Trotz vieler Unsicherheiten Ifo-Geschäftsklima hellt sich überraschend auf

Die Omikron-Variante breitet sich rasant aus – dennoch blicken deutsche Manager zuversichtlich ins neue Jahr: Der Ifo-Index ist unerwartet gestiegen. Es drohen aber auch neue Gefahren.
Mitarbeiter bei Heidelberger Druckmaschinen: Hoffnung auf den Sommer

Mitarbeiter bei Heidelberger Druckmaschinen: Hoffnung auf den Sommer

Foto: Uwe Anspach / /dpa

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich zum Jahresstart erstmals seit Juni wieder aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Januar überraschend auf 95,7 Punkte. Noch im Dezember notierte der Indikator auf dem tiefsten Stand seit Februar 2021.

»Die deutsche Wirtschaft startet mit einem Hoffnungsschimmer ins neue Jahr«, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die 9000 befragten Chefinnen und Chefs bewerteten die Lage ihrer Firmen zwar erneut skeptischer als zuletzt, blickten aber viel optimistischer nach vorn.

Trotz der derzeitigen Omikron-Welle hellte sich das Geschäftsklima in allen betrachteten Branchen auf. »Es gibt positive Signale. Aber von einer Trendwende zu sprechen, ist noch zu früh«, sagte ifo-Experte Klaus Wohlrabe.

Die Lieferengpässe in der deutschen Industrie hätten sich zu Jahresbeginn merklich entspannt, sagte Wohlrabe. »Es gibt aber noch keine Entspannung an der Preisfront.« So wolle mindestens jeder zweite Industriebetrieb seine Preise weiter anheben. Im Einzel- und Großhandel sehe es ganz ähnlich aus. Die Inflationsrate hatte im Dezember mit 5,3 Prozent den höchsten Stand seit fast 30 Jahren erreicht.

Welche Folgen hat der Ukrainekonflikt?

Die deutsche Wirtschaft war Ende 2021 wohl etwas geschrumpft, nach einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes um 0,5 bis 1,0 Prozent. Die meisten Ökonomen gehen davon aus, dass die Pandemiewelle durch die Coronavariante Omikron die Konjunktur auch im laufenden ersten Quartal bremst.

Analysten verweisen zudem auf den Ukrainekonflikt, der sich zugespitzt hat. Der Ifo-Geschäftsklimaindex reflektiere die aktuelle Situation an der Ostgrenze der Ukraine noch nicht, sagte Thomas Gitzel von der VP Bank. »Vor allem Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe dürften die Situation mit Sorge verfolgen. Schwere politische Konflikte bergen derzeit das Risiko, dass sich die angespannte Lieferkettensituation weiter verschärft«, warnte er.

Auch an den Börsen herrscht Nervosität. Die asiatischen Märkte gingen mit einem Minus aus dem Handel. An der Wall Street war es am Montag zunächst bergab gegangen, dann wurden die Verluste aber wieder wettgemacht.

Diese Erholung an der US-Börse gab dem Dax Auftrieb. Nach dem Kurssturz zu Wochenbeginn eröffnete der deutsche Aktienmarkt am Dienstag mit Kursgewinnen. Der Dax notierte im frühen Handel 0,72 Prozent höher bei 15.120 Punkten.

Tags zuvor hatten Sorgen über die zugespitzte Ukrainekrise und die bevorstehende US-Notenbanksitzung dem Leitindex ein Minus von letztlich 3,8 Prozent eingebracht.

Während Anleger gespannt darauf warten, wann in den USA der Leitzins erhöht wird, sorgt sich die Industrie vor allem wegen der Coronalage in China. Denn das Geschäft mit der Volksrepublik schwächelt.

Deutlich weniger Ausfuhren nach China

Die Exporte nach China fielen im Dezember um 7,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 8,5 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Berechnungen mitteilte. Dagegen lief der Handel mit dem wichtigsten Kunden USA auch am Jahresende gut: Die Ausfuhren dorthin legten um 17,6 Prozent auf 10,7 Milliarden Euro zu.

Ein Grund für das schwache Chinageschäft dürfte die Null-Covid-Strategie der Regierung in Peking sein. Diese führt schon bei einer geringen Zahl von Ausbrüchen dazu, dass ganze Fabriken und Hafenanlagen geschlossen werden. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die Führung in Peking zu einer Abkehr von ihrem strikten Kurs aufgerufen. Die Beschränkungen erwiesen sich als Belastung – sowohl für die chinesische als auch für die globale Wirtschaft, sagte IWF-Chefin Kristalina Georgiewa.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) befürchtet ebenfalls deutliche Bremsspuren im Geschäft mit der Volksrepublik. »Sollte sich die Omikron-Variante auch in China schneller und leichter übertragen, könnte das erneut zum Flaschenhals für globale Lieferketten werden und eine Rezession in bestimmten Branchen der deutschen Industrie anheizen«, warnte der BDI. Mit den Engpässen könnten vermutlich auch höhere Preise einhergehen.

mmq/Reuters/dpa