Mehr als 70 Prozent Huawei entlässt Hunderte Mitarbeiter bei US-Forschungstochter

Die USA führen Huawei wegen Sicherheitsbedenken auf einer schwarzen Liste. Für die Forschungseinrichtung des chinesischen Technologiekonzerns in Kalifornien hat das drastische Folgen.

Futurewei Technologies im kalifornischen Santa Clara
REUTERS/Lanhee Lee

Futurewei Technologies im kalifornischen Santa Clara


Auf dem G20-Gipfel in Osaka schien eine gütliche Lösung im Streit über den unter Spionageverdacht stehenden Telekomkonzern Huawei greifbar. US-Präsident Donald Trump kündigte an, Lieferungen von US-Unternehmen an die chinesische Firma wieder zulassen zu wollen. Doch für die US-Forschungstochter von Huawei, Futurewei Technologies, spitzt sich der Konflikt nun dennoch schmerzlich zu.

Futurewei Technologies entlässt mehr als 70 Prozent ihrer Mitarbeiter. Mehr als 600 der 850 Beschäftigten müssen gehen, bestätigte das Unternehmen in Santa Clara. Der Stellenabbau sei "aufgrund der Einschränkung des Geschäftsbetriebs" durch die Maßnahmen der US-Regierung notwendig.

Die USA hatten Huawei vor etwa zwei Monaten auf eine schwarze Liste gesetzt. Damit wurde es für die US-Tochter illegal, gewisse Technologien an den Mutterkonzern weiterzuleiten. Zudem darf Huawei mehrere Produkte nicht mehr von amerikanischen Technologiefirmen kaufen. Die USA befürchten, dass der Telekomausrüster Spionage ermöglicht. Auch in Deutschland gibt es Bedenken wegen einer möglichen Beteiligung des Konzerns am Aufbau der kritischen 5G-Netz-Infrastruktur. Huawei weist die Spionagevorwürfe zurück.

Trump sieht sich von US-Tech-Konzernen bestätigt

Und auch was die in Aussicht gestellte Wiederaufnahme der Geschäfte von US-Unternehmen mit Huawei anbelangt, ist offenbar noch nicht alles entschieden. Er werde darüber rechtzeitig befinden, sagte Trump am bei einem Treffen mit den Chefs großer US-Technologiekonzerne wie Cisco, Intel und Alphabet am Montag. Die Manager der US-Konzerne hätten ihre "starke Unterstützung" für nationale Sicherheitsbeschränkungen bekundet, teilte das Weiße Haus mit.

Das Unternehmen rechnet wegen der US-Sanktionen mit einem kräftigen Geschäftsrückgang. Der Umsatz wird nach Angaben von Firmenchef Ren Zhengfei über die nächsten zwei Jahre 30 Milliarden Dollar unter den Vorhersagen liegen. Laut Huawei sind durch die Blockade des weltweit führenden Telekomausrüsters auch Tausende Jobs bei US-Firmen bedroht.

Die Arbeit bei Futurewei ist bereits faktisch zum Stillstand gekommen, wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen Mitarbeiter berichtet. Das Unternehmen unterhält auch Büros in den Ballungsgebieten um Seattle, Chicago und Dallas. Es sollte ursprünglich eng mit amerikanischen Universitäten und Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten. Dem US-Patentamt zufolge hat Futurewei mehr als 2100 Patente eingereicht.

Huawei wehrt sich auch rechtlich gegen die US-Verbote. Das Unternehmen klagt unter anderem gegen das US-Handelsministerium wegen Telekomausrüstung, die das Unternehmen wieder aus Kalifornien in die Volksrepublik zurückbringen wollte. Laut Huawei wurde die Ladung von der US-Regierung in Alaska beschlagnahmt.

apr/Reuters



insgesamt 34 Beiträge
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biesi61 23.07.2019
1. Es ist einfach nur dumm von der Trump-USA,
aus der Kooperation mit dem weltweiten Technologieführer für Übertragungstechnik für Telekommunikation und Elektroenergie auszusteigen. Die vorgeschobenen Spionage-Unterstellungen wirken angesichts der absolut hemmungslosen Spionage der USA gegen jedermann, selbst gegen engste Partner, reichlich lächerlich. Letztlich wird man damit den Technologiestandort USA massiv schädigen!
micspiegelforum 23.07.2019
2. Immer und immer ...
wieder nicht müder werdend wird: "Die USA befürchten, dass der Telekomausrüster Spionage ermöglicht. Auch in Deutschland gibt es Bedenken wegen einer möglichen Beteiligung des Konzerns am Aufbau der kritischen 5G-Netz-Infrastruktur." geschrieben und begackert. Wie wäre es mal mit Journalistischer Arbeit vielleicht ein wenig investigativ? Damit wir mal rauskriegen ob die 'Befürchtungen' und 'Bedenken' denn berechtigt sind oder eher pathologischer Natur sind oder muss da wieder Rezo ran? Ich will es ja nur wissen.
ernstmoritzarndt 23.07.2019
3. Altbekanntes Muster:
Schon Max Eyth (ein Ingenieur-Schriftsteller des vorletzten Jahrhunderts) hat diese Dinge erlebt und davon berichtet bei dem Handel der aus Groß-Britannien stammenden Fowlerschen Dampflokomobile und - Pflüge (besser bekannt unter dem Namen "Zwillinge"). Damals wurde auch ein Importverbot in den USA erlassen und die Maschinen standen monate- und jahrelang im Hafen in St. Louis herum. Es handelte sich um angeblich gefährliche Ware, die nicht in die USA transportiert werden durfte. Letztlich wurde irgendein Bakschisch an ein paar Senatoren bezahlt und es ging alles klar mit dem Import in die USA. An wen muß heute dort Bakschisch gezahlt werden?
lustigerseth 23.07.2019
4. Nicht nur chinesische Unternehmen
werden es sich zweimal überlegen ob sie in den USA Forschungseinrichtungen betreiben. Angesichts des hohen Risikos von Interventionen des US Präsidenten scheinen andere Standorte zb in Indien oder China vielversprechender. Ich denke dass Trump hier nachhaltigen Schaden für die USA anrichtet.
olivervöl 23.07.2019
5. Verschiebung
Zugleich wird von Huawei ein neues, großes Forschungszentrum in Italien eröffnet. Und die Umsätze von Huawei sind keineswegs so zurückgegangen wie erwartet. Eine Krise sieht anders aus.
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