Trotz Konjunktursorgen Ifo-Index steigt überraschend

Trendwende nach einem halben Jahr: Der Ifo-Index ist im März gestiegen. "Die deutsche Wirtschaft stemmt sich dem Abschwung entgegen", sagt Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Arbeiter bei Heidelberger Druckmaschinen
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Arbeiter bei Heidelberger Druckmaschinen


Zum ersten Mal seit einem halben Jahr hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft verbessert. Der Ifo-Index für das Geschäftsklima stieg im März überraschend von 98,7 auf 99,6 Punkte, wie das Münchner Institut mitteilte. Zuvor hatte es sechs Rückgänge in Folge gegeben.

"Die deutsche Wirtschaft stemmt sich dem Abschwung entgegen", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Führungskräfte beurteilten ihre Geschäftslage ebenso besser wie die Aussichten für die kommenden sechs Monate.

Entwicklung des Geschäftsklimas

Die schwächelnde Weltkonjunktur, Unsicherheiten wie der Brexit und drohende US-Strafzölle auf deutsche Autos drücken derzeit in der Wirtschaft die Stimmung. Am Freitag hatten enttäuschende Konjunkturdaten aus Deutschland und Frankreich noch Rezessionssorgen rund um den Globus geschürt. Viele Experten hatten ihre Konjunkturprognosen für das laufende Jahr zuletzt deutlich nach unten korrigiert, darunter auch die sogenannten Wirtschaftsweisen.

Vor diesem Hintergrund seien die neuen Ifo-Zahlen "eine Riesenüberraschung", sagte Andreas Rees, Ökonom bei Unicredit. "Es ist noch zu früh, von einem konjunkturellen Wendepunkt zu sprechen. Der starke Anstieg der Erwartungskomponente würde aber durchaus zum historischen Muster bei vergangenen Zyklen sprechen."

"Die deutschen Unternehmen fassen wieder Vertrauen", sagte auch Michael Holstein von der DZ-Bank. Der Anstieg des Ifo-Index sei "ein gutes Zeichen dafür, dass sich die heimische Konjunktur nach dem schwachen zweiten Halbjahr 2018 wieder fängt".

"Ein Hoffnungszeichen, aber nicht mehr"

Jörg Zeuner von der KfW-Bankengruppe bezeichnete den Anstieg hingegen als "ein Hoffnungszeichen, aber nicht mehr. Denn der Konjunkturzug fährt weiter auf der Kriechspur - und der größte Bremsklotz ist die Industrie." Skeptisch zeigte sich auch Uwe Burkert von der LBBW: "Eine Schwalbe macht noch keinen Konjunktursommer, ja nicht einmal einen Frühling. Aber wir haben zuletzt gesehen, dass die Stimmung schlechter war als die Lage. Das hat sich mit dem heutigen Geschäftsklima minimal entschärft."

Das Ifo-Geschäftsklima gilt als wichtigstes Stimmungsbarometer für die deutsche Wirtschaft. Es ergibt sich aus der Befragung von etwa 9000 Unternehmen. Der Indikator wird als gute Schätzgröße für das künftige Wirtschaftswachstum angesehen.

dab/dpa/Reuters

insgesamt 49 Beiträge
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tommit 25.03.2019
1. DIe WIrtschaft
eines Bevölkerunganteiles von knapp 1% der Weltbevölkerung stemmt sich.... wovon 50% Rentner sind Wow.
0Kugelfang0 25.03.2019
2. Die deutsche Wirtschaft stemmt sich?
Falsch! Die Deutschen Arbeiter stemmen sich, so sollte es heißen! Nur leider haben die seit 20 Jahren so gut wie NICHTs davon!
ahloui 25.03.2019
3. Aha....
"Die deutsche Wirtschaft stemmt sich dem Abschwung entgegen"... Selten habe ich einen solchen Blödsinn gelesen. Als ob die deutsche Wirtschaft in der Lage wäre, die Entwicklungen, von denen sie selbst abhängig ist, zu ihrem Gunsten zu beeinflussen. Diese ganzen Prognosen, die diese selbsternannten Experten so von sich geben, sind das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben sind. Aber so ist das, mit all den Analysten. Erst sagen sie etwas voraus, dann trifft das nicht ein, und am Ende erzählen die selben Analysten, warum das nicht eingetreten ist... lächerlich!
Cato137 25.03.2019
4. Das ist sehr merkwürdig angesichts der
Tatsache, dass der Einkaufsmanagerindex vor wenigen Tagen geradezu abgestürzt ist. Auch der Umstand, dass der Geschäftsklimaindex nur sehr gering angestiegen ist und vor allem unter 100 geblieben ist, also immer noch negativ ist, verringert die ,Merkwürdigkeit' nicht gerade. Mir drängt sich der Eindruck auf, dass sich hier nicht in erster Linie die deutsche Wirtschaft einer kommenden Rezession entgegenstemmt, sondern eher die Öffentlichkeit ein bisschen in Position gebracht werden soll.
frider 25.03.2019
5. Ewiger Wachstum
Soweit ich mich erinnern kann haben die Prognosen der Wirtschaftsweisen nie gestimmt. Diese Gier nach ewigem Wachstum und glorreichen Auftritten auf der Aktionärsversammlung können auf Dauer nicht funktionieren. Ein Betrieb ist gesund wenn am Ende des Geschäftsjahres alle Mitarbeiter bleiben dürfen, alle ihr Gehalt bekommen haben, alle Rechnungen bezahlt sind und der Firmeninhaber auch ordentlich verdient hat. Die Bilanzhysterie führt überwiegend zu schlechten Entscheidungen. Daimler Benz verkauft die MTU oder VW setzt auf freiwilliger Basis Mitarbeiter frei. Das Kurzfristige muss raus aus der Industrie. Prämien und Zulagen erst nach Jahren wenn die Entscheidungen langfristig gesehen gut waren. Herr Ackermann könnte Deutschland und die Deutsche Bank nur an die Wand fahren weil alle auf die Bilanzen gestartet haben und nicht ob die Deutsche Bank anständige und langfristig gute Geschäfte gemacht hat.
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