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Ikea: Was hinter Billy steckt

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Ikea-Rekordgewinn Billyger geht's nicht

Ikea hält seine Geschäftszahlen gerne geheim - doch wenn es gut läuft, macht das Unternehmen auch mal eine Ausnahme: Der Umsatz 2010 belief sich auf gigantische 23 Milliarden Euro, der Gewinn war so hoch wie noch nie. Ein Rechtsstreit in Russland kam den Möbelkonzern allerdings teuer zu stehen.

"Ikea ist kein börsennotiertes Unternehmen und gibt daher keinen Jahresbericht heraus": Mit dieser schlichten Begründung hält der Möbelkonzern seine wichtigsten Geschäftszahlen geheim - schon immer, seit der Gründung 1943. Doch in jüngster Zeit macht das Unternehmen öfter mal eine Ausnahme. Die Zahlen sind einfach zu schön, um sie unter Verschluss zu halten.

Diesmal lässt Ikea die Welt wissen, dass man mit seinen Möbeln mehr Geld verdient habe als je zuvor: 2,7 Milliarden Euro nach Steuern bei einem Umsatz von 23,1 Milliarden Euro. Nicht übel für einen globalen Konsumgüterhändler in Krisenzeiten.

Leutselig lächelnd sitzt Konzernchef Mikael Ohlsson auf Urban (stapel- und abwaschbar, 30 Euro) und stützt sich mit einem Ellenbogen lässig auf Docksta ab (Hartfaserplatte mit Polyamidbeinen, 149 Euro), als er vergangene Woche schwedische Journalisten im gerade eröffneten Möbelhaus von Helsingborg trifft. Den Auftritt hätte auch Ikea-Gründer und -Übervater Ingvar Kamprad kaum zünftiger hinbekommen, soll die Vorstellung bedeuten. Billyger geht's nicht.

Ohlsson ist seit 1979 bei Ikea, schon im zarten Alter von 24 Jahren leitete er sein erstes Möbelhaus im Städtchen Sundsvall. Seit September 2009 führt er den Gesamtkonzern. "Den langen Marsch" nennt man so eine Karriere in Schweden. Nun verkündet Ohlsson: "Wir haben unsere Marktanteile so gut wie überall erhöht." Der Absatz sei um mehr als sieben Prozent gestiegen, der Gewinn um sechs. Dabei ist das nichts Neues - Ikea wächst eigentlich jedes Jahr. In China und Russland legte der Schweden-Konzern zuletzt am meisten zu.

"Wir müssen nicht den Gewinn maximieren"

Doch ausgerechnet in Russland musste Ikea - dem explosionsartig gesteigerten Umsatz zum Trotz - empfindliche Verluste hinnehmen. Grund sind Rechtsstreitigkeiten mit örtlichen Stromversorgern und mit den Chefs zweier Einkaufszentren in St. Petersburg, die unter Korruptionsverdacht stehen. Weit über 600 Millionen Euro, so geht aus dem Ohlsson-Bericht hervor, hat der Konzern im abgelaufenen Geschäftsjahr abgeschrieben - ein erheblicher Teil davon soll für einen Vergleich ausgegeben worden sein, um die schleppenden Prozesse zu beenden.

Ikea hat einen Ruf zu verteidigen. Seit vielen Jahren gilt der Möbelkonzern als "Teflon-Multi" - kein Skandal scheint an den Schweden haften zu bleiben. Und für diesen Ruf ist man bereit, einiges zu tun. In Frankreich und Deutschland hat Ikea zum Beispiel Windparks gekauft, um sich einen umweltfreundlichen Anstrich zu geben. Gleiches gilt für das - zeitlich allerdings unbestimmte - Ziel, irgendwann nur noch Holz aus zertifiziertem Anbau für Billy, Ivar & Co. zu verwenden. Auch für Wohltätigkeit blieb im vergangenen Jahr etwas übrig. 45 Millionen Euro wies die Ikea Foundation im vergangenen Jahr als Spenden aus - unter anderem für Bildungs- und Gesundheitsprojekte in Indien und Pakistan.

Der Ohlsson-Bericht verrät außerdem, dass bis zum 31. August 2010 das Ikea-Personal auf 127.000 Männer und Frauen in 41 Ländern angewachsen ist. Zwölf vollkommen neue Möbelhäuser wurden errichtet, mehrere ältere wurden durch Um- oder Neubauten ersetzt. In diesem Jahr will man sich mit sieben bis acht neuen Adressen begnügen. Trotzdem soll mehr Geld investiert werden. "Wir haben unser Investitionsbudget auf 400 Millionen Euro erhöht," sagt Ohlsson. Unter anderem sollen mehr als 80 Möbelhäuser in aller Welt umgebaut werden.

Kamprad gilt als zehntreichster Mensch der Welt

Während die vergangenen Krisenjahre viele Branchen schwer trafen, hat Ikea weiter expandiert. "Wir haben die schlechten Zeiten genutzt, um Bauland zu erwerben," erklärt Ohlsson. "Da wir nicht an der Börse sind, sondern einer Stiftung gehören, müssen wir nicht den Gewinn maximieren. Wir können langfristig handeln und unseren Investitionsprogrammen treu bleiben."

Davon profitiert letztlich vor allem einer: Ingvar Kamprad - der Patriarch, der sich ein Image als verschlossener Knauserich erworben hat. Grund ist das Ikea-Eigentümergeflecht, das unter anderem auf günstigen Stiftungsregeln in den Niederlanden basiert und mindestens so verschachtelt ist wie ein Bausatz für die Billy-Regalkombination mit TV-Bank (377,88 Euro). Nach Berechnungen der US-Zeitschrift "Forbes" ist Kamprad der zehntreichste Mensch der Welt mit einem verfügbaren Vermögen von schätzungsweise 23 Milliarden Dollar.

Allein im zurückliegenden Jahrzehnt hat sich Ikeas Umsatz von 7,6 Milliarden auf 23,1 Millarden Euro mehr als verdreifacht. Über eine Lizenzabgabe gehen drei Prozent der Einnahmen an die holländische "Inter Ikea Systems" - und über Umwege an Kamprad. Allein im Jahre 2010 kamen so mehr als 600 Millionen Euro zusammen.

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