Angebliche E-Auto-Offensive Baut Apple jetzt das iPhone auf Rädern?

Gerüchte über ein iCar gibt es seit Jahren. Nun will Apple laut einem Bericht 2024 ein autonomes E-Fahrzeug auf den Markt bringen. Die Autobranche beobachtet die Aktivitäten aufmerksam.
BMW mit Porträt des Apple-Gründers Steve Jobs in Tokio (2013): »Apples Recruiter fischen die Autobranche ab«

BMW mit Porträt des Apple-Gründers Steve Jobs in Tokio (2013): »Apples Recruiter fischen die Autobranche ab«

Foto: Toru Hanai/ REUTERS

Apple peilt angeblich für das Jahr 2024 die Einführung eines autonomen Passagierfahrzeugs an, das einen Durchbruch bei der Akku-Technik enthalten könnte. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf mehrere Insider.

Die 2014 begonnene Entwicklung eines eigenen Autos im Rahmen von »Project Titan« sei entsprechend weit fortgeschritten, sagten demnach zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Ein zentrales Element seien neu entwickelte Akkus, die deutlich niedrigere Kosten bei einer größeren Reichweite liefern könnten, sagte eine weitere Person.

Ob es sich bei dem angeblich geplanten Auto um ein Massenfahrzeug nach dem Vorbild Teslas oder eher um autonome Shuttles (»People Mover«) handeln soll, lässt der Bericht offen. Der US-Konzern lehnte eine Stellungnahme ab.

Apple stellt hochkarätige Autoexperten ein

Dass Apple frühere Pläne für ein eigenes Fahrzeug wieder aufgreift, wäre in der Branche keine Überraschung. Im Sommer berichtete der SPIEGEL in einem Report über die Zukunft der deutschen Autozulieferer bereits über Hinweise, wonach Apple sein iCar-Projekt wieder aufleben lassen könnte.

Die Kalifornier haben in den vergangenen zwei Jahren mehrere hochkarätige Autoexperten angeworben, darunter Michael Schwekutsch, einen Ingenieur aus Deutschland, der zuvor an Elektroantrieben für Tesla forschte. »Apples Recruiter fischen die Autobranche ab«, sagte der Topmanager eines US-Herstellers dem SPIEGEL. Noch sei aber nicht klar, was der Konzern genau vorhabe.

Apple hatte im Rahmen von »Project Titan« zunächst den Ansatz verfolgt, ein komplett eigenes Auto zu bauen. Zwischenzeitlich verlagerte der Konzern den Schwerpunkt auf Software. Im Jahr 2018 kehrte der ehemalige Apple-Mitarbeiter Doug Field von Tesla zum iPhone-Hersteller zurück und entließ ein Jahr später 190 Mitglieder des Titan-Teams. Zwischenzeitlich führte Apple auch Gespräche mit Magna International über die Fertigung eines Autos. Auch eine Stellungnahme von Magna lag zunächst nicht vor.

Reuters zufolge dürften Teile des Autos von Zulieferern kommen. Dazu gehörten die Lidar-Sensoren, mit denen das Auto sich ein Bild von der Umgebung mache. Unklar bleibe, wer für die Montage des Fahrzeugs zuständig sein werde. Aus informierten Kreisen verlautete der Nachrichtenagentur zufolge, dass Apple hier mit einem anderen Partner zusammenarbeiten könnte.

Ohnehin sei nicht ausgeschlossen, dass die Kalifornier sich am Ende mit einem autonomen Fahrsystem begnügen könnten, das in Autos eines traditionellen Herstellers eingebaut werden würde. Das ist auch das Szenario, das in der deutschen Autoindustrie als wahrscheinlich gilt. Zudem sagten zwei Insider, die Corona-Pandemie könnte zu einer Verzögerung der Pläne bis 2025 oder später führen.

sh/Reuters