Gute Konjunktur Bundesbank sagt "soliden Aufschwung" voraus

Die deutsche Wirtschaft legt einen kräftigen Jahresendspurt hin. Die Stimmung deutscher Führungskräfte verbessert sich deutlich. Allerdings verweisen Volkswirte auf große Unwägbarkeiten und Risiken.

Skyline der Bankenmetropole Frankfurt am Main
DPA

Skyline der Bankenmetropole Frankfurt am Main


Die Konjunktur in Deutschland zieht nach Einschätzung der Bundesbank spürbar an. Nach vergleichsweise mageren 0,2 Prozent Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal rechnet die Notenbank für die letzten drei Monate des Jahres noch einmal mit einem kräftigen Endspurt.

"Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem soliden Aufschwung", heißt es im aktuellen Monatsbericht der Bundesbank. "Hauptstütze ist die lebhafte Binnennachfrage, die von der günstigen Arbeitsmarktlage und steigenden Einkommen der privaten Haushalte profitiert." Die Auftragsbücher der Industrie seien gut gefüllt, die Verbraucher in Kauflaune.

Für dieses und nächstes Jahr erwartet die Bundesbank für Deutschland ein BIP-Wachstum von jeweils 1,8 Prozent. 2018 (plus 1,6 Prozent) und 2019 (plus 1,5 Prozent) dürfte sich das Wirtschaftswachstum nach Einschätzung der Experten etwas abschwächen.

Entwicklung des Geschäftsklimas

Ähnlich sieht dies das Ifo-Institut. Der Geschäftsklimaindex des Münchner Instituts stieg im Dezember auf 111,0 Punkte nach 110,4 Punkten im Vormonat. Das ist der höchste Stand seit 2011. An der Umfrage nahmen rund 7000 Manager teil.

Ökonomen hatten mit einem leichten Anstieg auf 110,7 Punkte gerechnet. "Die Führungskräfte beurteilen sowohl ihre Geschäftslage als auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate besser", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Sinkende Wachstumsrate in den nächsten Jahren

Allerdings verweisen Volkswirte auf große Unwägbarkeiten und Risiken: Der Kurs des neuen US-Präsidenten Donald Trump ist noch unklar, der Brexit steht bevor, und in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und möglicherweise auch in Italien stehen Wahlen an, wie KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner sagte. Stefan Kipar von der BayernLB sagte, die kaum verbesserten Geschäftserwartungen deuteten "darauf hin, dass die derzeitige Konjunktureuphorie möglicherweise nicht nachhaltig ist". Ruhiges Fahrwasser sei aus konjunktureller Sicht noch nicht zu erwarten.

Auch nach Ansicht der Bundesbank trüben sich in den kommenden Jahren die gegenwärtig für den privaten Konsum sehr vorteilhaften Rahmenbedingungen etwas ein. "Die Beschäftigung dürfte demografisch bedingt weniger dynamisch zulegen, und steigende Energiepreise schmälern die Kaufkraft der Verbraucher." Zum Teil dürften die Exporteure dies mit wieder besseren Geschäften auffangen - "aber dies wird voraussichtlich keinen vollständigen Ausgleich für die weniger schwungvolle Binnenkonjunktur bieten".

beb/msc/dpa/Reuters



insgesamt 247 Beiträge
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kogno 19.12.2016
1. Es liegt also nicht an der Stimmung
Die pessimistische Stimmung, die Herr Müller den Deutschen gestern noch vorgeworfen hat, besteht also nicht in der Wirtschaft. Aber ein guten Stimmung ist nicht mit guten Wirtschaftsaussichten (im Sinne von Wachstumswahrscheinlichkeiten) gleichzusetzen.
michi3191 19.12.2016
2. Nein
Bei uns in der drittgrößten bayerischen Stadt, gibt es bei fast allen Großfirmen keine Einstellungen mehr. Das war mal anders. Ich frage mich wie man immer auf das positive kommt. Oder wohne ich verkehrt ?
Banause_1971 19.12.2016
3. Die Aussichten für die Wirtschaft
sind sehr gut. Gleichzeitig war die Gefahr zu verarmen noch nie so groß. Ob es da einen Zusammenhang gibt? Verteilung von unten nach oben? Aber der Armutsbericht der Universität Osnabrück belegt ja (nach Streichung unangenehmer Passagen), dass es uns so gut geht wie nie. Und auch die Kanzlerin erzählt es uns immer wieder, dass die Bürger offenbar an einer Wahrnehmungsverzerrung (auch der Spiegel berichtete hierzu http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/populismus-wirtschaft-gut-stimmung-schlecht-wieso-eigentlich-a-1126427.html ) leiden. Weder die Preise steigen, noch ist sonst irgendetwas in Schieflage. Da bin ich aber froh. Interessanterweise fehlen seit einigen Monaten (seit der Ölpreis wieder steigt) Angaben zur Inflation. Aber wenn es keine Inflation gibt, kann man ja auch nicht darüber berichten.
helmut.alt 19.12.2016
4. Man kann es bald nicht mehr hören
Gestern Wirtschaftseinbruch, heute überraschender Wirtschaftsanstieg und morgen? Eine derartige kurzsichtige Berichterstattung sorgt nur für Verunsicherung der breiten Bevölkerung und ist sicherlich auch ein Grund für die "pessimistische Grundhaltung" in unserem Land.
frankenbaer 19.12.2016
5. (Un) Sinn
Dieser Index ist ein totaler Quatsch. Da setzen sich Glaskugelgucker mit Kaffeesatzlesern zusammen und schauen in die Zukunft! Habt Ihr Euch einmal die Berechnungsmethode angesehen? Und das mit 1er Kommastelle! Am Besten ist dann noch die Aussage, der Ifo sei besser als erwartet! Da wird also die eigene Erwartung ad absurdum feführt. Herzlichen Glückwunsch!
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