Jahreszahlen Ikea wächst in Deutschland nur noch langsam

Deutschland ist für Ikea der wichtigste Markt der Welt - aber der wächst kaum noch. Trotz neu eröffneter Möbelhäuser legte der Umsatz nur um 2,4 Prozent zu.

Ikea-Möbelhaus in Hamburg-Altona
DPA

Ikea-Möbelhaus in Hamburg-Altona


Der Möbelhändler Ikea hat im Ende August abgelaufenen Geschäftsjahr seinen Umsatz steigern können. Der Einzelhandelsumsatz des Konzerns wuchs weltweit um 3,8 Prozent auf 34,1 Milliarden Euro, teilte Ikea mit. In Deutschland war das Wachstum niedriger, hier legte der Umsatz um 2,4 Prozent auf 4,867 Milliarden Euro zu.

Dieses Wachstum in Deutschland wurde auch durch drei neue Einrichtungshäuser in Wuppertal, Wetzlar und Magdeburg erreicht. Damit gibt es nun 53 Ikea-Häuser in Deutschland. Der Onlinehandel hierzulande wuchs mit 30,7 Prozent wesentlich stärker als der Gesamtumsatz und betrug nun 304 Millionen Euro. Auch das Food-Geschäft in den Restaurants und mit Lebensmitteln entwickelte sich in Deutschland mit 4,1 Prozent Zuwachs auf 230,5 Millionen Euro besser als der stationäre Möbelhandel.

Angesichts der neu eröffneten Märkte und des starken Wachstums im Onlinehandel sowie der Gastronomie dürfte das traditionelle Möbelgeschäft in den bestehenden Häusern im vergangenen Jahr kaum noch gewachsen sein - detaillierte Zahlen gab der Konzern hierzu aber nicht bekannt.

Vorwürfe der Steuerumgehung

Ohnehin ist der Begriff "Ikea-Konzern" relativ - Ikea versteht darunter nicht die gesamte Firmengruppe. Das Unternehmen betreibt 355 der weltweit 403 Ikea-Häuser als größter einzelner Franchise-Nehmer. Dafür zahlt er Lizenzgebühren an die in den Niederlanden beheimatete INGKA Holding, was in der Vergangenheit zu Vorwürfen der Steuerumgehung geführt hatte.

Tatsächlich gibt es außer dem als Ikea-Konzern benannten Teil und der INGKA Holding noch weitere Firmen innerhalb der Gruppe, an die teilweise Umsatzanteile gezahlt werden. Daher sind die Angaben des Ikea-Konzerns über Gewinn und bezahlte Steuern nur eingeschränkt aussagekräftig.

So fiel der weltweite Gewinn des Ikea-Konzerns formal von 4,2 Milliarden auf 2,5 Milliarden Euro. Allerdings seien diese Zahlen wegen einer umfassenden Umstrukturierung nicht unmittelbar vergleichbar, sagte eine Sprecherin. Das früher berücksichtigte Großhandelsgeschäft etwa sei auf eine andere Gesellschaft innerhalb der Gruppe verlagert worden.

Auf die Erträge habe man effektiv rund 800 Millionen Euro Steuern gezahlt, teilte das Unternehmen nun für das abgelaufene Geschäftsjahr mit. Einschließlich anderer Steuern und Abgaben komme man auf eine Gesamtbelastung von 1,3 Milliarden Euro.

Mehr zum Thema


insgesamt 38 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
RealSim 28.11.2017
1. Wachstum
Das klingt ja so als würden die Leute erwarten, dass es ein ewiges Wachstum gäbe. Man muss kein Mathestudium abgeschlossen haben um festzustellen: Deutschland hat eben auch nur endlich viele Einwohner und damit endliche viele Konsumenten. Das Wachstum wird schließlich zum erliegen kommen. Das ist ein unvermeidbarer mathematischer Fakt.
wauz 28.11.2017
2. Der Markt ist ausgereizt
Der Markt als "Möbelhaus" ist ausgereizt. Inzwischen ist Ikea für "kleine Geldbeutel" eher schon zu teuer geworden und viele mit schmalem Budget kaufen wackelige Möbel bei kleineren, aber lokalen Sonderposten-Märkten. Inzwischen sind ja auch die Discounter ins Geschäft mit Kleinmöbeln eingestiegen. So nah wie die wird Ikea an die Kunden nicht kommen. Was aber denkbar wäre, ist ein Ausbau im Bereich der Systemgastronomie. Ikea-Restaurants arbeiten genauso effizient wie die Burger-Verticker, haben aber eine angenehme Abwechslung im Sortiment. Da geht noch was!
kumi-ori 28.11.2017
3.
Ikea hat in den letzten Jahren von der Qualität her deutlich nachgelassen (Möbel und Lebensmittel) und bei den Preisen (zumindest bei Lebensmitteln) stark angezogen. Aus diesem Grund kaufe ich praktisch nicht mehr dort.
Weltgeisterer 28.11.2017
4. Was erwarten die Leute denn...
Natürlich stagniert das Geschäft mit den Billigmöbeln (und ich meine die Verarbeitungsqualität...). Wer schon mal versucht hat mit Ikeamöbeln umzuziehen, der weiß dass es Glückssache ist, ob man die Dinger zerstörungsfrei zerlegen kann. Da kauft man sich irgendwann doch lieber etwas Langlebigeres von echter Handwerkskunst. Die Sättigung des Marktes ist halt dann irgendwann erreicht. Warum Konzerne überhaupt ständig wachsen müssen, ist eine andere Frage.
Trollfrühstücker 28.11.2017
5. Das könnte auch an den Preisen liegen
Zur Erinnerung: IKEA war mal ein Billigladen. Die Qualität ist gleich geblieben, aber die Preise besonders für die eigentlichen Produkt, nämlich Möbel, haben in den letzten Jahren ungeheuer zugelegt. Heute punkten andere Ketten bei preiswerten Möbeln. IKEA ist mehr was für Besserverdiener mit studentischer Vergangenheit geworden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.