Ifo-Berechnungen zu Wahlkampfforderung Vermögensteuer könnte Wachstum bremsen

Grüne, SPD und Linke fordern eine Vermögensteuer für Reiche und Firmen. Das Ifo-Institut hat – im Auftrag von Unternehmern – Berechnungen dazu verfasst und warnt vor negativen Folgen.
Passanten auf der Münchner Maximilianstraße (Archivbild)

Passanten auf der Münchner Maximilianstraße (Archivbild)

Foto: Frank Leonhardt/ picture alliance / dpa

Union und FDP sind klar dagegen, SPD, Grüne und Linke wollen sie: eine Extraabgabe für Vermögende und Unternehmen. Das Münchner Ifo-Institut hat nun Berechnungen erstellt, welche Folgen so eine Steuer haben könnte. Das Resultat der Ökonomen: Eine Vermögensteuer würde das Wachstum der deutschen Wirtschaft in den nächsten Jahren deutlich bremsen.

»Das Bruttoinlandsprodukt, so zeigt eine Simulationsrechnung, wäre nach acht Jahren mit Vermögensteuer um bis zu 6,2 Prozent niedriger als ohne Vermögensteuer«, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Berechnungen hat das Institut im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen erstellt.

Fuest sagte, die Steuer mindere Anreize, Investitionen zu tätigen und Kapital aufzubauen. »Weil die Steuer nur aufwendig zu erheben und teilweise zu umgehen sein wird, könnte das Aufkommen aus dieser Steuer weit hinter den Erwartungen zurückbleiben«, sagte der Ifo-Chef. »Falls aber Umgehungen nicht möglich sind, würden Investitionen, Wachstum und Beschäftigung in Deutschland Schaden nehmen, was den Zufluss aus anderen Steuerquellen senken könnte.«

Ähnlich argumentieren auch Unternehmer, die von der Steuer besonders stark betroffen wären. »Eine solche Steuer setzt einen Anreiz zum Kapitalabfluss ins Ausland«, sagte Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. »Dies würde gerade die Familienunternehmen mit ihrem oft hohen Eigenkapitalanteil in ihrer Solidität angreifen.«

DIW-Chef kritisiert Ifo-Berechnung

Widerspruch kommt vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). »Ich halte die Studie vom Ifo für unvollständig und damit die Schlussfolgerungen für falsch«, sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher der Nachrichtenagentur Reuters. Die entscheidende Frage sei, was der Staat mit den Steuereinnahmen mache. In den kommenden Jahren werde er viel Geld für Zukunftsinvestitionen in Klimaschutz, digitale Transformation, Bildung und Innovation benötigen. »Somit wird eine Vermögensteuer, die in solche Zukunftsinvestitionen fließt, viele gute neue Arbeitsplätze schaffen, das Wachstum erhöhen und langfristig den Wohlstand sichern«, sagte Fratzscher.

Tatsache sei zudem, dass kaum ein Land in der Welt Arbeit stärker und Vermögen geringer besteuere als Deutschland. »Das ist nicht nur ein Problem der Gerechtigkeit, sondern auch ein ökonomisches Problem, da Arbeit sich immer weniger lohnt«, sagte der DIW-Chef.

SPD, Grüne und Linke argumentieren, eine Vermögensteuer könne helfen, dem Staat mehr Einnahmen zu bescheren und eine bessere Umverteilung zwischen Reich und Arm zu erreichen.

Ifo-Chef Fuest sagte, die Ungleichheit bei Vermögen  sei seit 2007 aber konstant. In internationalen Vergleichen werde sie oft überzeichnet, weil Vermögen aus Renten- und Pensionsansprüchen ausgeblendet würden. »Denn das spielt in Deutschland eine größere Rolle als in anderen Ländern.«

Im Wahlkampf gibt es auch die Forderung der Linkspartei nach einer einmaligen Vermögensabgabe zur Finanzierung der Coronakrise. Diese Idee stößt bei Beratern des Finanzministeriums auf Ablehnung.

mmq/Reuters
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