Steigender Ifo-Index Schwellenländer gefährden deutschen Aufschwung

Der Ifo-Index steigt erneut - und mit ihm die Hoffnung auf einen langfristigen Aufschwung. Als Risiko sehen Ökonomen jedoch die Entwicklung in Ländern wie China oder Brasilien. "Die Weltwirtschaft ist das große Fragezeichen", sagt DIW-Chef Marcel Fratzscher.

Containerschiffe in Hamburg: Heikle Lage in vielen asiatischen Ländern
DPA

Containerschiffe in Hamburg: Heikle Lage in vielen asiatischen Ländern


Hamburg - Nach dem erneuten Anstieg des Ifo-Index haben Ökonomen vor allzu großer Euphorie gewarnt. "Ein gutes Quartal bedeutet noch keinen Aufschwung", sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Wir dürfen nicht vergessen, dass wir im Winterhalbjahr nur knapp an einer Rezession vorbeigeschlittert sind. Jetzt sind wir erst wieder dort, wo wir letzten Herbst waren."

Als Gefahr bezeichnete Fratzscher die Lage in den Schwellenländern. Neben einem Rückgang ihrer Wachstumsraten kämpfen Länder wie Indien, Indonesien oder Brasilien auch mit einem zunehmenden Verfall ihrer Währungen. "Die Weltwirtschaft ist das große Fragezeichen", sagte Fratzscher. "In den Schwellenländern schwächt sich das Wachstum stärker ab, als wir noch vor einem halben Jahr dachten."

Ähnlich äußerte sich der Chefvolkswirt der Commerzbank Chart zeigen, Jörg Krämer: "Trotz des starken Ifo-Geschäftsklimas stellt sich die Frage, ob die deutsche Konjunktur den zunehmenden Problemen in den Schwellenländern trotzen wird", sagte er. "Man sollte die jüngsten sehr starken deutschen Konjunkturzahlen nicht bedenkenlos in die Zukunft fortschreiben." Dennoch dürfte es im zweiten Halbjahr weiter solide bergauf gehen.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte im August um 1,3 Punkte auf 107,5 Zähler. Es war der vierte Anstieg in Folge, das Stimmungsbarometer liegt damit so hoch wie zuletzt im April 2012. Für den Index werden rund 7000 Firmen befragt. Den neuen Zahlen zufolge sehen sie sowohl ihre aktuelle Lage als auch die Geschäftsaussichten positiver, was auf robustes Wachstum hoffen lässt.

Die positiven Signale aus der deutschen Wirtschaft konnten die Börsenkurse jedoch nicht beflügeln. Denn unter Anlegern herrscht große Sorge vor einem US-Militärschlag gegen Syrien: Der Dax Chart zeigen und der EuroStoxx 50 Chart zeigen tendierten am Nachmittag jeweils mehr als zwei Prozent im Minus.

Die Ifo-Forscher gehen davon aus, dass die Unternehmen im zweiten Halbjahr deutlich mehr für neue Maschinen und Fahrzeuge ausgeben und sich der Investitionsstau in Deutschland damit auflöst. Die lange rückläufigen Investitionen waren in den vergangenen Monaten erstmals wieder gestiegen.

DIW-Chef Fratzscher zeigte sich auch hier vorsichtiger: "Die Investitionen entwickeln sich zwar seit einigen Monaten positiv, aber von einem sehr niedrigen Niveau aus. Und sie finden vor allem im Baugewerbe statt, das Arbeiten aus dem strengen Winter nachholt."

dab/dpa/Reuters



insgesamt 31 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
slappy_hollow 27.08.2013
1.
Zitat von sysopDPADer Ifo-Index steigt erneut - und mit ihm die Hoffnung auf einen langfristigen Aufschwung. Als Risiko sehen Ökonomen jedoch die Entwicklung in Ländern wie China oder Brasilien. "Die Weltwirtschaft ist das große Fragezeichen", sagt DIW-Chef Marcel Fratzscher. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ifo-index-schwellenlaender-gefaehrden-deutschen-aufschwung-a-918927.html
Ist eigentlich irgend jemandem hier klar wie dieser Ifo-Index errechnet wird und wie wenig er eigentlich aussagt? Ich wundere mich jedesmal wenn deswegen wieder ein Fass aufgemacht wird. Kann eh niemand vorhersagen was passiert, aber die Menschen hatten schon immer was übrig für Wahrsager und Scharlatane.
tuobob 27.08.2013
2. Diese Schwellenländer aber auch...
...können die sich nicht gefälligst mehr verschulden, wo es doch um "unseren" Aufschwung geht! Solche Überschriften machen den Widerstand gegen den Blome doch eigentlich überflüssig.
exkoelner 27.08.2013
3. wieso? hauptsache wir sind export-weltmeister
verstehe ich nicht. ist doch völlig egal nach merkel´scher lesweise, hauptsache wir sind export-weltmeister und alles wird gut? was hat denn das mit anderen ländern zu tun? ach, vielleicht könnte es sein, das wenn es denen wirtschaftlich nicht so gut geht, importieren die weniger? und wenn die sparen, kann deutschland weniger exportieren ... wieso muß nochmal ganz europa sparen, damit es deutschland gut geht? oder anders gefragt, wenn deutschland kredite vergibt, damit die anderen länder mehr importieren können, als wir und die sparen dann, damit sie wie deutschland wettbewerbsfähiger werden, wer zahlt die kredite? und nehmen sie keine kredite, wovon bezahlen sie, wenn wir mehr exportieren als importieren ... ach schon kompliziert - stand in den 60ern nicht noch in der verfassung "handelsbilanz-gleichgewicht"? wahrscheinlich auch alberner sozi-quatsch wie die menschenrechet und so ...
Europa! 27.08.2013
4. Schwachsinnige Überschrift
Zitat von sysopDPADer Ifo-Index steigt erneut - und mit ihm die Hoffnung auf einen langfristigen Aufschwung. Als Risiko sehen Ökonomen jedoch die Entwicklung in Ländern wie China oder Brasilien. "Die Weltwirtschaft ist das große Fragezeichen", sagt DIW-Chef Marcel Fratzscher. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ifo-index-schwellenlaender-gefaehrden-deutschen-aufschwung-a-918927.html
Richtig ist, dass der Export in Schwellenländer den deutschen Exporterfolg möglich machen. Wer schreibt denn so einen Mist?
frontmann22 27.08.2013
5. ganz einfach
Zitat von tuobob...können die sich nicht gefälligst mehr verschulden, wo es doch um "unseren" Aufschwung geht! Solche Überschriften machen den Widerstand gegen den Blome doch eigentlich überflüssig.
Wir müssen in Deutschland einen nennenswerten Mindestlohn festlegen, dann können wir uns mit der Binnennachfrage selbst über Wasser halten. Jeder heult auf, die Deutschen leben von den armseligen in anderen Ländern ... ja macht es uns doch einfach nach. Hätte ich was zu sagen, würde ich zuerst die Infrastruktur aufbauen. Das würde Arbeitsplätze schaffen und die slum-ähnlichen Verhältnisse in den meisten "Schwellenländern" beseitigen. Geld genug ist da. Es liegt bloss in den Händen einzelner Schmarotzer.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.