Gescheiterte Tarifverhandlungen Metall- und Elektroindustrie steht vor massiven Warnstreiks

Keine Einigung in der dritten Verhandlungsrunde: Die IG Metall hat ein Angebot der Arbeitgeber abgelehnt. Diese bieten 2,1 Prozent mehr Lohn - deutlich weniger, als die Gewerkschaft fordert.

Arbeiter mit IG-Metall-Fahne
dapd

Arbeiter mit IG-Metall-Fahne


Um Mitternacht endet die Friedenspflicht zwischen der IG Metall und den Arbeitgebern aus der Metall- und Elektroindustrie. Und geht es nach der Gewerkschaft, beginnen kurz danach die ersten Warnstreiks. Damit reagiert die Arbeitnehmervertretung auf die jüngste Verhandlungsrunde, die am Morgen ohne Ergebnis zu Ende gegangen war.

Die Arbeitgeber hatten zwar ein "alternatives Angebot" vorgelegt, um Bewegung in die Gespräche zu bringen. Es beinhaltet Einkommensverbesserungen in zwei Stufen ab April, die sich bei einer Laufzeit von 24 Monaten auf insgesamt 2,1 Prozent summieren. Zudem boten die Arbeitgeber eine Einmalzahlung in Höhe von 0,3 Prozent an - berechnet auf zwölf Monate.

Doch diese Offerte lehnte die IG Metall ab. Es sei "eindeutig zu gering, um zu einer Lösung zu kommen", sagte der NRW-Bezirkschef der IG Metall, Knut Giesler. Die Gewerkschaft fordert für die bundesweit 3,8 Millionen Beschäftigten der Elektro- und Metallindustrie fünf Prozent mehr Geld.

Die Arbeitsniederlegungen dürften die Metall- und Elektroindustrie schwer treffen. In Nordrhein-Westfalen soll ab Mitternacht in 60 Betrieben die Arbeit vorübergehend ruhen. Auch in Bayern hat die IG Metall zu massiven Warnstreiks aufgerufen. Im dritten großen Tarifbezirk, in Baden-Württemberg, treten die Tarifparteien erst am Nachmittag zu Verhandlungen zusammen. Gebe es bis Pfingsten keine Lösung, werde die Gewerkschaft mit 24-stündigen Streiks antworten, sagte Giesler.

Der Arbeitgeber-Verhandlungsleiter Arndt Kirchhoff rief die Gewerkschaft erneut auf, zu einer "realitätsnahen Tarifpolitik" zurückzukehren. Die Tarifpartner trügen eine große Verantwortung für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und die Arbeitsplätze der Mitarbeiter. In der dritten Runde habe es immerhin atmosphärische Verbesserungen gegeben: "Dieses Mal sind wir nicht kopfschüttelnd auseinandergegangen." Einen Termin für weitere Verhandlungen gibt es nach Angaben der Gewerkschaft noch nicht.

brk/dpa



insgesamt 23 Beiträge
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Brillenschlumpf 28.04.2016
1. Gibt es die Branche noch
Wieviele Leute arbeiten denn überhaupt noch am Hochofen, wenn der ganze Stahl billig aus China kommt. Bei einem Streik von den paar Hundert Arbeitern sollte doch keine Welt zusammenbrechen.
Mister Stone 28.04.2016
2. Scheingefecht
Die Gewerkschaftsführer sind die ersten Offiziere der Industriekapitäne. Wer diese alljährlichen Scheingefechte noch Ernst nimmt ist selbst schuld.
MännlicheMinderheit 28.04.2016
3.
Zitat von BrillenschlumpfWieviele Leute arbeiten denn überhaupt noch am Hochofen, wenn der ganze Stahl billig aus China kommt. Bei einem Streik von den paar Hundert Arbeitern sollte doch keine Welt zusammenbrechen.
IGM ist so ziemlich die größte Gewerkschaft in Deutschland. Alle Arbeitnehmer in der Automobil-, Elektronik-, Metall- und Werkzeugmaschinenindustrie sind hier vertreten. Am Hochofen werden aber vermutlich die wenigsten arbeiten. Im Gegensatz zu den Spartengewerkschaften wie z.B. Cockpit und GDL, legen hier nicht nur ein paar Hanseln die ganze Wirtschaft lahm. Hier wird meist nur mit Grund gestreikt.
curiosus_ 28.04.2016
4. Klar, das Ende der Fahnenstange ...
... ist erreicht. Bei 245 Mrd. Euro Exportüberschuss alleine in 2015 (8,3 % des BIPs). Und ca. 2000 Mrd. seit 2002.
Tuennemann 28.04.2016
5. Nur mals so zur Info für Unwissende
Zitat von BrillenschlumpfWieviele Leute arbeiten denn überhaupt noch am Hochofen, wenn der ganze Stahl billig aus China kommt. Bei einem Streik von den paar Hundert Arbeitern sollte doch keine Welt zusammenbrechen.
Es gibt einen seperaten Tarifvertrag für die stahlerzeugende Industrie.
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