Hypo-Alpe-Adria-Debakel Österreich und Gläubiger einigen sich im Milliardenstreit

Der jahrelange Streit um die Skandalbank Hypo Alpe Adria könnte im Herbst zu Ende sein. Österreich hat sich mit wichtigen Gläubigern geeinigt - sie könnten 90 Prozent ihrer Investitionen erhalten.

Logo der Hypo Alpe Adria
REUTERS

Logo der Hypo Alpe Adria


Im Milliardenstreit um die Abwicklung der Pleitebank Hypo Alpe Adria gibt es eine Grundsatzeinigung zwischen Österreich und deutschen Finanzinstituten. Beide Seiten haben sich nach Angaben von Österreichs Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) auf einen außergerichtlichen Vergleich verständigt.

"Es ist eine gute Lösung und ein endgültiger Schlussstrich unter die Affäre Hypo", sagte Schelling. Deutsche Banken und Versicherungen, die nach der Pleite der Bank und einem Schuldenschnitt um rund sieben Milliarden Euro gebangt hatten, können nun mit einer Rückzahlung von 90 Prozent ihrer Investitionen rechnen.

Zu dem nachgebesserten Angebot steuert das Bundesland Kärnten 1,2 Milliarden Euro bei, das für Anleihen der inzwischen in eine Bad Bank namens Heta umgewandelten Pleitebank über elf Milliarden Euro garantiert hatte. Der Rest wird eigenen Angaben zufolge von der Bundesregierung in Wien abgedeckt.

Offiziell soll das Angebot nach aktuellem Zeitplan im September vorgelegt werden. Damit es umgesetzt werden kann, müssen noch die notwendigen gesetzlichen Grundlagen geschaffen werden und mehr als 66 Prozent der Gläubiger zustimmen. 72 Gläubiger mit Schuldentiteln im Wert von fast fünf Milliarden Euro haben die Absichtserklärung bereits unterzeichnet, teilte die Regierung mit. Mitte Oktober soll die Einigung dann abgewickelt werden.

Erstes Angebot abgelehnt

Von der Entscheidung sind auch viele deutsche Banken und Versicherungen betroffen, unter anderem die Commerzbank Chart zeigen, die HypoVereinsbank, die Allianz Chart zeigen, der Rückversicherer Munich Re Chart zeigenund die NordLB. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte die Banken dazu gezwungen, ihr Heta-Engagement um mindestens 50 Prozent abzuschreiben. Nun dürfen sie aber mit einer deutlich höheren Rückzahlungen rechnen.

Die Hypo Alpe Adria gehörte von 2007 bis 2009 zur BayernLB. Vor und in dieser Zeit hatte sie sich mit einem durch Bürgschaften des österreichischen Bundeslandes Kärnten abgesicherten Expansionskurs auf dem Balkan verspekuliert. Die Gläubiger forderten ihr Geld zurück, womit das Land selbst in die Pleite zu schlittern drohte. Ein erstes Rückkaufangebot des Landes in Höhe von 75 Prozent der Gelder hatten die Gläubiger im März abgelehnt.

Das jetzige zweite Rückkaufangebot sieht vor, dass der Kärntner Ausgleichszahlungs-Fonds (KAF) die Papiere für 75 Prozent des Nominalwerts erwirbt und eine vom Bund gesicherte unverzinste Anleihe mit 13,5 Jahren Laufzeit anbietet.

Von der nun erzielten Einigung ist die BayernLB nicht mehr betroffen. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen hatte Bayern im vergangenen November einen Vergleich über gut 1,2 Milliarden Euro mit den Österreichern geschlossen.

fdi/Reuters/dpa

insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
galbraith-leser 18.05.2016
1. Im Vergleich mit Griechenland
sind das Peanuts. Ob die FPÖ-Wähler in der Hochburg Kärnten allerdings erfreut darüber sind, dass aus ihren Steuermitteln 1,2 Mrd. Euro an vorrangig deutsche Gläubiger zu zahlen sind, darf bezweifelt werden.
hackevoll 18.05.2016
2. Alles kommt wieder
Zitat von galbraith-lesersind das Peanuts. Ob die FPÖ-Wähler in der Hochburg Kärnten allerdings erfreut darüber sind, dass aus ihren Steuermitteln 1,2 Mrd. Euro an vorrangig deutsche Gläubiger zu zahlen sind, darf bezweifelt werden.
Ja, die haben sich aber sehr darüber gefreut, als ihnen ihr inzwischen verschiedener Chef Haider damals 950 Millionen (!) an Wahlgeschenken verteilt hat, die das Land aus dem Verkauf der HHA gezogen hatte... ;-)
cherrypicker 18.05.2016
3. Unglaublich
Da werden den Bankstern mal wieder Milliarden in den Rachen geschmissen. Ohne Not! Denn wer sich verzockt, ist selber Schuld. Um so schlimmer, dass da auch Hedge Fonds bei den "Investoren" dabei sind, die die Heta-Forderungen weit unter Nennwert erworben haben. Die machen bei 90 Prozent Auszahlungsquote einen fetten Reibach. Löhnen darf dafür der österreichische Steuerzahler. Es ist eine Schande.
Mimi der graue Kater 18.05.2016
4. Im Vergleich zu Griechenland ....
sind es wirklich Peanuts. doch man darf dabei nicht übersehen, dass die Gläubigerstruktur eine komplett andere ist. Viele der Gläubiger sind Versicherungen die wegen der Kärntner Landeshaftungen dies zur Absicherung von Pensionsvorsorge investiert haben. Als Österreicher (und NICHT Kärntner) ist es natürlich unangenehm, dass Steuermittel in dieser Form verpulvert werden nur weil ein größenwahnsinniger Regionalpolitiker aus einer kleinen Provinzbank sozusagen über Nacht einen "Global-Player" machen wollte.
EMU 18.05.2016
5.
Zitat von cherrypickerDa werden den Bankstern mal wieder Milliarden in den Rachen geschmissen. Ohne Not! Denn wer sich verzockt, ist selber Schuld. Um so schlimmer, dass da auch Hedge Fonds bei den "Investoren" dabei sind, die die Heta-Forderungen weit unter Nennwert erworben haben. Die machen bei 90 Prozent Auszahlungsquote einen fetten Reibach. Löhnen darf dafür der österreichische Steuerzahler. Es ist eine Schande.
Sorry, aber wenn das "zocken" ist, dann ist ein Sparbuch auch Zockerei. Letztendlich sind diese Anleihen vergleichbar mit Anleihen der Landesbank Bayern oder Niedersachsen, also fast wie Bundesobligationen, nur eben von einer Landesbank anstelle der Bundesbank.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.