Hypotheken-Prozess USA erhöhen Druck auf Deutsche Bank

Die Deutsche Bank muss sich erneut gegen die USA verteidigen: Die US-Regierung hat eine Klage vom Mai gegen das Finanzinstitut erweitert. Der Prozess könnte die Bank bis zu eine Milliarde Dollar kosten.

Einer der beiden Deutsche-Bank-Türme in Frankfurt: US-Regierung fordert Geldstrafe
dapd

Einer der beiden Deutsche-Bank-Türme in Frankfurt: US-Regierung fordert Geldstrafe


New York/Frankfurt am Main - Die USA verschärfen im Streit mit der Deutschen Bank den Ton: Deutschlands größtes Geldhaus soll bereits 2006 - also noch vor der Übernahme der Immobilientochter MortgageIT - von deren windigen Hypothekengeschäften gewusst haben, erklärte die Regierung.

Daher müsse die Deutsche Bank auch finanziell haftbar gemacht werden. Das Justizministerium konkretisierte die milliardenschwere Zivilklage von Anfang Mai vor einem Bezirksgericht in Manhattan. Die Behörde spricht von Betrug und macht hohe Verluste geltend. Die Deutsche Bank wies die Vorwürfe zurück. Die nachgebesserte Klage sei nicht stichhaltig, hieß es.

Ein Urteil zugunsten der US-Regierung könnte die Deutsche Bank allerdings bis zu einer Milliarde Dollar Chart zeigenkosten. Denn die USA fordern Schadensersatz und zusätzlich eine Geldstrafe. Bislang hatte das Geldhaus argumentiert, viele der umstrittenen Fälle gingen auf die Zeit vor der MortgageIT-Übernahme zurück. Die Regierung habe nicht nachweisen können, dass die Deutsche Bank die Schwierigkeiten hätte absehen können. Die Regierung hält in der neuen Klage dagegen, die Bank habe die strittigen Fälle bereits bei der Prüfung der Bücher von MortgageIT gesehen. Außerdem habe das Geldhaus Zugang zu Schreiben gehabt, aus denen hervorgehe, dass der Immobilien-Finanzierer nicht allen Zahlungsausfällen frühzeitig nachgegangen sei.

Deutsche Bank soll von Problemen gewusst haben

Die Deutsche Bank Chart zeigen hatte MortgageIT 2007 kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise übernommen. Das Unternehmen war damals einer der größten Finanzierer von Hypotheken auf dem US-Häusermarkt. Die Regierung wirft dem Geldhaus und der einstigen Tochter vor, sich mit falschen Angaben zu faulen Krediten den Zugang zu einem Regierungsprogramm erschlichen zu haben, das für Hypotheken bürgte.

"Das unrechtmäßige Handeln ging nach der Übernahme von MorgageIT durch die Deutsche Bank im Januar 2007 nicht nur weiter, sondern wurde noch schlimmer", heißt es in der neuen Klageschrift.

Darin korrigierte die Regierung auch die Zahl der betroffenen Fälle nach oben: Von den mehr als 39.000 Hypotheken, die MortgageIT zwischen 1999 und 2009 für das staatliche Bürgschaftsprogramm einreichte, waren bis Juni diesen Jahres gut 12.900 ausgefallen. Den Angaben zufolge musste der amerikanische Staat bislang mit gut 386 Millionen Dollar für die Kreditausfälle geradestehen.

dis/Reuters



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
curti 23.08.2011
1. Immer und immer wieder ist.........
die Deutsche Bank in den negativen Schlagzeilen - weltweit! Bezeichnend ist dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund, daß sich gerade dieses Institut um seriöses Image bemüht, bis hin zur Kanzler- u. Regierungsnähe. Ein Vollblutbankster hat diesen Anstrich offensichtlich nötig.
floydpink 23.08.2011
2. Au Weia...
...die müssen wir bestimmt retten.
fin2010 23.08.2011
3. gierig und blind
Kaum glaubhaft, dass die Deutsche Bank bereits beim Kauf abgesehen hat, dass die Hypothekenkredite platzen werden. Sowas bindet man sich doch nicht freiwillig ans Bein! Nicht sehr schmeichelhaft, aber da waren wohl auch die Profis mal wieder blind vor Gier. Na und jetzt versuchen die Amis halt den eigenen Schaden zu begrenzen. Nichts anderes ist zu erwarten.
ronomi47 23.08.2011
4. Nenne "Bank" - und schon stürzt sich...
... die vereinigte Marxistenunion geifernd auf das vermeintlich Böse. Eine solche Naivität entwickeln nur Leute, die die Welt aus antiquierten Büchern und dem eigenen Küchentisch her kennen. Wer weiss denn schon, das das US-Anwaltsbusiness ein sehr erträglicher Industriezweig ist und einem Habicht gleich ständig beutesuchend über dem Geld kreist? Wer weiss, dass die Anwaltsgilde zu "Linken" zählt, also der Demokratischen Partei zuzuordnen ist. Obwohl "Links" hier nicht gleichbedeutend mit dem "europäischen Links" ist. In den USA ist man Links, wenn man für den Ausbau bürokratischer Institutionen ist und der gesetzlichen Regulierungswut frönt. Der Staat ist doch mit seiner exorbitanten Schuldenpolitik der letzten 10 Jahre an die Wand gefahren. Jetzt wird Geld reingeholt, was der Teufel hergibt...
Nährwert, 23.08.2011
5. Sinn?
Zitat von sysopDie Deutsche Bank muss sich erneut gegen die USA verteidigen: Die US-Regierung hat eine Klage vom Mai gegen das Finanzinstitut*erweitert. Der Prozess könnte die Bank bis zu eine Milliarde Dollar kosten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,781990,00.html
Zu behaupten, dass jemand eine Firma kauft von der er weiß oder auch nur den Verdacht hat, dass dort krumme Geschäfte getätigt werden ist doch krude. Den Amerikanern ist wohl nichts zu schade, um etwas Geld in die klamme Kasse zu bekommen. Der Reihe nach werden die Banken geschröpft -- denn diese sind ja sozusagen durch die Bank weg böse, kalt und menschenverachtend. Welche Verantwortung hat eigentlich diese staatliche Stelle, die offenbar ohne ausreichende Prüfungen hunderte von Millionen an Steuergeldern verballert --- hat da vielleicht auch jemand geschlafen? Oder vielleicht auch ein Auge zugedrückt, da es ja politisch gewollt war, dass viele wahlberechtigte Bürger teilhaben und sich ein Eigenheim leisten können?
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