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17. April 2012, 19:20 Uhr

Kampf gegen Kabelsalat

Ikea verkauft Möbel mit Fernsehen und Sound

Lebst du noch, oder glotzt du schon? Das schwedische Möbelhaus Ikea steigt ins Geschäft mit Unterhaltungselektronik ein. Das Unternehmen verkauft ab Juni Multimedia-Möbel mit passenden Geräten und will so ordnungsliebende Kunden an sich binden.

Stockholm - Das schwedische Einrichtungshaus Ikea erweitert seine Produktpalette: Das Unternehmen will künftig Möbel mit dazu passenden Fernsehern und anderen Unterhaltungsgeräten anbieten. Gemeinsam mit dem chinesischen Elektronikkonzern TCL Multimedia sollen dafür eigens Produkte entwickelt werden.

Ikea will die Serie mit dem Namen "Uppleva" (zu deutsch: Erleben) bereits ab Juni in Deutschland, Schweden, Frankreich, Italien und Polen an den Start bringen. Ab Frühjahr 2013 sollen die Möbel weltweit auf den Markt kommen.

Geplant sind demnach drei unterschiedliche Designs. Zu jedem Möbelstück gehöre ein Flachbildfernseher und eine Musikanlage mit drahtlosen Bassboxen sowie CD-, DVD- und Blu-ray-Spieler, hieß es von Ikea. Die Fernseher würden in vier verschiedenen Größen mit Bildschirmdiagonalen zwischen 24 und 46 Zoll angeboten. Die günstigste Kombination soll etwa 730 Euro kosten.

Mit den Multimedia-Möbeln will Ikea ordnungsliebende, aber bastelfaule Kunden überzeugen: Das Unternehmen verspricht eine aufeinander abgestimmte Bauweise von Elektronik und Schrank, bei der die Kabel versteckt bleiben sollen. Ikea hatte bei einer Umfrage festgestellt, dass sich vier von fünf Befragten an den zahlreichen Kabeln ihrer Elektrogeräte im Wohnzimmer stören.

Doch erste Bilder der geplanten Möbelstücke rufen bereits Kritiker auf den Plan. Für das Design gibt es jetzt schon Kritik: Das Technik-Blog Engadget.de schreibt, "Uppleva" erinnere an "die klobigen Fernsehschränke der fünfziger Jahre" und wirke "damit so gar nicht zukunftsweisend".

Die Kooperation der Schweden mit den Chinesen ist nicht der erste Schritt von Ikea in den Elektronikmarkt: Das Möbelhaus verkauft bereits Haushaltsgeräte.

Ikea wagt sich in den Markt für Unterhaltungselektronik, obwohl sich das jahrelang boomende Geschäft zuletzt merklich abgekühlt hat. In entwickelten Märkten wie Westeuropa und den USA haben viele Verbraucher bereits die alten Röhrenfernseher durch Flachbildschirme ausgetauscht. Den Herstellern macht neben dem Nachfragerückgang auch ein massiver Preisverfall zu schaffen. Zu Umsatzerwartungen und Kosten für die neue Serie äußerte sich Ikea nicht.

cla/dpa/dapd/Reuters

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