Ifo-Umfrage Stimmung im deutschen Wohnungsbau fällt auf historisches Tief
Baustelle in Hamburg: Neue Aufträge fehlen, bestehende werden storniert
Foto: Georg Wendt / dpaUm die Aussichten des deutschen Wohnungsbaus steht es so schlecht wie noch nie. Die vom Ifo-Institut ermittelte Stimmung bei den entsprechenden Bauunternehmen in Deutschland ist zu Jahresbeginn auf einen historischen Tiefstand gefallen.
Konkret ist das Barometer der Münchner Forscher zum Geschäftsklima im Wohnungsbau im Januar von minus 56,9 auf minus 59,0 Punkte gefallen, wie das Institut zu seiner monatlichen Umfrage mitteilte. Das ist der niedrigste jemals gemessene Wert. Rasche Besserung ist demnach nicht in Sicht, denn auch die Aussichten für die kommenden Monate werden so schlecht eingeschätzt wie noch nie: Das Barometer für die Erwartungen fiel von minus 64,7 auf minus 68,9 Punkte.
»Der Ausblick auf die kommenden Monate ist düster«, sagte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. »Der Wohnungsbau ist weiterhin einer Doppelbelastung ausgesetzt.« Während auf der einen Seite Neuaufträge ausblieben, würden auf der anderen Seite weiterhin Projekte storniert.
Hohe Zins- und Materialkosten belasten Branche
Eigentlich hatte die Bundesregierung geplant, pro Jahr 400.000 neue Wohnungen zu bauen. Doch 2024 schafft sie wohl nur noch etwa die Hälfte, die Zahl der Genehmigungen ist zuletzt stark eingebrochen. Auch andere Bauvorhaben wie die Sanierung maroder Brücken oder der Bau von Straßen und Radwegen laufen nur schleppend, gestiegene Zins- und Materialkosten machen das Bauen zudem teuer.
»Fehlende Aufträge belasten die Geschäfte der Wohnungsbauer«, sagte Wohlrabe. Im Januar klagten 52,5 Prozent der Betriebe über einen Auftragsmangel, nach 56,9 Prozent im Dezember. Bei den Stornierungen gab es ebenfalls einen leichten Rückgang: 17,4 Prozent waren davon betroffen, nach 22,1 Prozent am Jahresende 2023.
Allerdings ist das dem Ifo-Institut zufolge kein Grund für Optimismus. »Von einer Trendwende im Wohnungsbau kann noch nicht gesprochen werden. Die schwierigen Rahmenbedingungen haben sich kaum geändert«, sagte Wohlrabe.
Allerdings besteht die Aussicht, dass die Europäische Zentralbank (EZB) angesichts der nachlassenden Inflation in diesem Jahr ihren Leitzins mehrfach senken wird. Damit dürften auch die Bauzinsen nachgeben, was die Finanzierung billiger macht.
Investoren am Finanzmarkt haben ihre Spekulationen auf eine rasche erste Zinssenkung der EZB zuletzt aber etwas zurückgenommen. Inzwischen wird ein Schritt nach unten auf der Zinssitzung im April am Geldmarkt nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 48 Prozent taxiert. Aussagen von Währungshütern der EZB haben die Erwartungen am Finanzmarkt zuletzt gedämpft.