Ifo-Geschäftsklima Firmen schöpfen Hoffnung, Ökonomen warnen vor Überschwang

Die deutsche Wirtschaft startet deutlich zuversichtlicher, berichtet das Ifo-Institut. Die Regierung rechnet nun 2023 mit einem Wachstum von 0,2 Prozent. Allerdings macht das laufende Geschäft noch Probleme.
Fertigung von Motorhauben: Milde Rezession wird wahrscheinlicher

Fertigung von Motorhauben: Milde Rezession wird wahrscheinlicher

Foto: Jan Woitas / dpa

Die Stimmung in den Chefetagen deutscher Firmen hat sich den vierten Monat in Folge verbessert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Januar auf 90,2 Zähler von 88,6 Punkten im Vormonat, wie das Münchner Forschungsinstitut mitteilte.

»Die deutsche Wirtschaft startet zuversichtlicher ins neue Jahr«, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Mit den laufenden Geschäften waren die Unternehmen allerdings unzufriedener als im Dezember, wie die Umfrage unter rund 9000 Führungskräften zeigte. Die Erwartungen mit Blick auf die nächsten sechs Monate legten hingegen zu.

Auch Regierung rechnet wohl mit Wachstum

Auch die Bundesregierung blickt inzwischen optimistischer auf die konjunkturelle Entwicklung. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck stellt die neuen Prognosen am Nachmittag in Berlin vor. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge rechnet die Regierung 2023 nun mit einem Wachstum von 0,2 Prozent, nachdem im Oktober noch ein Minus von 0,4 Prozent veranschlagt wurde.

Bundeskanzler Olaf Scholz hatte sich zuletzt ebenfalls zuversichtlich über die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands gezeigt. »All die Hiobsbotschaften von A wie Arbeitsplatzverlust bis Z wie Zusammenbruch der deutschen Industrie sind nicht eingetreten«, sagte Scholz bei einem Festakt zur Gründungsvollversammlung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) am Dienstag.

Die von manchen vorhersagte schwere Rezession sei ausgeblieben. Im Gegenteil sei die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr allen Widrigkeiten zum Trotz gewachsen. Energieengpässe seien verhindert worden.

Ökonomen sehen die bislang erfolgreiche Bekämpfung der Energiekrise als wichtigsten Faktor für die glimpfliche konjunkturelle Entwicklung. Die Entlastung für die privaten Haushalte bei den Energiekosten lasse den Verbrauchern mehr Raum beim Konsum, sagte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. Der Arbeitsmarkt sei stabil, zugleich entspanne sich auch die Lage bei den Lieferketten.

»Die Rezessionsgefahren verschieben sich damit in die Zukunft«, sagte er. Jedoch müssten die Folgen der Zinsanhebungen der Notenbanken abgewartet werden. Auch der Auftragseingang falle nun schon seit Längerem schwach aus. »Wenngleich das Auftragspolster derzeit noch dick ist, es wird sukzessive dünner. Gerade deshalb ist eine Rezession noch immer denkbar – nur eben zu einem späteren Zeitpunkt«, sagte Gitzel.

Das Ifo-Geschäftsklima befinde sich weiterhin auf einem Niveau, bei dem es in der Vergangenheit regelmäßig Rezessionen gab, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Er verwies auf die in vielen Ländern hohe Inflation und die massiv gestiegenen Leitzinsen. »Eine milde Rezession bleibt das wahrscheinlichere Szenario.«

mmq/dpa/Reuters
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