Im Visier von Moody's Märkte bangen um Frankreichs Kreditwürdigkeit
Börse in New York: Anleger in den USA sorgen sich um Europa
Foto: BRENDAN MCDERMID/ REUTERSHamburg/ Frankfurt am Main - In diesen Tagen reicht ein kleiner Auslöser, um die Anleger in Panik zu versetzen. Am Montag war es ein Kommentar der Rating-Agentur Moody's zur Lage in Frankreich. Darin warnte sie - zum wiederholten Male - davor, dass das zweitgrößte Euro-Land sein AAA-Spitzen-Rating verlieren könnte. Am Finanzmarkt kam das schlecht an.
Der Risikoaufschlag für französische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren stieg erneut deutlich auf gut 3,5 Prozent. Zum Vergleich: Deutschland muss für entsprechende Anleihen weniger als zwei Prozent zahlen. Die Aktienmärkte in ganz Europa fielen ins Minus. Der deutsche Leitindex Dax sank um 3,4 Prozent auf 5606 Punkte. Auch die New Yorker Wall Street hat am Montag deutlich tiefer geschlossen. Der Leitindex Dow Jones rutschte um 2,11 Prozent auf 11.547 Punkte ab und damit auf den tiefsten Stand seit vier Wochen, nachdem er zu Handelsbeginn um mehr als 2,5 Prozent eingebrochen war.
Diese Entwicklungen beunruhigen auch die EU-Kommission in Brüssel. "Die Krise trifft den Kern der Euro-Zone, wir sollten uns darüber keine Illusionen machen", sagte Währungskommissar Olli Rehn in Brüssel.
Frankreich ist zuletzt immer stärker ins Visier der Finanzmärkte geraten und muss bereits höhere Refinanzierungskosten für seine Schulden zahlen. Die Regierung in Paris will mit einem härteren Sparkurs das Vertrauen der Investoren wiedergewinnen, steht nach Ansicht von Moody's aber vor einer schwierigen Aufgabe.
"Anhaltend hohe Kosten für die Kreditaufnahme würden die fiskalischen Herausforderungen der französischen Regierung vergrößern, während sich der Wachstumsausblick verschlechtert, was negative Kreditauswirkungen hätte", schrieb Moody's-Experte Alexander Kockerbeck im wöchentlichen Kreditausblick der Agentur.
Ein Renditeanstieg um einen Prozentpunkt bedeute pro Jahr etwa Zusatzkosten von rund drei Milliarden Euro, erklärte Moody's. Das von der Regierung für 2012 erwartete Wachstum von nur einem Prozent erschwere den angepeilten Schuldenabbau.
Deutsche Banken drohen Staaten mit Kaufverweigerung
Der Moody's-Konkurrent Standard & Poor's hatte jüngst versehentlich Frankreichs Top-Rating AAA herabgestuft. Dies hatte für große Empörung in Frankreich gesorgt, aber vor allem für heftige Turbulenzen an den Finanzmärkten. Denn für den Kampf der Euro-Staaten gegen die Krise wäre es ein heftiger Rückschlag: Sollte Frankreich sein AAA-Rating verlieren, wäre auch das AAA-Rating des EU-Rettungsschirms EFSF gefährdet, sagte Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker.
"Ich möchte nicht, dass das passiert", sagte Juncker am Montag in Mainz. Zur möglichen Herabstufung Frankreichs ergänzte er: "Ich würde das der tatsächlichen Lage Frankreichs für nicht angemessen halten."
Für Experten kommt der Warnschuss von Moody's nicht überraschend. "Dass Frankreich substantiell etwas gegen die Haushaltsprobleme getan hat, ist bisher nicht zu erkennen", kritisierte Volkswirt Rainer Sartoris von der Bank HSBC Trinkaus.
Für schuldengeplagte Staaten könnte es künftig noch schwerer werden, sich frisches Geld zu beschaffen. Weil Staatsanleihen zuletzt immer unsicherer geworden sind, drohen etwa die deutschen Banken damit, klammen Ländern den Geldhahn zuzudrehen. Es sei in Zukunft nicht mehr selbstverständlich, dass ein Land seinen Haushalt über die Kapitalmärkte finanzieren könne, sagte der Präsident der Bankenverbandes, Andreas Schmitz, am Montag. "Das Verhalten der Marktteilnehmer wird sich ändern."
Zur Begründung verwies er auf das gestiegene Risiko von Staatsanleihen und die Folgen der schärferen Regulierung. "Die Refinanzierung der Staaten wird in Zukunft deutlich teurer, als sie heute ist." Das werde die Verschuldungsprobleme vielerorts noch verschärfen.