München Tausende demonstrieren gegen Automesse IAA

Per Rad und zu Fuß haben in München Tausende für eine Mobilitätswende demonstriert – und gegen eine »autodominierte Verkehrspolitik«. CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet fehlt das Verständnis dafür.
Demonstranten in München: »Aus der erdrückenden Umarmung der Automobilindustrie befreien«

Demonstranten in München: »Aus der erdrückenden Umarmung der Automobilindustrie befreien«

Foto: TOBIAS SCHWARZ / AFP

Tausende Menschen haben in München gegen die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) demonstriert. Die Veranstalter gingen von 25.000 Teilnehmern bei einem Demonstrationszug und einer Fahrradsternfahrt aus, die sich am Samstagnachmittag auf der Theresienwiese trafen, wo normalerweise das Oktoberfest stattfindet. Den Veranstaltern zufolge beteiligten sich rund 5000 Personen an der Demonstration und 20.000 an der Sternfahrt. Für die Fahrrad-Sternfahrt nach München starteten unter anderem Gruppen in Frankfurt am Main, Regensburg, Augsburg und Rosenheim.

Ersten Informationen zufolge verliefen Demonstration und Sternfahrt weitgehend friedlich. Den Veranstaltern waren zunächst keine Vorkommnisse bekannt. Allerdings berichtete der Grünen-Landtagsabgeordnete Markus Büchler, der die Demonstration als »parlamentarischer Beobachter« begleitet hatte, von einer »Schlagstockszene«, die er beobachtet habe. Zudem bestätigte er Aussagen des Aktionsbündnisses »Sand im Getriebe«, dass aus der Demonstration heraus zwei Bäume besetzt worden seien.

Teilnehmer Fahrrad-Sternfahrt

Teilnehmer Fahrrad-Sternfahrt

Foto: Felix Kästle / dpa

Zur Sternfahrt und der Demonstration hatte ein Bündnis eingeladen, zu dem unter anderem der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC), Attac, der BUND, die Deutsche Umwelthilfe (DUH), Greenpeace und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) gehören. Sie fordern »eine klare Abkehr von der autodominierten Verkehrspolitik und Vorrang für den Fuß-, Rad- und Nahverkehr«. Die Demonstration sehen sie als Zeichen für eine Mobilitätswende.

Die Aktivistinnen und Demonstranten kritisieren IAA und Autokonzerne. Unter anderem werfen sie ihnen vor, die Messe sorge nur für einen grünen Anstrich, und es werde zu wenig für den Klimaschutz getan. Die Politik müsse sich »endlich aus der erdrückenden Umarmung der Automobilindustrie befreien, um einen klimafreundlichen Verkehr für alle zu ermöglichen«, verlangte das Bündnis. »Die Menschen wollen eine andere Verkehrspolitik, konsequenten Klimaschutz im Verkehr und gute Alternativen zum eigenen Auto.«

Laschet hat kein Verständnis für IAA-Proteste

Unionskanzlerkandidat Armin Laschet fehlt das Verständnis für die Proteste gegen die Automesse. »Das ist die grünste IAA, die es je gegeben hat«, sagte der CDU-Chef auf dem Parteitag der Schwesterpartei CSU in Nürnberg. Noch nie sei so viel von Klimaneutralität, Nachhaltigkeit und Umweltschutz die Rede gewesen. »Dass man dagegen noch demonstriert, Straßen blockiert und den Kampf gegen diese Industrie führt, zeigt: Manchen geht es nicht um Umweltschutz, sondern um Systemveränderung.«

Rund um die IAA kommt es seit Tagen zu Aktionen und Demonstrationen, mehrere Aktivisten waren in Gewahrsam genommen worden. Zum Messestart am Dienstag seilten sich Umweltaktivisten von Autobahnbrücken rund um München ab und legten den Verkehr rund um die Stadt für längere Zeit lahm. Am Freitag hatte es auch Zusammenstöße zwischen Polizei und Hunderten Aktivisten gegeben, bei denen die Beamten Schlagstöcke und Pfefferspray einsetzten.

sep/kig/dpa/AFP
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