüche erfolgreich. Sie hatte für die Angeklagten Bewährungsstrafen und Geldauflagen verlangt. Nun muss das Hamburger Landgericht das Verfahren komplett neu aufrollen. Allein die Klageschrift ist 600 Seiten lang.

Der erste Prozess gegen die sechs früheren Vorstände hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt, weil erstmals ein gesamter Bankvorstand vor Gericht stand. Dieser hatte 2007 einem Paket mit riskanten Kreditausfallgeschäften ("Omega 55") zugestimmt.

Damit sollte die Eigenkapitalquote verbessert und die Bilanz besser dargestellt werden, als sie faktisch war. Doch das Geschäft brachte einen dreistelligen Millionenschaden. Die Hamburger Richter hatten ihren Freispruch einst damit begründet, dass die Fehlentscheidungen der Angeklagten nicht die "Grauzone in Richtung Strafbarkeit" überschritten hätten.

Im Video: HSH Skandal - Ja zu Dr. No! (SPIEGEL TV vom 31.10.2010)

SPIEGEL TV

beb/dpa



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