Mobilität der Zukunft Wenn die Autos fliegen lernen

Fahrräder mit Solarantrieb. Züge, die fast so schnell sind wie der Schall. Autos, die fliegen. Vier Ideen, wie wir in Zukunft schneller an unser Ziel kommen.
Mit dem privaten Fluggerät zur Arbeit pendeln? Noch ist das eine Vision

Mit dem privaten Fluggerät zur Arbeit pendeln? Noch ist das eine Vision

Foto: Gareth Padfield, Flight Stabilit

Stau, Smog und Lärm - das ist Alltag in der Großstadt. Verkehrsforscher und Ingenieure denken darüber nach, wie sich das ändern lässt und wie wir uns in Zukunft fortbewegen werden. Manche Ideen sind einfacher umzusetzen, andere kosten Milliarden. Alle verfolgen sie einen Zweck: die Menschen zügig von A nach B zu bringen.

Auto mit Flügeln

Fliegende Autos - das klingt nach Science-Fiction. Tatsächlich aber verfolgen Ingenieure diese Idee mit großer Ernsthaftigkeit. Die EU-Kommission hat fast 3,5 Millionen Euro in das Projekt MyCopter gesteckt, das "personal aerial vehicle" (PAV), also private Luftfahrzeuge, erforscht. Das Fernziel: Kleine Hubschrauber, mit denen Menschen zur Arbeit pendeln und Stau einfach überfliegen können. Die Senkrechtstarter könnten in Städten selbst auf kurzen Distanzen zum Einsatz kommen.

"Das Hubschrauberfliegen mit der heutigen komplexen Steuerung erfordert nach wie vor viel Training", sagt Professor Stefan Levedag, Leiter des Instituts für Flugsystemtechnik am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Das DLR hat deshalb im Rahmen des MyCopter-Projekts eine intuitive Hubschrauber-Steuerung entwickelt, die der eines Pkw ähnelt. Damit lässt sich ein Hubschrauber künftig per Lenkrad steuern; ein einziger Hebel reguliert die Flughöhe. Bisher wurde diese Steuerung nur in einem Flugsimulator ausprobiert. Nun soll sie in einen Forschungshubschrauber eingebaut werden. Noch liegt das Pendeln in einem PAV aber in weiter Ferne, zu viele rechtliche und technische Fragen sind noch ungeklärt.


Elektro-Tankstelle unter der Straße

Über Spulen im Boden lassen sich Elektrofahrzeuge kabellos aufladen. Das soll künftig auch während der Fahrt funktionieren.

Über Spulen im Boden lassen sich Elektrofahrzeuge kabellos aufladen. Das soll künftig auch während der Fahrt funktionieren.

Foto: Siemens

Elektrobusse könnten die CO2- und Feinstaub-Emissionen in Städten künftig senken. Das Problem: Leistungsfähige Batterien für E-Fahrzeuge sind noch teuer und schwer. Selbst die stärksten Akkus reichen nicht für Linienbusse aus, die den ganzen Tag unterwegs sind. Der spanische Energieversorger Endesa und Wissenschaftler der Universität Málaga bauen in der andalusischen Stadt an einer Versuchsstrecke, die Stadtbusse während der Fahrt aufladen soll.

Kabelloses Laden mittels Spulen im Boden und im Fahrzeug wird seit Jahren erforscht. Bisherige Modelle funktionieren jedoch nur stationär, also etwa auf Parkplätzen. Auf der Buslinie 16 in Málaga soll der Bus nun nicht nur an den Endstationen, sondern auch unterwegs geladen werden - mittels einer 100 Meter langen Ladestrecke unter der Straße. Die Forscher wollen so die Wirtschaftlichkeit der Elektrobusse erhöhen, da sie am Tag länger im Einsatz sein können. Endesa zufolge steht das Projekt kurz vor der Fertigstellung. Es ist nicht das einzige Vorhaben dieser Art: Auch das von der EU-Kommission geförderte Projekt Unplugged forscht am kabellosen Laden während der Fahrt.


Fahrrad mit Sonnenantrieb

Radeln mit der Kraft der Sonne: der Prototyp des Solarfahrrads aus Dänemark.

Radeln mit der Kraft der Sonne: der Prototyp des Solarfahrrads aus Dänemark.

Foto: SolarBike

Wie lässt sich der Autoverkehr in den Städten reduzieren? Verkehrsforscher setzen auf Elektro-Räder und gut ausgebaute Fahrradspuren, die Pendler zum Umsteigen aufs Rad bewegen könnten. Aus Dänemark kommt nun eine interessante Neuheit: Der Ingenieur Jesper Frausig hat ein Solarfahrrad entwickelt. In dessen Radverkleidung sind Solarzellen eingelassen, die den Akku bei Sonnenlicht wieder aufladen. Frausig schreibt, sein Elektro-Fahrrad beschleunige auf bis zu 50 km/h.

Das Laden dauert allerdings noch recht lange. Bei voller Sonneneinstrahlung wird der Akku dem Entwickler zufolge an einem Tag maximal zu einem Drittel aufgeladen. Ein voller Akku reiche für ungefähr 70 Kilometer. Auf Nachfrage erklärt Frausig, ein Hersteller habe bereits Interesse bekundet und wolle die Technologie nun weiterentwickeln. Bis zu einer möglichen Markteinführung müsste die Effizienz der Solarzellen noch deutlich erhöht werden.


Hochgeschwindigkeitsröhre Hyperloop

So stellt sich Milliardär Elon Musk den Hochgeschwindigkeitszug Hyperloop vor.

So stellt sich Milliardär Elon Musk den Hochgeschwindigkeitszug Hyperloop vor.

Foto: HANDOUT / REUTERS

Als Tesla-Gründer Elon Musk vor knapp zwei Jahren seinen bis zu 1200 km/h schnellen Zug Hyperloop vorstellte, sprach er von einem "Entwurf". Die Fahrzeit zwischen Los Angeles und San Francisco solle sich so auf 35 Minuten reduzieren; Flugzeuge benötigen bisher eine Stunde und zwanzig Minuten für die Strecke. Das Vorhaben klingt utopisch, mittlerweile haben aber Ingenieure Musks Idee weiterentwickelt - und wollen den Hochgeschwindigkeits-Röhrenzug Realität werden lassen. Auf welcher Strecke, ist noch nicht entschieden. Vorangetrieben wird das Projekt von der Firma Hyperloop Transportation Technologies.

In Musks Entwurf gleiten die Hyperloop-Kapseln wie Luftkissenboote durch Röhren, in denen Unterdruck herrscht. Das soll den Luftwiderstand verringern und Geschwindigkeiten über 1000 km/h ermöglichen. Die Forscher denken aber auch über Magnete nach, die den Zug zum Schweben bringen. Eine erste, acht Kilometer lange Teststrecke soll dem Fernsehsender CNBC zufolge bis zum Jahr 2019 entlang einer Fernstraße in Kalifornien entstehen. "Wir haben bereits erste Machbarkeitsstudien erstellt, jetzt sind wir in der Lage, alle Aspekte des Hyperloops zu testen", zitierte der Sender kürzlich Dirk Ahlborn, den Finanzier hinter der Hyperloop-Firma.