Nach hohem Verhandlungsergebnis Arbeitgeber drohen IG Metall mit Ende der Tarifbindung

Die IG Metall holte in der jüngsten Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie viel heraus. Der Arbeitgeberverband stellt deshalb nun Grundsatzfragen.

Von der IG Metall ausgerufener Warnstreik Anfang 2018 in Neuss
DPA/Guido Kirchner

Von der IG Metall ausgerufener Warnstreik Anfang 2018 in Neuss


Die IG Metall erzielte für ihre Mitglieder zuletzt beachtliche Ergebnisse. Die Löhne steigen demnach um 4,3 Prozent, zudem dürfen die Beschäftigten in diesem Juli zwischen acht zusätzlichen freien Tagen oder einer Sonderzahlung in Höhe von 27,5 Prozent eines Brutto-Monatslohns wählen. Die Arbeitgeber schmerzt diese Einigung offenbar immer noch sehr - und sie drohen mit einem Ende des Flächentarifvertrags.

"Wenn alle Unternehmen die Tarifbindung verlassen, kann die Gewerkschaft zusehen, wie sie sich im Häuserkampf durchschlägt", sagte der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Rainer Dulger, der "Süddeutschen Zeitung". Der Flächentarifvertrags in der Metall- und Elektroindustrie regelt seit Jahrzehnten die Arbeitsbedingungen von 1,9 Millionen Beschäftigten.

Viele Betriebe in der wichtigsten Branche der deutschen Wirtschaft sind Dulger zufolge mit hohen Löhnen - und auch mit mehr Freizeit für die Beschäftigten überfordert. Dies führe zu immer mehr Austritten aus seinem Verband. Von der IG Metall fordert er, dass sogenannte Tagesstreiks künftig nur noch nach einer gescheiterten Schlichtung erlaubt sein dürfen.

Wettbewerbsfähigkeit der Industrie bedroht?

Bei der Tarifrunde 2018 hätten diese Streiks - die von der Gewerkschaft das erste Mal ausgerufen wurden und jeweils 24 Stunden dauerten - drei Millionen Arbeitsstunden gekostet, "dreimal so viele wie die Jahre davor". Dagegen könnten sich die Arbeitgeber bisher "gar nicht" wehren, sagte Dulger der "Süddeutschen Zeitung".

Der Gewerkschaft warf er vor, mit ihrer Streiktaktik diejenigen Unternehmen zu verprellen, die am Flächentarifvertrag festhalten wollten. "Die IG Metall macht immer in denjenigen Unternehmen am meisten Rabatz, die besonders fest zur Tarifbindung stehen", sagte Dulger. "Das ist doch vollkommen kontraproduktiv: den besten und treuesten Kunden permanent vor den Kopf zu stoßen."

Rainer Dulger mit dem IG Metall-Vorsitzenden Jörg Hofmann (l.) beim Abschluss der Verhandlungen im Februar 2018
DPA

Rainer Dulger mit dem IG Metall-Vorsitzenden Jörg Hofmann (l.) beim Abschluss der Verhandlungen im Februar 2018

Zur jüngsten Tarifrunde sagte Dulger: "Es war ein sehr, sehr hoher Abschluss, der bei uns zu Austritten geführt hat." Er sorge sich deshalb um die Tarifbindung - aber auch um die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie.

apr/Reuters/dpa



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sh.stefan.heitmann 23.07.2019
1. Streik gibt es ja schonmal nur wenn es keine Einigung gibt
Somit kann jeder Arbeitgeber selbst den Streik verhindern. Und bei 4,3 % von einem guten Ergebnis für die Arbeitnehmer zu sprechen ist jawohl ein Witz, mein Gehalt steigt jedes Jahr um 3 bis 5 % ohne das ich jemals dafür meinen Mund aufmachen müsste.
dr.eldontyrell 23.07.2019
2. Wäre
ich mal besser im Metall geblieben. In der IT komme ich nicht einmal auf den Wert von ERA 1. Mit meinem Facharbeiterbrief wäre ich ja schon ERA 7 im Metall. Von wegen Fachkräftemangel in der IT.
arnedererste 23.07.2019
3. Das sagt einiges über den Fachkräftemangel
Diese Aussagen sagen einiges über den angeblichen Fachkräftemangel aus. Diesen gibt es nämlich gar nicht, die AG sind nur nicht gewollt die hohen Lohnforderungen der AN zu tragen. Wenn die AG jetzt noch aus dem Flächentarifvertrags aussteigen wird das nur den gefühlten Fachkräftemangel der gierigen AG verstärken. (Die Acht Tage Extraurlaub habe ich dieses Jahr gerne in Anspruch genommen, meine Kinder (und ich natürlich auch) danken es der IGM und meinen AG sehr)
mrwatson 23.07.2019
4. Selber Schuld
Sind doch selber Schuld ! Jahrelang gab und gibt es nur etwas mehr wie die Inflation und jetzt, wo sich Mitglieder für Freizeit entscheiden, wird gejammert! Man hätte viel mehr die Löhne wie im Ausland anheben und die Mitarbeiter mehr an die Unternehmen binden müssen. Aber seit knapp 20 Jahren wird hauptsächlich billig produziert ohne neue Innovation !
inkenheinsen 23.07.2019
5.
Was bringt der Austritt den Arbeitgeber schon? Nach Abschluss eines neuen Tarifs sind sie doch ohnehin erstmal dran gebunden und es gibt immer noch die Möglichkeit der allgemeinverbindlichkeit. Viel mehr gruselt es mich vor den OT-Verbänden, wie kann so etwas nur erlaubt sein in diesem Land ?
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